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Unverzichtbar: Ein Masten soll am Fentberg entstehen. Das Bild zeigt den Masten bei Ötz (Gemeinde Weyarn), auf den ebenfalls Tetrafunk geschaltet wird.

Tetrafunk: Kehrtwende ist besiegelt

Gemeinde stimmt Masten am Fentberg zu

  • Marlene Kadach
    VonMarlene Kadach
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Valley - Tetrafunk-Masten am Fentberg: Der Gemeinderat Valley hat seine Zustimmung für den Bau gegeben. Eine starken Kritiker gibt es aber noch.

Am Ende steht er so gut wie allein mit seinem Widerstand da, er ist der einzige in der Runde, der sich noch kritisch äußert. Dabei hatte Lorenz Hilgenrainer (Valleyer Liste) so viel gekämpft, ja sogar eine Petition gegen den Tetrafunk eingereicht, mit der er letztlich vor dem Landtag abblitzte (wir berichteten).

Etwas geknickt faltet Lorenz Hilgenrainer (Valleyer Liste) nun einen Zettel auf, dann liest er seine persönliche Erklärung vor: „Ich muss eingestehen, dass ich als Umweltreferent verloren habe“, sagt er. Er erinnert daran, wie die Gemeinde einst einen Digitalfunk-Standort ablehnte, solange die gesundheitlichen Schäden nicht ausgeräumt sind. Wie der Widerstand dann nach und nach bröckelte. „Man hat sich arrangiert“, sagt er. „Aber in der Bürgerschaft kommen Ängste zu Tage“, denkt er. Und andere Gemeinden – wie Irschenberg – hätten einen Masten doch auch abwenden können.

Diese emotionale Rede hat Hilgenrainer gehalten, nachdem der Gemeinderat in seiner Sitzung mit 14 zu drei Stimmen jetzt die Zustimmung für den Bau des Tetrafunk-Mastens am Fentberg gegeben hat. Bereits 2014 hatte der Gemeinderat prinzipiell für ein solches Vorhaben gestimmt. „Jetzt hat das Staatliche Bauamt Rosenheim den Bauantrag gestellt“, sagte Bürgermeister Andreas Hallmannsecker (FWG). „Die Gemeinde muss oder kann zustimmen.“ Aber wenn sie es nicht tue, dann passiere das, was die Gemeinde „schon mal mitgemacht“ habe, schickte er voraus. Damit spielte der Rathauschef auf den zweiten Masten auf Valleyer Flur an der Autobahnraststätte Holzkirchen-Nord an. Diesen hatten die Valleyer eigentlich abgelehnt – daraufhin kassierte das Landratsamt als übergeordnete Behörde den Beschluss und ersetzte das gemeindliche Einvernehmen (wir berichteten).

Und Hallmannsecker machte nun unmissverständlich klar, dass er nichts mehr von einer Ablehnung halte. Auch angesichts der Sicherheit, die der digitale Behördenfunk gewähre, wenn Feuerwehren, Polizei und Notärzte ausrücken müssen. „Jeder hat ein Handy in der Hosentasche“, meinte der Bürgermeister. Hier sei die Strahlung ebenfalls vorhanden. Und: „Doppelmoral kann ich nicht leiden.“

Deshalb plädierte er auch weiterhin für den geplanten Standort am Fentberg. Dieser war in der Vergangenheit zwei Mal gedanklich verrückt worden. Ursprünglich war er etwa 100 Meter weiter auf Weyarner Flur angedacht gewesen. Um mehr Einflussmöglichkeiten bei der Gestaltung zu bekommen, lockten die Valleyer den Masten Anfang 2014 auf ihr eigenes Gemeindegebiet. Auch, weil angeblich die Gefahr bestand, dass die Nachbarn „vier andere Anbieter“, etwa Mobilfunk, auf den Masten schalten würden, meinte Hallamannsecker jetzt in der Sitzung. Dann wäre die Strahlenbelastung noch höher gewesen.

„Aus technischen Gründen“, sei der Masten dann nochmal einige Meter innerhalb des Valleyer Gebiets verrückt worden. „Sonst hätte er in einer Mulde gestanden“, erklärte Hallmannsecker. In diesem Fall wäre der Masten noch größer ausgefallen. Gegenüber früheren Plänen sei der Masten trotzdem um acht Zentimeter gewachsen. Samt Antennen-Halter und Antenne wird er exakt 36,28 Meter in die Höhe ragen.

Magnus Epp junior (FWG) erkundigte sich nach der Stromversorgung, die den künftigen Masten speisen soll. „Dazu steht nichts im Antrag drin“, meinte der Rathauschef. Er werde diesbezüglich aber noch mal nachhaken, versprach er. Bernhard Schäfer (FWG) äußerte sich außerdem zu einem weiteren Kritikpunkt Hilgenrainers, wonach der jetzige Standort den Bewohnern in Oberdarching zu nahe rücke: „Der andere Standort wäre noch näher an der Bevölkerung gewesen“, meinte Schäfer.

Die Teilnahme am Probebetrieb hatte der Gemeinderat, wie berichtet, bereits im Juni beschlossen. Auch die drei Valleyer Ortsfeuerwehren sollen mit der neuen Technik bestückt werden.

Hallmannsecker findet, dass der Gemeinderat richtig handelt, auch wenn es noch kritische Stimmen gäbe. Man habe in den vergangenen vier bis fünf Jahren in vielen Sitzungen und Veranstaltungen über das Thema diskutiert. „Wir haben uns lange damit beschäftigt und erst dann eine Entscheidung getroffen.“

Von Marlene Kadach

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