Evangelischer Pfarrer Wolfgang Dörrich hält Gottesdienst in Holzkirchen.
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Pfarrer Wolfgang Dörrich hat seinen letzten Gottesdienst in Holzkirchen schon gehalten.

Wolfgang Dörrich und Doris Wild gehen

Doppelter Abschied: Zwei Pfarrer sagen Lebewohl

  • Marlene Kadach
    vonMarlene Kadach
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Holzkirchens evangelischer Pfarrer Wolfgang Dörrich geht zum 1. Oktober in den Ruhestand. Auch seine Kollegin Doris Wild verlässt die Kirchengemeinde.  

Holzkirchen - Die Corona-Krise hat seine Arbeit ausgebremst. Und dass er ausgerechnet in seinen letzten Monaten Abstand zu seinen Schäfchen halten musste, wurmt Pfarrer Wolfgang Dörrich. „Ich hatte wenig Kontakt zu den Menschen“, bedauert der 65-Jährige. Dabei waren es doch genau diese Begegnungen, die ihn in seinem Beruf reizten. Auch wenn sie manchmal traurig waren – etwa, als er ein Kind beerdigen musste, das er selbst getauft hatte. Hinzu kam mit Corona ganz viel Organisation, vor allem in den Kitas. Ständig ploppten neue Vorgaben auf. „Einfach schrecklich.“

Es ist ein etwas turbulenter Abschied: Zum 1. Oktober geht der geschäftsführende Pfarrer der Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Holzkirchen – zuständig für Otterfing, Valley, Warngau, Dietramszell, Sauerlach und Egling und 4500 Gläubige – in den Ruhestand. Neben Dörrich verlässt Pfarrerin Doris Wild zum selben Zeitpunkt Holzkirchen.

Als Dörrich vor elf Jahren von Ingolstadt-Friedrichshofen hierher kam, kannte er sich in der Gegend aus. Hatte er doch von 1983 bis 1986 als Pfarrer in Hausham gearbeitet. „Es war ein Stück nach Hause kommen.“ In Holzkirchen begleitete Dörrich einige Projekte. „Mein erster Akt war die Einweihung des Thomashauses.“ Den Umbau der Apostel-Thomas-Kirche zu einem modernen Gemeindezentrum hatte noch sein Vorgänger Pfarrer Gottfried Greiner betreut. Später ließ man das alte, pestizidbelastete Gemeindehaus abreißen und stellte mithilfe der Marktgemeinde einen Neubau hin. Dort kamen Krippe, Jugendraum und ein Saal unter. Das Gebäude wurde 2013 eingeweiht. Auch die Sanierung des maroden Glockenturms der Segenskirche trieb Dörrich 2017 voran. Den Großteil der Kosten übernahm die Landeskirche. „Den Rest mussten wir selber aufbringen“, erzählt er. „Das haben wir dank vieler Spenden geschafft.“ Wehgetan hat ihm der Abschied von der Michaelskapelle in Dietramszell. Nachdem die Zahl der Gottesdienstbesucher schrumpfte, hatte sich der Unterhalt des Gebäudes nicht mehr rentiert, es wurde entwidmet.

Wichtig war Dörrich stets die Jugendarbeit, über die einst sein Berufswunsch entstand. Am Herzen lag ihm außerdem die Ökumene. Schon allein wegen des Friedens im eigenen Haus. „Meine Frau ist Katholikin.“ In Holzkirchen durfte er mit drei katholischen Pfarrern zusammenarbeiten. „Das war stets eine wunderbare ökumenische Nachbarschaft.“

Genau das gefiel Pfarrerin Wild, die den Sprengel Holzkirchen-Ost und Warngau betreute. Sie kümmerte sich viel um die Konfirmanden, die sie ungern verlässt. Derzeit befindet sich Wild in Sabbatzeit und war für ein Gespräch nicht erreichbar. Auf der Internetseite der Kirchengemeinde schreibt sie: „Nun darf, soll, muss ich mich nach gut neun Jahren beziehungsweise 16 Jahren von Ihnen verabschieden.“ Bereits 2004 war sie als Pfarrerin in Holzkirchen. Nach einer Elternzeit kehrte sie 2011 ins Team zurück. Wild ist eine Frau, die gerne Neues ausprobiert. Und für eine berufliche Veränderung sei es nun höchste Zeit. Ab Oktober arbeitet sie bei der Servicestelle Segen Südbayern. „Bedanken möchte ich mich bei allen, die mich ausgehalten, begleitet und ermutigt haben“, sagt sie. „Vieles möge segensreich weitergehen.“

Laut Dörrich gibt es bislang keine Nachfolger. Er schätzt, dass beide Stellen erst im Februar 2021 neu besetzt werden. Dörrich fände ein Pfarrerehepaar passend. Wilds halbe Stelle könnte mit der halben Stelle einer Religionspädagogin – die seit Längerem vakant sei – zusammenführt werden. Sein Kollege Peer Mickeluhn wird im Übergang viel zu tun haben. Hilfe komme aus Nachbargemeinden sowie von den ehrenamtlichen Pfarrern Jonathan Kühn und Bettina Roitzsch. Aber: „Das wird eine harte Zeit.“

Andererseits tue eine Pause gut. Es gebe eine Regel bei den Evangelen: „Man bewegt sich weit fort, damit der Nachfolger freies Feld hat.“ Daher kehrt Dörrich nach Ingolstadt zurück. „Erst mal nehme ich mir eine Auszeit.“ Er will reisen und in die Berge. Schließlich ging Jesus auch auf den Berg, um sich zu entziehen. Danach werde er sich wohl ehrenamtlich engagieren. Zum Schluss kommt Dörrich ins Philosophieren: „Der letzte Lebensabschnitt beginnt.“ Es schwingt Freude mit, aber eben auch Wehmut.

Eine Abschiedsfeier

findet am Sonntag, 27. September, in der Segenskirche statt. Da dort derzeit nur 54 Plätze genutzt werden dürfen, sind alle Gläubigen ab 11.30 Uhr auf dem Kirchplatz eingeladen, um Lebewohl zu sagen.

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