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Geothermie Holzkirchen

Die Wasserschicht ist erreicht

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Holzkirchen - Das Ziel ist in Sicht. Die Holzkirchner Geothermie-Bohrung hat in einer Tiefe von 4600 Metern die Oberkante des wasserführenden Malmkarsts erreicht. Am Wochenende startet die letzte Etappe. 900 Meter sind es noch bis zur anvisierten Abbruchkante im Malm. Anfang Juni dürfte klar sein, ob sich das finanzielle Risiko für die Gemeinde auszahlt.

Der Schock saß tief. Im März hatte das Bohrteam in der Alten Au, zum allgemeinen Entsetzen, in über 4000 Metern Tiefe eine gewaltige Gasblase angebohrt (wir berichteten). Ein ebenso unerwarteter wie herber Rückschlag. „Es war einfach Pech“, seufzt Albert Götz, Leiter der Gemeindewerke und Chef des Geothermie-Projekts. Die Bohrung musste neu ansetzen und auf abgelenktem Pfad ihr Ziel suchen. 1770 Meter Bohrstrecke waren für die Katz. 

Zwei Monate später ist der Schrecken verflogen. Der neue Pfad („Sidetrack“) umkurvte weitere Gasblasen und dockte nach 2400 Metern vor wenigen Tagen am Malmkarst an – jener porösen Gesteinsschicht, in der Geologen die Thermalwasser-Reservoirs vermuten. 4660 Meter Bohrstrecke trennen die Oberfläche von diesem Punkt. „Dort auf Top Malm haben wir die 4. Sektion abgesetzt“, sagt Götz. Ehe es in die wasserführende Schicht geht, wurde der Abschnitt im festen Gestein verrohrt und zementiert.

In der jetzt anstehenden, letzten Sektion verzichtet man auf Zement. „Wir wollen uns ja möglichen Wasserzulauf nicht blockieren“, erklärt Götz. Auf 800 der letzten 900 Meter sollen deswegen perforierte Rohre gesetzt werden. 

Um eine möglichst lange „Aufschlussstrecke“ zu bekommen, wechselt das Team zudem auf einen noch flacheren Bohrwinkel. Der Zielpunkt liegt in über 5000 Meter Tiefe etwa lotrecht unter der Holzkirchner Autobahn-Auffahrt. Der Bohrdurchmesser ist auf 16 Zentimeter geschrumpft, nachdem es an der Oberfläche noch ein halber Meter war. „Am Wochenende wollen wir starten“, sagt Götz. 14 Tage sind für die letzte Sektion angesetzt. Dann folgen die alles entscheidenden Pumpversuche. „Um zu wissen, ob die Bohrung fündig war, müssen wir leider bis zur letzten Sekunde warten“, sagt Götz. 

Zwei Kriterien sind entscheidend: Temperatur und Wassermenge (Schüttung). Die Geologen sind sich fast sicher, in solchen Tiefen 130 bis 140 Grad vorzufinden. Als große Unbekannte gilt die Schüttung. „Wir hoffen auf mindestens 65 Litersekunden“, sagt Götz, „darauf haben wir unsere Wirtschaftlichkeits-Berechnungen ausgerichtet.“ Sprudelt es kräftiger, umso besser. 

Vor einem möglichen Gewinn steht der Invest: Knapp elf Millionen Euro Steuergeld investiert die Marktgemeinde in das ambitionierte Energieprojekt. Wenn man so will, handelt es sich um „Risiko-Kapital“, da die Fündigkeit nicht versichert wurde. Glückt die erste Bohrung, kann die zweite Bohrung, wie auch das Kraftwerk, über Kredite finanziert werden. Das Projekt würde dann zum Selbstläufer werden, das später dank garantierter EEG-Vergütung sogar stolze Gewinne abwerfen könnte – so zumindest die Theorie. 

Voraussetzung dafür ist allerdings, dass das Kraftwerk spätestens im Dezember 2017 ans Netz geht. „Wir liegen gut im Zeitplan“, sagt Götz. Bürgermeister Olaf von Löwis will alle politischen Register ziehen, um notfalls eine Verlängerung dieser „vom Bund willkürlich gesetzten, aber für uns sehr unglücklichen Frist“ zu erreichen. 

Das überraschend in die Bohrung drückende Gas – Experten sprechen von einem „Kick“ – war kein ganz billiger Zwischenfall. Laut Götz entstanden Mehrkosten in Höhe von rund drei Millionen Euro. Die Gemeinde hat Glück, dass der technische Ablauf der Bohrung versichert wurde (anders als die Fündigkeit). „Wir gehen davon aus, dass die Versicherung den gesamten Schaden übernimmt“, sagt Götz. Die ersten Gelder seien auch bereits geflossen. (avh)

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