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Am Oskar-von-Miller-Platz in Holzkirchen hat zum Beipsiel das Modegeschäft Ella Young Fashion bereits zu gemacht, Juwelier Ernst schließt endgültig Ende Januar.

Am Oskar-von-Miller-Platz

Das große Geschäfte-Schließen

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Holzkirchen - Großes Geschäfteschließen rund um den Oskar-von-Miller-Platz in Holzkirchen: Doch dieses Phänomen habe nichts mit dem Standort an sich zu tun, sind sich die meisten betroffenen Einzelhändler einig. Trotz des starken Verkehrs und der wenigen Parkplätze.

Es fällt auf: In vielen Schaufenstern im Ortskern prangen derzeit bunte Schilder: Räumungsverkauf, Ausverkauf, 50 Prozent Rabatt, heißt es überall. So manche Ladefläche ist schon ausgeräumt. Rund um den Oskar-von-Miller-Platz in Holzkirchen haben zeitnah das Modegeschäft Ella Young Fashion, die Schuhlinse und die Klangheimat ihr Geschäft geschlossen. Juwelier Ernst macht Ende Januar endgültig zu. Gibt es ein Geschäftesterben an diesem zentralen Standort? 

Für Eva-Maria Schmitz, Standortförderin im Rathaus, ist die Entwicklung kein Grund zur Beunruhigung. „Sicher muss man das im Auge behalten.“ Mit der Qualität des Standorts habe das weniger was zu tun. Die Klangheimat habe ihres Wissens wegen eines Wasserschadens nur vorübergehend zugemacht. Und die anderen Einzelhändler hätten unterschiedliche Gründe angegeben. 

Thomas Fremerey etwa, der Ende Dezember sein Geschäft Ella nach 25 Jahren schloss, hatte gesundheitliche Gründe (wir berichteten) genannt. Das Geschäft sei gut gelaufen. Auch er sagt: „Das ist ein zufälliges Zusammentreffen verschiedener Interessen und Entscheidungen.“ Doch bei genauerer Nachfrage lässt Fremerey, der weiterhin seinen Laden Mode Fremerey betreibt, eine kleine Kritik am Oskar-von-Miller-Platz anklingen. „Der starke Durchgangsverkehr ist nervig für einen Autofahrer, der sich durch den Ort quälen muss.“ Es sei sehr laut. Früher seien die Sauerlacher oft zum Einkaufen nach Holzkirchen gefahren, weil die Strapazen, nach München zu kommen, zu hoch waren. Heute sei das nicht mehr so. Auch die Parkplatzsituation direkt vor der Haustür sei für Kunden nicht ideal. 

„Der Standort Holzkirchen ist generell nicht einfach“, meint Fremerey. Es gebe zu viele Aus- und Einpendler – beide Gruppen würden nicht unbedingt in der Marktgemeinde einkaufen gehen. 

Schmitz lässt das Argument mit den fehlenden Parkplätzen nicht gelten. Es gebe genug Stellplätze in Reichweite, zum Beispiel am Hochgehweg und auf Höhe der Post an der Münchner Straße sowie am Marktplatz. Die paar hundert Meter seien durchaus für Fußgänger vertretbar. „Auch wenn das gefühlt längere Strecken sind, weil sie an der Straße verlaufen.“ Schmitz sieht ein ganz anderes Problem: „Die Geschäfte in Holzkirchen haben oft unterschiedliche Öffnungszeiten.“ Einheitliche Zeiten wären kundenfreundlicher, damit sie mehrere Einkäufe aufeinmal erledigen können. 

Auch die Geschwister Angelica und Egmont Ernst, die den gleichnamigen Juwelier 21 Jahre lang führten, können nicht über den Oskar-von-Miller-Platz klagen. „Es ist ein sehr guter Standort“, sagt Angelica Ernst. „Wir hatten große Schaufenster, die wir schön dekorieren konnten.“ Die Sache mit dem Verkehr fand sie jetzt auch nicht so schlimm: „Das weiß man vorher“, sagt die Geschäftsfrau. „Es war eine tolle Zeit, und das Geschäft lief immer sehr gut.“ Bis Ende Januar ist das Geschwisterpaar noch für seine Kunden da. Danach wollen sich beide neuen Herausforderungen stellen. 

Auch Hans Linse aus Starnberg, Inhaber von aktuell vier Schuhlinse-Filialen, gibt dem Oskar-von-Miller-Platz keine Schuld: „Es war eigentlich kein Standort-Problem“, sagt er. Sein Geschäft in Holzkirchen machte er aus anderen Gründen Ende November nach vier Jahren zu. „Der Laden war zu klein, um ein attraktives Angebot zu schaffen.“ Grundsätzlich sei Verkehr auch was Gutes, „weil man sich dann präsentieren kann“, findet er. 

Schmitz blickt in die Zukunft. „Ich hoffe nicht, dass die Immobilien lange leer stehen.“ Auch Alex F Männermoden, betrieben von Fremereys Sohn,  ein Stück weiter vorne an der Münchner Straße sei im Übrigen bereits seit September zu. Da es sich um Privateigentümer handle, müssten die Vermieter selbst entscheiden, wer reinkommt. „Wir treten nur als Vermittler auf.“ Aber: „Es muss qualitativ hochwertig sein“, meint Schmitz. Mehrere Ein-Euro-Läden möchte die Standortförderin nicht in Holzkirchen sehen. Es gebe bereits Interessenten. Genaueres könne sie dazu nicht sagen. Auch die Geschwister Ernst, denen die Juwelier-Landefläche gehört, halten sich noch bedeckt. 

„Es ist immer schade, wenn langjährige Geschäfte schließen“, meint Schmitz. Aber durch neue käme auch immer neuer Schwung in den Ort.

Von Marlene Kadach

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