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Verspätung hat die in Holzkirchen geplante Traglufthalle. Das Bild zeigt die Unterkunft in Neubiberg.

Geplante Flüchtlings-Unterkunft im Moarhölzl

Traglufthalle kommt erst im März

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Holzkirchen - Der Aufbau der Traglufthalle, die im Süden von Holzkirchen 320 Flüchtlinge aufnehmen wird, verzögert sich um zwei bis drei Monate. Ursprünglich sollte die Unterkunft vor Weihnachten in Betrieb gehen. Verantwortlich für die Verzögerung ist eine ungünstig verlaufende Gasleitung im Moarhölzl.

Die Nachricht kommt überraschend. Im Moarhölzl, einer Außenbereichsfläche der Marktgemeinde Holzkirchen, war längst eine Fläche ausgeschaut, auf der die große Halle stehen sollte (wir berichteten). Der Vorteil des Standorts: Es gibt dort bereits Versorgungsanschlüsse (Strom, Wasser, Abwasser).

Erst jetzt kam aber offenbar ans Licht, dass unter dem geplanten Standplatz eine Gasleitung verläuft. „Wir müssen den Standort verlegen“, bestätigt Birger Nemitz, Pressesprecher des Landratsamtes, auf Anfrage. Die Halle wird nun nicht wie geplant südlich, sondern nördlich des Moarhölzl-Weges aufgebaut. Dort allerdings hängt das Gelände um bis zu 1,5 Meter. „Das Landratsamt muss die Fläche erst planieren lassen“, sagt Nemitz. Zudem gestaltet sich der Kanalanschluss komplizierter. Laut Nemitz müssen die Gemeindewerke Holzkirchen eine Hebeanlage installieren. Das alles braucht Zeit. „Die Traglufthalle wird wohl erst Ende Februar oder Anfang März bezugsfertig“, sagt Nemitz.

Damit hat Jürgen Wowra, derzeit einer der gefragtesten Unternehmer des Landes, etwas Zeit gewonnen. Der Augsburger ist Chef des Berliner Unternehmens Paranet, dem Marktführer in Sachen Traglufthallen. Viele Städte und Landkreise in Deutschland setzen auf diese „fliegenden Bauten“, die innerhalb weniger Tage stehen und vergleichsweise vielen Flüchtlingen relativ ansprechende Unterkünfte bieten. Auch der Landkreis Miesbach hat bestellt – eine große Halle für Holzkirchen, eine kleinere für Rottach-Egern (Birkenmoos). „Wir haben derzeit rund 30 Hallen in Arbeit“, sagt Wowra, „Holzkirchen wäre einer der nächsten Standorte gewesen, die wir anpacken.“

Ist die Fläche planiert und stehen die Versorgungsleitungen, dann rückt Wowras Truppe an. In einem ersten Schritt werden die Baustahl-Anker, die der Halle später Stabilität verleihen, zwei Meter tief in die Erde versenkt. Die Konstruktion sei absolut schnee- und sturmsicher, betont der Unternehmer.

Witterungsabhängig ist nur das erstmalige Aufblasen der Hülle. „Dafür brauchen wir zwei bis drei Tage ohne Sturm, Regen oder Schnee“, betont der Paranet-Chef. Mit der Inneneinrichtung und dem Aufstellen der elf Container für Duschen und WC brauche man zehn bis 14 Tage – dann sei die Unterkunft bezugsfertig. 

Das Landratsamt hat bei Paranet ein Gesamtpaket gebucht, dazu zählt ein Sicherheitsdienst. „Es werden rund um die Uhr immer zwei Personen vor Ort sein“, sagt Nemitz. Die Kosten übernimmt hier der Freistaat – was im Landkreis nicht die Regel ist, wie der Sprecher betont. „Der Landkreis zahlt aktuell 2,5 Millionen Euro aus eigener Tasche für Sicherheitsdienste in Flüchtlings-Unterkünften.“ Wünschenswert sei, dass der Staat auch diese Kosten trägt.

In den Traglufthallen, die auch Aufenthaltsbereiche, Gebetsräume und Spielecken bieten, darf aus Brandschutzgründen nicht gekocht werden. Deswegen organisiert Paranet in Holzkirchen einen Caterer, der dreimal täglich Essen in die Halle liefert. Man sei im Gespräch mit zwei Anbietern aus dem Münchner Raum. „Wir brauchen hier unbedingt Qualität“, weiß Wowra aus Erfahrung. „die meisten Unruhen, die in den Hallen entstanden sind, lassen sich auf Probleme mit dem Essen zurückführen.“

Welche Flüchtlinge irgendwann in die Halle ziehen, weiß niemand. „Wir rechnen mit vielen Syrern“, sagt Bürgermeister Olaf von Löwis (CSU). Unter Umständen seien Familien darunter, für sie wären Plätze in Kitas und Schulen zu organisieren. 

Vom Moarhölzl können die künftigen Hallen-Bewohner über einen Feldweg und die Thanner Straße in den Ort gelangen. Eine gefährlichere Alternative wäre der Radweg entlang der B 13. Laut Löwis ist geplant, am Moarhölzl eine Bushaltestelle einzurichten.

Von Andreas Höger

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