Justitia
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Der Prozess vor dem Landgericht München dauert an.

Prozess dauert an

Exhibitionist vor Gericht: „Habe mir gedacht, ich tue ihnen ja nichts“

  • Angela Walser
    vonAngela Walser
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Wegen Exhibitionismus und eines Übergriffs auf eine Frau muss sich ein 25-Jähriger vor dem Landgericht verantworten.

Holzkirchen – Sein junges Leben war bislang nicht einfach gewesen. Förderschule, Mobbing und dann der Drang, sich vor jungen Frauen zu entblößen. Vor dem Landgericht München II legte der 25-Jährige jetzt seine Probleme und Taten schonungslos offen.

„Wenn ich das höre, tut mir das wirklich leid“, sagte der Mann aus dem nördlichen Landkreis über seine Taten. Sein Drang hatte von Juli 2019 bis März 2020 junge Frauen in schreckliche Situationen gebracht. Anfangs hatte er sich ihnen nur gegenüber gestellt und die Hose heruntergelassen. So war das an einem Juliabend mehrmals auf einem Holzkirchner Spielplatz und nur wenige Stunden später in Feldkirchen-Westerham geschehen. In Aying passierte es im Februar und mehrfach im März 2020. Der Höhepunkt war dann eine Attacke in der Blumenstraße in Holzkirchen. Vermummt mit einer Sportmaske, berührte er eine Frau unsittlich. Sie schrie laut, schaffte es, dem Mann die Maske herunterzureißen und wegzulaufen. Noch in der Nacht konnte der 25-Jährige festgenommen werden.

Zu Prozessauftakt gestand der Angeklagte alles ein, sein Ziel definierte er mit dem Wunsch, ein Leben ohne Gefängnis führen zu können. „Noch stehen Familie, Freunde und Vereine hinter mir“, sagte der Angeklagte. Auch seine Arbeit könne er sofort wieder aufnehmen, erklärte er. „Weiß jemand von Ihren Problemen?“, fragte der Vorsitzende Richter Martin Hofmann. In einem seiner Vereine wisse es jeder, „und die anderen konnten sich das denken, auf einmal war ich weg“, erwiderte der Angeklagte. Aber alle stünden hinter ihm, das sei er eigentlich nicht. „Auch Mädchen wissen, dass ich kein schlechter Mensch bin, das macht mich stolz“, erzählte der 25-Jährige. Sie anzusprechen, habe er sich selten getraut. Im Hinterkopf habe sich die Furcht etabliert, dass er sowieso einen Korb bekommen würde. Nur einmal lebte er mit einer Frau zusammen, die ein behindertes Kind und damit aus seiner Sicht genügend eigene Probleme hatte. Sie verließ er schnell.

„Was haben Sie denn gedacht, was die Damen empfinden?“, erkundigte sich der Richter beim Angeklagten nach den Opfern. „Ich wusste, dass es falsch ist, aber ich habe es mir schön geredet und mir gedacht, ich tue ihnen ja nichts. Sie können ja wegschauen“, antwortete der Mann. Eine Reaktion habe er nicht erwartet. „Ich wollte keinen erschrecken“, sagte er. „Ging es Ihnen nach der Tat besser?“, erkundigte sich der Richter. „Kurzzeitig ja“, räumte der Mann ein. Aber nach den schweren Attacken habe er Herzrasen und Schweißausbrüche bekommen. Der Prozess dauert an.

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