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Ratho Lang hat nach dem Zugunglück ein Gedicht geschrieben, um seine Trauer um die Kollegen auszudrücken. 

Gedicht über Zugunglück

Worte für den Schock und die Trauer

Holzkirchen - Das Zugunglück in Bad Aibling hat gerade auch die Mitarbeiter von BOB und Meridian geschockt. Einer von ihnen hat versucht, für das Unfassbare Worte zu finden - und ein Gedicht auf seinem privaten Blog veröffentlicht.

Normalerweise postet Ratho Lang (24) aus Holzkirchen auf seinem Blog Gedichte über Liebeskummer oder erzählt selbstironische Episoden. Nicht an jenem schwarzen Faschingsdienstag: „Ich habe versucht, Worte zu finden“, erzählt er auf Anfrage unserer Zeitung. Sein Gedicht macht auch unter den BOB-Kollegen die Runde.

Die Zeilen auf seinem Blog „ratho’s diary“ nehmen eine Sicht von Hinterblieben ein. Die Toten waren schließlich nicht einfach nur Fahrgäste und Kollegen. Es waren Mütter und Väter, Ehefrauen und Ehemänner, Töchter und Söhne, beste Freunde ihrer Angehörigen. Menschen, nach denen es noch riecht daheim, mit denen man vielleicht eben noch über Nichtigkeiten gezankt hat oder für die es morgens in der Eile keinen richtigen Abschied mehr gab. „Überall höre ich die Nachrichten, ein schreckliches Unglück... Hoffe immer noch, du kommst nach Hause zu mir“, schreibt der 24-Jährige. „Gab dir heute keinen Abschiedskuss, ich bereue jedes einzelne Wort, wir haben gestritten, wir haben geschwiegen, doch einen kleinen Augenaufschlag, plötzlich ist alles stumm.“ 

Der junge Hartpenninger arbeitet selbst zwar erst seit einem Jahr im Fahrkartenverkauf der Bayerischen Oberlandbahn, ist aber eigentlich mit dem Unternehmen aufgewachsen. „Meine ganze Familie arbeitet bei der BOB“, erzählt der 24-Jährige. Klar, dass ihm das Unglück nahe geht. Als er von der Kollision hörte, griff er gleich zum Telefon, um seinen Vater anzurufen, der seit 17 Jahren bei dem Unternehmen arbeitet und gerade Dienst hatte. Um sicherzugehen, dass es ihm gut geht.

Eigentlich fährt Ratho Lang mit jenem Unglücks-Meridian, der gegen 6.45 Uhr in Kolbermoor in Richtung Holzkirchen losfuhr, selbst zur Arbeit am Fahrkartenschalter in München. „Ich wäre da am Bahnsteig gestanden und hätte gewartet.“ Doch am Tag des Unglücks war er krank zu Hause. Nachmittags postete er das Gedicht. 

Seit einem Jahr betreibt er seinen sehr persönlichen Blog. Gedichte schreibt er, seit er 14 war. Ein bunter Vogel wie er, der privat gern aus der Reihe tanzt, hat es nicht immer leicht, meint er. Da tut ihm das Schreiben gut. Und es half ihm jetzt wenigstens ein bisschen dabei, das Unfassbare zu begreifen. „Kollegen sind von uns gegangen, unbegreiflich ohne Substanz, plötzlich war der Boden weg, wir sind alle gefallen und müssen aufs Neue aufstehen“, heißt es in seinem Gedicht. „Auch wenn man nicht direkt am Unfallort ist, macht man sich da als Mitarbeiter Gedanken“, sagt der 24-Jährige. Die betroffenen Kollegen traf er selbst oft im Pausenraum. „Die vier Leute fehlen bei uns.“ Die Bestürzung unter den Kollegen sei nach wie vor groß. „Damit hat niemand gerechnet, dass so etwas je bei uns passieren könnte.

ag

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