+
Hohe Ansprüche: Küchenchef Gunter Untersperger und sein Team kochen in der Frischeküche täglich rund 600 Portionen, im laufenden Jahr soll die Kundenzahl auf 950 steigen – und so helfen, das Defizit zu drücken.

Defizit bei der Frischeküche

Gemeinde und Landkreis müssen zubuttern

Holzkirchen - Seit einem halben Jahr wird am Ladehof der Kochlöffel geschwungen. Die Frischeküche bekocht Kitas und Schulen. Der Steuerzahler muss den Betrieb in den ersten Jahren wohl kräftig subventionieren.

Dieses Rezept probierte noch keine Kommune aus: Statt private Caterer zu beauftragen, nahmen Gemeinde und Landkreis die Verköstigung der Kinder selbst in die Hand. Das Kommunalunternehmen (KU) Frischeküche wurde gegründet, für fast drei Millionen Euro entstand am Holzkirchner Bahnhof eine moderne Großküche. Finanziell schien das zunächst kaum ein großes Risiko zu sein. Landkreis und Gemeinde statteten das KU mit einem Startkapital von jeweils 150 000 Euro aus. Den Bau finanzierte ein Kredit.

Den Kredit sollen Gewinne aus dem laufenden Betrieb bedienen – doch die sind nicht absehbar. Im Gegenteil: Nicht einmal die „schwarze Null“, eine ausgeglichene Bilanz, ist in der Startphase möglich. „Wir haben der Frischeküche den Erfolg zu früh abverlangt“, stellt Bürgermeister Olaf von Löwis fest, der als Verwaltungsrats-Vorsitzender fungiert. Die ernüchternde Wahrheit weist der Wirtschaftsplan für 2015 aus, der ein Defizit in Höhe von 386 000 Euro prognostiziert. „Diese Berechnung geht von der ungünstigsten Entwicklung aus“, sagt Löwis, „so schlimm wird’s nicht kommen.“ Allerdings: Auch 2016 wird sich der Betrieb noch nicht selbst tragen.

„Wir brauchen Zeit“, sagt Eva-Maria Schmitz, Geschäftsführerin der Frischeküche. Schon jetzt sei absehbar, dass mehr Kunden gewonnen werden. „Anfängliche finanzielle Durststrecken sind bei solchen Projekten keine Ausnahme“, betont Schmitz. Die Frischeküche habe Neuland betreten: Gentechnikfreie Zutaten, die möglichst Bio-Standard erfüllen und aus der Region stammen, sind zu verwenden. Stets stehen zwei Gerichte zur Auswahl, es werden gluten- und laktosefreie Mahlzeiten angeboten. „Wir brauchen Erfahrungen“, sagt Schmitz. Hohe Ansprüche, optimale Arbeitsabläufe und vernünftige Preise, „in diesem Spannungsfeld müssen wir bestehen“.

Löwis kann sich vorstellen, an der Preisschraube zu drehen. Derzeit werden marktübliche Tarife erhoben: drei Euro in Krippen, 3,30 Euro in Kindergärten, 3,90 Euro in Schulen und 4,20 Euro für Erwachsene. „Gute Qualität ist teurer als Fertigprodukte“. sagt Löwis. Zutaten kosten mehr, die Zubereitung ist aufwändiger. „An der Qualität wollen wir keinesfalls sparen, darüber sind wir uns im Verwaltungsrat einig.“ Er kann sich vorstellen, dass Eltern bereit sind, für besseres Essen mehr zu bezahlen. Im laufenden Schuljahr soll es aber keine Erhöhungen geben.

Landrat Wolfgang Rzehak steht zum Konzept. „Wichtige Etappenziele haben wir erreicht – hochwertiges Essen für unsere Kinder und diese Versorgung selbst in der Hand zu haben“, sagte er gestern nach einer Strategie-Sitzung des Verwaltungsrats. Jetzt gelte es, die finanzielle Situation in den Griff zu bekommen. Löwis wirbt dafür, dass Gemeinde und Landkreis bis zum Schuljahr 2016/2017 Defizite ausgleichen. „Spätestens dann sollte der Betrieb aber annähernd kostendeckend laufen.“

Derzeit kocht die Frischeküche täglich rund 600 Portionen für Krippen, Kindergärten, Schulen und Horte. Beliefert werden die Kitas Frühlingsdorf und „Kleine Strolche“ sowie das Haus für Kinder in Otterfing. Mittlerweile lassen sich auch Schulen von dem Kommunalunternehmen (KU) beliefern. Insgesamt 310 Schüleressen verteilen sich auf die Grundschule 1, die Mittelschule, die Realschule (vorübergehend, da die dortige Mensa durch einen Wasserschaden blockiert ist), die Wirtschaftsschule Pasold-Weißauer sowie das staatliche Gymnasium, die Fachoberschule und die Otterfinger Mittagsbetreuung Rappelkiste.

Die Gymnasiasten und die Fachoberschüler nutzen ein internet-basiertes Buchungsportal: Bereits am 22. eines Monats wählen die Schüler ihr Essen für den Folgemonat aus. Dafür müssen die Eltern einen Chip per Überweisung aufladen. Die Schüler halten in der Mensa ihren Chip über einen Scanner, der anzeigt, welches Essen sie bekommen. „Das Chipsystem kommt gut an“, berichtet Vorstand Eva-Maria Schmitz. Bis 8 Uhr früh ist das Essen online stornierbar. Mittlerweile lassen sich auch 30 Lehrer und Kindergärtnerinnen von der Frischeküche bekochen.

200 bis 300 weitere Portionen will das KU heuer dazugewinnen. Laut Schmitz gibt es Gespräche mit Einrichtungen der Caritas, dem Kindergarten Hollerbusch, dem Montessori-Kindergarten Otterfing und dem Grünen Zentrum. Theoretisch sind mit der derzeitigen Ausstattung etwa 1000 Portionen täglich möglich.

Von Andreas Höger

Auch interessant

Kommentare