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Actionreich, rasant und trotzdem mit Tiefgang: Die Waller Brettlhupfer gehen auf der Bühne des Trachtenheims mit vollem Elan zu Werke. 

Waller Brettlhupfer feiern Premiere 

Gespenst von Canterville rockt über die Bühne

Dass sich Action auf der Bühne und Tiefgang nicht ausschließen müssen, beiweisen die Waller Brettlhupfer: Sie feierten jetzt im Trachtenheim Premiere mit dem „Gespenst von Canterville“. 

Wall– Wenn ein 400 Jahre altes Gespenst mit seinem Erzfeind zu Elvis‘ „Jailhouse Rock“ über die Bühne fetzt, dann sind die Waller Brettlhupfer am Werk. Mit dem „Gespenst von Canterville“ liefern die Theaternarrischen aus Wall erneut beste Unterhaltung und Theaterspaß.

Anspruchsvolle Stücke, enthusiastische Schauspieler, außergewöhnliche Regieeinfälle, liebevolle Ausstattung und engagierte Helfer – damit punkten die Waller Brettlhupfer seit 1999 alle zwei Jahre im Trachtenheim in Wall. Auch diesmal mit Oscar Wildes satirischer Romanze „Das Gespenst von Canterville“, die von Markus Wiegand in eine temporeiche Komödie gegossen wurde und am Samstag Premiere feierte. Die Waller Brettlhupfer haben daraus ein actionreiches Hohelied auf die Liebe gemacht und sehr geschmeidig Gegensätzliches vereint: Tiefsinniges mit Komischem. Unter der Regie von Rosi Staber holten sie dabei historisch aus.

Im großen Saal von Schloss Canterville nämlich wird das Publikum Zeuge, wie der jähzornige und eifersüchtige Sir Simon de Canterville (Christian Selbherr) seine schwangere Gattin Eleonore (Steffi Stocker) ersticht. Schön, wie ambivalent Selbherr den Charakter im historischen Kontext anlegt und wie atmosphärisch dicht die todbringende Intrige durch Simons angeblich besten Freund Sir Geoffrey (Markus Dorn) entwickelt ist. Dass der entsetzte Sir Simon sich selbst verflucht und zur Ruhelosigkeit verdammt, ist ein tiefenpsychologischer Kunstkniff. Die Waller kontrastieren ihn witzig mit der Titelmelodie der TV-Serie „Die Waltons“, mit der sie das Publikum irgendwo in die 1950er- bis 80er-Jahre holen – und zwar just in jenen großen Saal des Canterville-Schlosses.

Hier ist es die aktuelle, kaltschnäuzige und finanziell klamme Lady de Canterville (Maria Obendorf), die – wohlwissend, dass der Geist von Sir Simon mordend in den Gemäuern spukt – das Schloss an die amerikanische Familie Otis vermietet. Während die pragmatischen Mr. und Mrs. Otis (Ludwig Stürzer und Annette Höller) nicht an die Existenz von Geistern glauben und somit das Gespenst nicht sehen können, versuchen sich die Söhne William (Peter Poensgen) und John (Korbinian Kloiber) spektakulär witzig als Geister- und Vampirjäger. Tochter Virginia (Sylvia Berghammer) indes setzt sich mit Sir Simon, seiner Geschichte und seiner Schuld auseinander und versucht, ihn zu erlösen – gemäß der über der ganzen Handlung schwebenden Prophezeiung, kassandrisch-genial eingespielt mit der Stimme der Waller Profi-Schauspielerin Claudia Brodzinska-Behrend.

In diesem Spannungsfeld gehen die Waller inszenatorisch in die Vollen. Mit Elan spielen sie mehrere Karten: Generationen-Konflikt, Kultur-Konflikt zwischen Amerikanern und Engländern und die Karte der Liebe, zwischen innerer Getriebenheit und verzeihender Kraft. Und das mit Witz und Tempo und in einem Wechsel zwischen Hochdeutsch, einem amerikanischen Kauderwelsch und Bairisch. Bairisch immer dann, wenn es sensibel-emotional wird, wie etwa zwischen Virginia und George des Malvosin (Albert Ambacher). Da wird in Ohnmacht gefallen und ausgeknockt, verfolgt und singend über die Bühne gerockt.

Gekonnt duellieren sich Ambacher und Selbherr erst mit Schnaps (ohne, dass die Betrunkenen-Szene zum Slapstick verkommt) und dann in einem beachtlichen, von vielen Proben zeugenden Schwertkampf. Jeder Charakter, auch der beiden Hausangestellten Ellie (Ursula Lippkau) und Benson (Michael Zehrer), wird feinfühlig ausgeleuchtet und erhält Profil. Und trotz aller Action verleiht das Ensemble dem Stück philosophischen Tiefgang. Dafür ließ stürmischer Applaus das Trachtenheim erbeben.

Weitere Vorstellungen

Karten gibt es nur noch für die vier Zusatzvorstellungen am 22., 26., 28. und 29. April (jeweils 20 Uhr im Trachtenheim Wall) – vorab über die Internetseite der Brettlhupfer und bei der Bäckerei Grabmaier in Wall.

Alexandra Korimorth

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