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„Viele Tiere mögen keine Nadeln“: Deshalb heilt Cornelia Brunner ihre Patienten nur noch rein mental. Auch wenn sie dafür viele skeptisch beäugen.

Chinesische Medizin für Tiere

Die Frau mit den heilenden Händen

  • Marlene Kadach
    vonMarlene Kadach
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Otterfing - Es klingt ein wenig verrückt, doch die Nachfrage steigt: Cornelia Brunner, 40, aus Otterfing ist Tiertherapeutin. Sie heilt ihre Patienten rein mental. Ein Arztbesuch.

Cornelia Brunner weiß genau, dass das für unbeleckte Außenstehende blöd ausschaut. „Es ist eine abgefahrene Geschichte“, sagt sie. Klingt ein wenig nach Hokuspokus. Doch das ist ihr inzwischen egal. „Für mich ist wichtig, dass es funktioniert.“ Und es funktioniert – davon ist sie überzeugt.

Also tastet sie Felicia, eine 14-jährige Araber-Stute ab, die gerade am Moserhof in Valley steht. Als sie das Pferd am Bauch berührt, zuckt es zusammen, schnaubt, dreht den Kopf zur Seite. „Das ist der Trauerpunkt“, sagt die 40-Jährige. Jetzt beginnt die mentale Zeitreise in die Vergangenheit, als dem Pferd etwas passiert ist, das bis heute schmerzt.

Brunner aus Otterfing, eine Frau mit kurzen Haaren und festem Blick, ist Tiertherapeutin. Sie behandelt Hunde, Katzen, Kanarienvögel, Rinder – aber hauptsächlich Pferde. Sie wendet dabei traditionell chinesische Medizin (TCM) an. „Eine jahrtausend alte Behandlungskunst der Chinesen.“ Hierzu gehören Qigong, Akupunktur und Kräutermedizin. Aber nur die letzten beiden Methoden machen bei Tieren Sinn, meint sie. Und inzwischen verzichtet Brunner komplett auf die Nadeln. „Viele Tiere mögen keine Nadeln.“

Sie sattelte um auf eine rein mentale Behandlung, genannt Akupunkturorientierte Energiearbeit (AOE). Diese stammt von dem norddeutschen Tierarzt Christian Torp, der die klassische Akupunktur weiterentwickelte. Momentan macht Brunner das noch nebenberuflich, hat zwei bis drei Patienten pro Woche. Eine Erstbehandlung kostet 85 Euro.

Doch gerne würde sie komplett umsteigen. Hauptberuflich arbeitet sie derzeit im Vertrieb für Haushaltsgeräte. Früher wollte sie Tiermedizin studieren, aber: „Mein Vater sagte, ich soll was Vernünftiges machen.“ Also wurde sie Industriekauffrau. Doch die Liebe zu den Tieren schlummerte weiter – bis sie eines Tages aufwachte. Die Reaktionen aus dem Bekanntenkreis waren gut: „Die meisten wissen, wenn ich was mache, dann hat das Hand und Fuß.“ Auch wenn sie ungewöhnliche Dinge anpackt, die Kritiker reizen.

Am Anfang arbeitete Brunner mit Nadeln. Einem ihrer ersten Patienten ersparte sie so den Weg zum Metzger. Es war eine sehr junge Kuh, die gerade ein Kalb bekommen hatte. Ihr ging es schlecht. Der Bauer, der Brunner geholt hatte, war zunächst skeptisch. Er dachte wohl: „Viel kaputt machen kann sie eh nicht.“ Brunner setzte eine Nadel. Und sie schickte dem Tier ein schönes Bild, um ihm zu zeigen, dass sich das Leben lohnt. Ein Bild, auf dem die Kuh glücklich mit ihrem Kalb auf der Weide stand. Es wirkte, sagt sie. Bald darauf stürmte die Bäuerin heraus und rief: „Die Kuh steht wieder.“

Der Schritt, die Nadeln wegzulassen war ein großer. „Die Tierbesitzer wollen ja was sehen.“ Nur im Stall stehen und mit den Händen rumfuchteln – dazu gehöre viel Mut. Aber: „Ich komme da ran, wo andere verzweifeln“, behauptet sie. Wo die Schulmedizin an ihre Grenzen stößt. Oft seien es energetische Themen. „Ich löse die Blockade, und das Tier heilt sich dann selbst.“ Ein Beispiel: Ein Isländer stolperte ständig aus dem Nichts heraus. „Er hatte eine Energieblockade“, meint Brunner. Nach ihrer Behandlung konnte er wieder normal laufen. „Wenn die Energie wieder fließt, gibt es keinen Grund mehr für die Krankheit.“ Natürlich gebe es auch bei ihrer Methode Grenzen: „Wenn der Knochen gebrochen ist, dann ist er gebrochen.“ Dann braucht Tier die Schulmedizin.

Bei Bedarf verschreibt die Therapeutin Kräuter, die die Besitzer in der Apotheke abholen können. Ein Klassiker ist Ginseng. 25 Euro kostet so eine Mischung im Schnitt.

„Wichtig ist die Zusammenarbeit mit den Besitzern“, erklärt Brunner und tätschelt Felicia den Kopf. Felicias Besitzerin Heidi Seidl-Weinfurtner denkt mit. Den schmerzenden Trauerpunkt erklärt sie sich so: „Vor zehn Jahren hat Felicia ihr Fohlen verloren.“ Genau das muss es sein. Brunner nickt ernst. Seidl-Weinfurtner glaubt fest an Brunners Therapie. „Es geht darum, dass man das Pferd ernst nimmt.“ Brunner wird Felicia klar machen, dass die Vergangenheit vorbei ist. Sie zweifelt nicht daran, dass sie der Stute helfen kann. Und: „Wer heilt, hat Recht“, findet Brunner.

Von Marlene Kadach

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