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Glasfaser im Blick: Künftig sollen alle Weyarner Bürger ein besseres Internet haben.

Breitbandausbau

Gemeinderat gibt Startschuss

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Weyarn -  Die Gemeinde Weyarn will den Breitbandausbau vorantreiben. Die Firma Corwese hat im Gemeinderat jetzt ein Konzept vorgestellt. Die Kosten liegen bei 1,2 Millionen Euro.

Sein Fazit klingt ernüchternd: „In der Gemeinde Weyarn gibt es keine ausreichende und flächendeckende Breitbandversorgung“, sagt Michael Müller. „Bis auf einige wenige Ausnahmen.“ Im Auftrag der Gemeinde hat Müller von der Firma Corwese den Bestand und Möglichkeiten in der Gemeinde untersucht und ein Lösungskonzept erarbeitet.

Seine Ergebnisse hat er jetzt in der Gemeinderatssitzung vorgestellt. Vorweg lobte Müller Dirk Schattschneider, den Breitbandpaten der Gemeinde. Er habe ihm sehr geholfen.

Zunächst ging Müller auf den Ist-Zustand ein und teilte die Gemeinde in die Bereiche Nord, Mitte und Süd ein. Im mittleren Bereich, zu dem auch der Ortsteil Weyarn selbst zählt, sieht es noch ganz gut aus. Dort gibt es laut Müller dank einer VDSL-Infrastruktur Bandbreiten von durchschnittlich 50 Megabit pro Sekunde (Mb/s). „Das ist ein ganz guter Wert.“ Hierbei sind Glasfaser vorhanden, die in einer Vermittlungsstelle zusammenlaufen. Von dort aus führen Kupferkabel in die Häuser. Netzbetreiber ist die Telekom. Das Problem: „Nicht der ganze Bereich ist gut versorgt“, erklärte Müller.

In der Mitte liegt zudem Großseeham, das dank einer FTTC-Technik ebenfalls bis zu 50 Mb/s erreicht. Bei dieser Methode gehen überbaute Glasfaser in einen Kabelverzweiger und von dort per Kupferkabel in die Haushalte. Der Nachteil: „Nur die Anwohner im näheren Umkreis werden damit versorgt“, erklärt Müller auf Anfrage. Als Netzbetreiber tritt M-net auf.

Das ist auch in den Ortsteilen Naring, Holzolling und Esterndorf der Fall, die ebenfalls per FTTC-Technik bedient werden. Der Rest des nördlichen Bereichs sei aber „unzureichend versorgt“. Etwa Kleinhöhenkirchen, Sonderdilching oder Fentbach. Noch schwärzer sieht es im Süden aus: „Dort ist die Versorgung gänzlich unzureichend“, meint Müller gegenüber unserer Zeitung. Dort müssen die Bewohner mit sechs Mb/s zurecht kommen. Zum Teil gelangen sie dort über Richtfunk des Betreibers Avacomm ins Internet.

Die Lösung, die Müller für die gesamte Gemeinde vorschlägt, verspricht überall Bandbreiten zwischen 50 und 100 Mb/s. Rein technisch gesehen rät er zu einer Kombination aus FTTC- und FTTB-Technik. Bei letzterer führen die Glasfaser direkt ins Haus, was noch höhere Bandbreiten liefert. Jedoch auch höhere Kosten. Deshalb sei es aktuell nicht möglich, alles per FTTB zu machen; zumal der direkte Anschluss es erfordere, den Boden vor den Haustüren aufzugraben, um Leitungen zu verlegen. Gemeinderat Georg Huber (CSU) wollte wissen, ob später eine Aufrüstung auf die neue FTTB-Technik möglich sei. Müller bejahte dies. Die billigere LTE-Technik kommt für Müller nicht Frage; weil die Leistung sinkt, sobald mehrere Personen es gleichzeitig nutzen.

Die Gesamtkosten für Müllers Vorschlag betragen circa 1,2 Millionen Euro. Doch die Gemeinde muss das Geld nicht alleine schultern. Der Freistaat bezuschusst den Breitbandausbau im Rahmen eines Förderprogramms großzügig, die maximale Zuwendung liegt laut Müller bei 920 000 Euro. Zusätzlich gibt es als Startgeld 5000 Euro; 50 000 Euro winken bei einer interkommunalen Zusammenarbeit mit Nachbargemeinden.

Bürgermeister Leonhard Wöhr (CSU) fand die finanzielle Spritze sehr positiv. „Das Ergebnis ist äußerst erfreulich“, sagte er. Müller nickte: „Der Hebel ist tatsächlich enorm.“

Trotzdem muss die Gemeinde eine Eigentbeteiligung aufbringen. Der Gemeinderat beschloss einstimmig, dafür maximal 230 000 Euro in den Haushalt 2015 einzustellen. Auch die nächsten Schritte genehmigte das Gremium einmütig. Die Gemeinde muss mit Netzbetreibern abklären, ob sie ohnehin in den betroffenen Bereichen einen Ausbau planen. Denn dann würde die Förderung entsprechend wegfallen. Anschließend könne die Kommune mit den Ausschreibungen beginnen. Geschäftsleiter Johann Walser bemerkte: „Wenn bei der Ausschreibung herauskommt, dass es teuerer als gedacht wird, können wir immer noch abspecken.“ Geht alles glatt über die Bühne, schätzt Müller, dass in zweieinhalb Jahren der Ausbau fertig ist.

Von Marlene Kadach

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