Bäcker Martin Kuhn mit anderen Einzelhändlern vor seinem Stammhaus in der Münchner Straße in Holzkirchen.
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Martin Kuhn (2.v.r.) und andere Holzkirchner Einzelhändler wie (v.l.) Florian Graser, Stephanie Jennerwein und Hans Priller wollen von der Gemeinde gehört werden.

Geschäftsleute haben eigene Ideen zur Belebung des Zentrums

Einzelhändler fordern: Holzkirchner Ortsmitte braucht Frequenzbringer

  • Marlene Kadach
    vonMarlene Kadach
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Die Gemeinde will den Holzkirchner Marktplatz umgestalten. Einige Einzelhändler rund um Bäcker Martin Kuhn fühlen sich übergangen und haben eigene Ideen für die Wiederbelebung des Ortskerns.

Holzkirchen - Der Holzkirchner Bäcker Martin Kuhn ist ein alter Hase in seiner Branche. Die Bäckerei Kuhn hat 14 Filialen mit insgesamt 200 Angestellten. Doch eine jüngste Entwicklung machte den 51-Jährigen stutzig: Seit zwei Monaten hat sein Stammhaus an der Münchner Straße ab 13.30 Uhr zu, weil sich der Nachmittagsbetrieb nicht mehr rentiert hatte. Das Erstaunliche: „Es hat sich darüber keiner beschwert.“ Während sich also im alten Ortskern kaum Kunden tummeln, ist die Bude in seiner Bäckerei am HEP-Kreisel voll. „Trotz Corona.“

Kuhn spricht ein altbekanntes Problem an und damit vielen Einzelhändlern aus der Seele: Die Laufkundschaft, die durch Holzkirchen flaniert, schrumpft. Viele traditionelle Geschäfte schlossen, etwa das Schreibwarengeschäft Hummelberger oder der Juwelier Ernst. Und wichen Handyläden oder Fitnessstudios, die kaum spontane Kunden anlocken.

Die Gemeinde möchte ebenfalls, dass Leben in die von der Straße zerschnittene Ortsmitte zurückkehrt und mehr Fußgänger und Radler als Autos unterwegs sind. Wie berichtet, stellte Marktbaumeister Florens Hintler neulich im Gemeinderat Ideen rund um den Marktplatz vor: etwa eine Außengastronomie, ein geeignetes Pflaster, bessere Verbindungen, einheitliche Sitzbänke. Kuhn aber fragt sich: „Für wen wollen die Gemeindeväter den Marktplatz schöner machen?“ Wer bitte setze sich auf die Bänke? Die Leute hielten sich dort nicht mehr auf.

In Kuhns Augen bräuchte es einen Frequenzbringer in der Ortsmitte, ähnlich dem HEP. Er wärmt eine alte Idee auf: „Im Bereich Herdergarten müsste man alles platt machen.“ Die Parkplätze, die Gebäude von JUZ, Caritas-Hort, Arbeitsamt und eine private Wiese südlich davon sollten für eine Art Einkaufszentrum mit Discounter, Drogeriemarkt und Markthallen weichen. „Drunter gehört eine Tiefgarage.“ Nur so kämen wieder mehr Menschen in den Ortskern.

Florian Graser, Filialleiter von Augenoptik Häckl, nickt: „Die Idee ist nicht blöd.“ Typische Bummelkunden, die Sonnenbrillen kaufen, sind inzwischen rar. Weil es immer weniger attraktive Geschäfte gebe, hätten die Leute keinen Grund, sich auf einem dann noch so schönen Marktplatz aufzuhalten. Als Magneten am Herdergarten stellt Graser sich „was Hochwertiges“ vor, etwa einen Bioladen oder Markthallen. Ein Biergarten wäre schön. „Aber das lohnt sich bestimmt nicht.“ Dann vielleicht eher ein Café.

Hans Priller, Inhaber des gleichnamigen Weinfachhandels, wird oft gefragt, wo man im Zentrum einen Kaffee trinken kann. Seit 1986 führt er das Unternehmen, das sein Opa 1897 gründete. Seitdem habe die Attraktivität der Geschäfte abgenommen. „Früher hat es noch Spaß gemacht, einen Schaufensterbummel zu machen. Heute nicht mehr.“ Daher gefällt Priller Kuhns Idee. Hintlers Vorschläge hörten sich schön an, seien aber „realitätsfern“. Sterben immer mehr Läden, habe man bald eintönige Zustände wie in den USA. „Außen Shoppingmalls und innen Büros.“ Wichtig für die Einzelhändler seien zentrale Parkplätze, diese jedoch möchte die Gemeinde im Sinne des Mobilitätskonzepts verringern.

Das findet auch Stephanie Jennerwein, Geschäftsführerin im Traditions-Modehaus Jennerwein. „Wir brauchen auch die Hauptstraße. Das ist unsere Existenzgrundlage.“ Allein als die Gemeinde 2019 die kleine Straße vor dem Rathaus testweise sperrte, „standen wir auf der Matte“. Gerade ältere Kunden kämen per Auto. Von einer autofreien Zone hält Jennerwein wenig. „Wir sind keine Großstadt.“ In einem kleinen Ort wie Holzkirchen funktioniere eine Fußgängerzone nicht. „Das ist weltfremd.“ Sie fragt sich, warum Einzelhändler zur Marktplatzumgestaltung nicht gehört werden. Kuhn: „Uns fehlt die Einbeziehung der Gewerbetreibenden.“

Bürgermeister Christoph Schmid beschwichtigt: „Die Interessen der Einzelhändler fließen mit ein.“ Es sei ja noch nichts beschlossen. Die Geschäftsleute könnten sich bei ihm melden. Zu Kuhns Vorschlag sagt er: „Es ist schön, wenn Ideen kommen. Wir sind für Anregungen offen.“ Allerdings verfüge die Gemeinde nicht über alle Flächen. Das Arbeitsamt etwa gehöre dem Bund. „Eine Tiefgarage im Ort mutet mir etwas seltsam an.“ Aber: „Es gibt keine Denkverbote für den Platz.“

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