Hand klebt durchsichtige Folie an eine Türklinke
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Avery Zweckform aus Oberlaindern hat eine Folie entwickelt, die auf Oberflächen Viren und Bakterien abtötet.

Hilfe in Coronazeiten

Folie macht Keimen den Garaus: Avery-Zweckform präsentiert Erfindung

  • vonKatrin Hager
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Es klingt vielversprechend in Coronazeiten: Avery-Zweckform aus Oberlaindern hat eine Folie entwickelt, die wie von Zauberhand Bakterien und Viren abtötet.

Oberlaindern – Türklinken, Griffe, Lichtschalter, Handläufe an Treppen: Spätestens seit Corona mag die kaum einer anfassen – wer weiß, wie viele Krankheitserreger dort lauern. Das hat auch den traditionsreichen Bürobedarf-Hersteller Avery Zweckform in Oberlaindern auf Ideen gebracht. Die Produktentwickler haben „antimikrobielle Etiketten“ ausgetüftelt, die man einfach über Türklinken, Griffe & Co. kleben kann. Die Beschichtung wirkt antibakteriell und antiviral und entfernt 99,9 Prozent aller Keime, ohne Zutun, kontinuierlich und mindestens ein Jahr lang. Gesundheitlich ist die Beschichtung dabei unbedenklich. Es gibt die selbstklebende, strapazierfähige Folie in transparent oder weiß. Bedruckt werden kann sie in Maßen, sonst wird die Wirkung beeinträchtigt.

Der traditionsreiche Büroartikelhersteller – seit 2013 abermals mit der früheren Zweckform-Etikettiertechniksparte in Holzkirchen unter einem Konzerndach, nämlich bei CCL Industries – sucht fortlaufend mit neuen Produkten Wege in die Zukunft oder entwickelt Etiketten und Formulare weiter. Der Druck ist groß: Karteikarten und Locherfolien etwa, früher in jedem Büro und jedem Haushalt und meistens von Zweckform vertreten, sind weitgehend von der Digitalisierung verdrängt worden. Ein Trend, der sich durch Corona sicher nicht umkehrt. Da kommt eine Entwicklung wie die antimikrobielle Folie gerade recht.

Nun sind solche entkeimenden Folien keine ganz neue Erfindung. Was ist also die Neuheit an den antimikrobiellen Etiketten aus Oberlaindern? „Diese Folie reagiert mit Luft und Licht“, erklärt Zweckform-Produktmanagerin Julia Seemüller auf Nachfrage. Es gebe zwar viele Mitbewerber, die mit Beschichtungen arbeiten, die mit Feuchtigkeit oder hohen Temperaturen wirken. „Aber das ist für diesen Anwendungsbereich nicht geeignet.“ Die Zweckform-Beschichtung funktioniert mit Licht und Sauerstoff, wobei ganz normales Lampenlicht in geringer Menge ausreicht. „Es braucht kein UV-Licht“, erklärt Seemüller. Der Prozess nennt sich Photodynamik. Das Licht setzt in der Beschichtung der Folie eine Sauerstoff-Reaktion in Gang, die Mikroorganismen zerstört. Und zwar zu 99,9 Prozent. Die Wirksamkeit ist klinisch getestet, so das Unternehmen, und von unabhängigen Instituten gemäß ISO 22196-Prüfung bestätigt.

Für die Frage, ob die Folie im Kampf gegen die Pandemie etwas ausrichten kann, ist allerdings entscheidend, ob die Beschichtung auch bei jenem Coronavirus wirkt, das Covid-19 auslöst, und – falls ja – in welchem Zeitraum sie 99,9 Prozent davon abtötet. „Die Beschichtung ist dazu gerade im Test“, sagt Seemüller auf Nachfrage. Die bisherigen Ergebnisse bei Bakterien und auch bei anderen menschlichen Viren aus der Corona-Familie stimmen die Produktmanagerin aber optimistisch. „Wir erwarten heuer noch das Zertifikat.“ Dem Unternehmen wäre für die Vermarktung natürlich wichtig, mit der Zertifizierung so schnell wie möglich werben zu können. Aber auch für eine Zeit nach Corona dürfte das Hygienebedürfnis nach den Erfahrungen aus dieser Pandemie vermutlich dauerhaft steigen.

Bisher komme die Folie gut an, sagt Seemüller, ohne konkrete Zahlen zu nennen. Seit gut einer Woche ist sie auf dem Markt. Bei der Zweckform in Oberlaindern und den Mitarbeitern, die nicht im Homeoffice arbeiten können, sind die antimikrobiellen Etiketten schon im Einsatz, sagt Seemüller. An Türklinken, Schwingtüren und Lichtschaltern. Auch wenn noch nicht bestätigt ist, dass die Beschichtung Corona bändigt: „Man fühlt sich schon sicherer.“

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