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Auf in die Freiheit: Am Freitag entließ Alfred Aigner (2. v. l.) den genesenen Schlangenadler im Beisein seiner Finder (v.l.) Hans Winklmair, Magdalena Brandauer und Alexander Pfisterer in die Freiheit. Sie hatten den Exoten in Waakirchen gefunden.

Schlangenadler in Otterfinger Pflegestation

Der exotische Patient

Otterfing - Die Greifvogel-Auffangstation in Otterfing hat in den vergangenen Wochen einen exotischen Patienten aufgepäppelt: einen Schlangenadler.

Seiner Leibspeise verdankt er seinen Namen. Das Voralpenland ist deshalb selten attraktiv für den Schlangenadler. Umso erstaunter war Alfred Aigner, als drei Waakirchner ein verletztes Exemplar in seine Greifvogelauffangstation in Otterfing brachten. Am Freitag wurde der exotische Patient in die Freiheit entlassen. 

„So einen Vogel bekommt man vielleicht ein Mal im Leben zu sehen“, sagt Alfred Aigner. Der Förderschul-Lehrer kümmert sich seit 40 Jahren in seiner Freizeit ehrenamtlich um verletzte, kranke und schwache Bussarde, Falken, Eulen & Co., päppelt sie auf und entlässt sie wieder in die Freiheit. Und nur ein Mal in all den Jahren hat er bisher einen Schlangenadler gesehen, in einer Falknerei. Dass er jemals einem frei lebenden Vertreter dieser Art begegnen würde, damit hätte Aigner nie gerechnet. Denn Schlangenadler leben vor allem in anderen Flecken der Erde, zum Beispiel im Nahen Osten oder in Südwesteuropa. Die dortigen Brutgebiete erreichen sie nach dem Überwintern in der Sahelzone über Gibraltar und verteilen sich von dort aus. In Mitteleuropa kommt der Schlangenadler als Brutvogel nur sehr selten vor; vielleicht 85 Paare gebe es, hat Aigner recherchiert. „Ansonsten ist er ein sehr seltener Sommergast, der am Alpennordrand in sehr geringer Zahl durchzieht.“ Seine etwa 1,80 Meter Flügelspannweite tragen ihn allerdings auch mal mühelos 100 Kilometer weit, wenn der Vogel eine gute Thermik erwischt.

Zumindest ein Exemplar kam heuer in den Landkreis Miesbach – vielleicht, meint Aigner, auf Partnersuche. Den Ausflug ins Bayerische Oberland hätte der Schlangenadler jedenfalls beinahe mit dem Leben bezahlt. Drei Waakirchner fanden den verletzten Greifvogel in ihrem Heimatort, brachten ihn schnell zur Pflegestation in Otterfing. „Wie sich bei einer gründlichen Untersuchung herausstellte, hatte er eine schmerzhafte Flügelprellung, die er sich vermutlich durch eine Kollision mit einem Auto zugezogen hat“, berichtet Aigner. 

Dieses Schicksal trifft viele Greifvögel. Von den 80 bis 100 Patienten, die jährlich in die Auffangstation in Otterfing kommen, sind etwa die Hälfte bei Kollisionen im Straßen- oder Schienenverkehr verletzt worden. Für Aigner ist das eine erschreckende Entwicklung. Denn Scheiben kann man kennzeichnen und Überland-Stromleitungen umrüsten, um sie für Vögel sicherer zu machen. „Aber der Verkehr nimmt einfach nur mehr zu, und die Lebensräume werden zerstückelt.“ Und wenn ein Greifvogel auf einem Baum ansitzt und im Gebüsch am Straßenrand eine Maus oder ein anderes Beutetier entdeckt, schaut er eben nicht links und nicht rechts. 

Für viele Greifer ist nach Unfällen keine Hilfe mehr möglich. „Wenn die Knochen total zertrümmert sind, muss man sie einschläfern.“ Der Schlangenadler aus Waakirchen hatte mehr Glück. In der Auffangstation kümmerten sich Aigner und seine Helfer um den stattlichen Patienten mit 1,80 Meter Flügelspannweite und knapp zwei Kilogramm Gewicht. „Er war gut genährt“, berichtet Aigner. Seine Leibspeise konnte Aigner dem Exoten zwar nicht bieten. „Aber er hat in der Pflegestation auch Eintagsküken und Mäuse nicht verschmäht.“ 

Der Patient erholte sich schnell wieder. Am vergangenen Freitag entließ Aigner gemeinsam mit den Findern den Schlangenadler auf einer Wiese an der Auffangstation in die Freiheit – versehen mit einem Ring der Vogelwarte Radolfzell. Sollte der Schlangenadler irgendwann einmal irgendwo aufgefunden werden, kann zurückverfolgt werden, dass er mal ein Patient in Otterfing war. Diese Meldungen sind die einzige Form der Rückmeldung, die Aigner und seine Helfer bekommen. Meist dann, wenn ein Vogel tot aufgefunden wurde. „Wir hoffen, dass wir lange nichts mehr von ihm hören.“ Aigner ist jedenfalls optimistisch: „Der imposante Greifvogel hat sich mit kraftvollen Schwingenschlägen von uns verabschiedet."

Katrin Hager

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