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Das Gelände einer ehemaligen Gärtnerei hat Bauunternehmer Josef Lohmayr in Föching gekauft. Die Fläche schien wie für ihn gemacht, dachte er am Anfang. Dann kam das böse Erwachen.

Nutzung ist nicht genehmigt

Gnadenfrist für Bauunternehmer

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Holzkirchen - Weil er sein Bauunternehmen im Außenbereich einrichtete, bekam ein Geschäftsmann aus Föching Ärger. Eine Genehmigung sei nicht möglich, sagt das Landratsamt, allenfalls eine Duldung – jedoch nur, wenn die Gemeinde zustimmt. Der Bauausschuss fand nun einen Kompromiss.

Nach der Abstimmung macht Josef Lohmayr, der die Diskussion nervös verfolgt hat, ein erleichertetes Gesicht. Er erhebt sich von den Zuschauerreihen und schickt ein lautes „Danke“ in Richtung Bauausschuss. Die Duldung verschaffe ihm Luft. Dann verlässt er den Sitzunggsaal. 

Mit Lohmayrs Bauunternehmen aus Föching hat sich der Bauausschuss jetzt in seiner Sitzung beschäftigt. Es war herausgekommen, dass er die Fläche, die im Außenbereich liegt, nicht für seine Zwecke – unter anderem als Lagerflächen – nutzen darf. Der Bauunternehmer hatte sich vorab ans Rathaus gewandt. Er legte seine Bemühungen dar, ein neues Grundstück zu suchen und bat um eine Duldung für fünf Jahre. 

Laut Bauamtsleiter Karl Herbst befinden sich auf dem Gelände einer ehemaligen Gärtnerei Freiflächen, Gewächshaus und Betriebsgebäude samt Wohnraum. Anfang 2014 habe Lohmayr das gut 4000 Quadratmeter große Grundstück erworben und danach mit Umbauten begonnen, sagt Herbst auf Nachfrage. Daraufhin habe sich ein Nachbar an die Gemeinde gewandt. Im März 2014 verfügte das Landratsamt laut Herbst eine Baueinstellung. Die Maßnahmen seien unzulässig hieß es, allenfalls sei eine Duldung möglich. Daraufhin habe Lohmayr versucht, einen Weg zu finden. „Das hat sich hingezogen.“ 

Ende 2015 gab es einen Ortstermin mit dem Landratsamt. Dieses blieb bei seiner Meinung: Eine Genehmigung sei nicht möglich, hieß es. Allerdings stellte die Behörde erneut eine Duldung in Aussicht – wenn der Markt Holzkirchen zustimmt. „Es ist also eine politische Entscheidung“, erklärte Bürgermeister Olaf von Löwis (CSU) nun. 

Denn eine privilegierte Nutzung im Außenbereich sei nur für Landwirtschaft oder eine gartenbauliche Erzeugung erlaubt, so Herbst. „Schon bei der Gärtnerei war die Nutzung am Ende fließend.“ Der Inhaber hätte zunehmend auf Gartenbau gesetzt. 

Angesichts dessen hielt es Johannes Loth (CSU) für ungut, durch eine Duldung diese „Rechtswidrigkeit fortzusetzen“. Er befürchtete, einen Präzedenzfall zu schaffen, der die Gemeinde später gegenüber anderen Bauwerbern in Erklärungsnöte bringt. Genau darum sorgt sich auch Robert Wiechmann (Grüne). „Wir haben zu prüfen, ob wir Gewerbe als Landwirtschaft bezeichnen“, brachte er es auf den Punkt. 

Hans Putzer (SPD) hingegen plädierte für eine Duldung: „Ich sehe insgesamt Bedarf an Lagerflächen für Baugeschäfte.“ An vielen landwirtschaftlichen Anwesen gebe es „eine Ecke, wo Gerüste oder Baumaschinen stehen“. Lohmayr habe das Grundstück im guten Glauben gekauft. „Ich nehme es ihm ab, dass er sich bemüht, ein anderes Grundstück zu finden“, meinte er. „Sonst müsste er ja seinen Betrieb aufgeben.“ Auch Wolfgang Buntz-Jennerwein (FWG) brach eine Lanze für Lohmayr. „Vielleicht ist der Investor etwas blauäugig gewesen.“ Er forderte eine Duldung. Martina Neldel (Grüne) nickte: Aus menschlicher Sicht wäre es unschön, Lohmayr „über die Klinge springen zu lassen“. Immerhin habe er Angestellte. 

„Das Gelände schien wie für mich gemacht“, sagt Lohmayr auf Anfrage. Weil die Gärtnerei es ja auch viele Jahre anders als gedacht genutzt hätte, habe er gedacht, dass das in Ordnung gehe. „Damals hat nie einer was gesagt.“ Für Bauunternehmer sei es schwierig, Grundstücke zu finden. „Alle Leute wollen in Häusern wohnen, aber keiner will ein Baugeschäft vor seiner Tür.“ Er habe in Aying, Otterfing, Warngau, Brunnthal und Sauerlach die Fühler ausgestreckt. Doch jedes Mal zerschlugen sich die Pläne. Jetzt hofft er auf eine Fläche in Kleinschwaig in Valley. 

Zwiegespalten war Birgit Eibl (FWG): „Ich habe zwei Herzen in meiner Brust.“ Zum einen befürchtet sie ebenfalls einen Präzedenzfall. Trotzdem wollte sie dem Bauunternehmer nicht schaden. „Wäre denn eine Duldung für zwei oder drei Jahre möglich?“ Löwis hatte eine klare Meinung: „Fünf Jahre Duldung sind zu lang. Ich werde dem nicht zustimmen.“ Immerhin habe der Investor bereits Gnadenfrist gehabt. Vorschriften müssten eingehalten werden. „Sonst haben wir keine klare Linie.“ 

Am Ende fand sich ein Kompromiss. Der Ausschuss stimmte mehrheitlich für eine Duldung, die jedoch nur für zwei Jahre gilt.

Von Marlene Kadach

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