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Die Gemeinde baut auf eigene Faust zwei Mehrfamilienhäuser in Neuerlkam. Hier ein Symbolbild. 

Kommunaler Wohnungsbau in Neuerlkam 

Gemeinde baut für kleinen Geldbeutel

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Holzkirchen - Mit zwei Mehrfamilienhäusern will die Gemeinde den Wohnungsdruck entlasten und bezahlbare Immobilien schaffen. Der Gemeinderat stritt sich über zwei Punkte.

Holzkirchen ist ein teures Pflaster. Gemeinderat Hans Putzer (SPD) spricht sogar von einer „kleinen Gentrifizierung“. Kindergärterinnen, Mitarbeiter aus der Verwaltung oder Ältere könnten sich Wohnungen kaum leisten. Die SPD hat laut Putzer den Anstoß dafür gegeben, dass die Gemeinde mit kommunalem Wohnungsbau einschreitet. Sie errichtet nun in Neuerlkam zwei Mehrfamilienhäuser – für den kleineren Geldbeutel.

Herbert Wagenpfeil vom gleichnamigen Ingenieurbüro aus Hausham und sein Kollege Daniel Pförtsch stellten die Grundlagenermittlung zum Bauvorhaben Im Sommerfeld beziehungsweise am Grünlandweg jetzt in der Gemeinderatssitzung vor.

Laut Robert Haunschild, Geschäftsleiter im Rathaus, ist es das erste große Projekt dieser Art, „das die Gemeinde frei finanziert“. Alle vorherigen seien Wohnungen mit Sozialbindung gewesen. Wie berichtet, hatte der Gemeinderat zur Finanzierung des kommunalen Wohnungsbaus beschlossen, acht gemeindliche Grundstücke am Grünlandweg sowie vier in Kleinhartpenning zu verkaufen.

In Neuerlkam sind zwei Mehrfamilienhäuser mit Parterre, erstem Stock und Dachgeschoss geplant. Insgesamt entstehen weit über 800 Quadratmeter Wohnfläche. Verteilt auf circa 15  Parteien, mit Ein-, Zwei- und Drei-Zimmerwohnungen. Die Kostenannahme der Planer sieht 2,7 bis 3 Millionen Euro vor. 30 Prozent deckt ein Förderprogramm der Bayerischen Staatsregierung ab. „Ein Glücksgewinn“, fand Bürgermeister Olaf von Löwis (CSU). Die Planer rechnen mit einem Baustart im August oder September 2017 und 13 bis 14 Monaten Bauzeit. Will heißen: Ende 2018 könnte alles fertig sein.

Einige Fragen gab es zu diskutieren. Zum Beispiel, ob die Gebäude in Holzbau- oder Massivbauweise aus Stein entstehen. Laut Wagenpfeil wäre der Holzbau etwa zehn Prozent teurer. Die Vorzüge: Man gewinne durch dünnere Wände mehr Raum, die Bauzeit sei kürzer.

Hier schieden sich die Geister. Birgit Eibl (FWG) meinte: „Ich bin für den Massivbau.“ Wenn mal eine Spülmaschine auslaufe, sei der Wasserschaden leichter zu beheben. In seiner Fraktion habe die Mehrheit für einen Holzbau votiert, sagte Christoph Schmid (CSU). Parteikollege Sepp Sappl senior war einer von denen, denen Häuser aus Stein besser gefallen. Seiner Meinung nach würden dann mehr einheimische Firmen zum Zug kommen. Auch die Haltbarkeit sei länger. Laut Wagenpfeil aber kommt es immer auf die Pflege an, außerdem sei die Technik bei Holz heute robuster. Löwis plädierte für Holz: Die Wände seien flexibler versetzbar, und er mahnte den ökologischen Gedanken an.

Die Gemeinderäte rieben sich ferner an der Frage, ob im Namen der Barrierefreiheit in beide Häuser Aufzüge kommen. Um Kosten zu sparen, schlug Eibl vor, bei einem Haus auf einen Lift zu verzichten, auch um Mieter vor höheren Nebenkosten zu bewahren. Nicht alle Wohnungen müssten barrierefrei sein. Allein der Einbau eines Lifts kostet laut Wagenpfeil rund 50 000 Euro. Sappl hielt die Aufzüge angesichts des angedachten Klientels – Verwaltungsmitarbeiter und Kindergärtnerinnen – für überflüssig. Martin Taubenberger (FWG) war irritiert: „Brauchen wir betreutes Wohnen?“

Martina Neldel (Grüne) erinnerte daran, dass es junge Menschen mit Handicap gebe. Zudem könne sich das Klientel ändern: „Auf lange Sicht holt uns der demografische Wandel ein.“ Robert Wiechmann (Grüne) nickte. „Die Gesellschaft altert“, warnte er. „Da sollte man vorbeugen.“ Es sei schade, wenn Senioren „an ein paar Stufen scheitern“. Elisabeth Dasch (SPD) sah das ähnlich: „Ich will eine Lanze für den Lift brechen.“ Es gebe in Holzkirchen wenig Wohnungen mit Aufzug. „Da müssen wir umdenken.“ Trotz höherer Kosten. „Das muss es uns wert sein.“ Löwis stieß ins selbe Horn: „Wir wollen Bezahlbarkeit nicht um jeden Preis.“ Qualität und Weitsicht seien wichtig.

Am Ende stimmte die Mehrheit für die Aufzüge. 13 Gemeinderäte waren für den Holzbau, zwölf für Stein. Der Gesamtbeschluss für die Fortführung der Planung fiel einstimmig aus.

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