Augen zu und durch: FOS-Leiter Josef Schlemmer packt mit den Lehrerinnen Manuela Meixner (l.) und Gisela Becker die letzten Umzugs-Kartons. Bis Ende der Woche müssen die Container geräumt sein. fotos: andreas leder

Eine Schule zieht um

Holzkirchen - Die Kartons sind gepackt. Im September startet die Fachoberschule (FOS) Holzkirchen im Neubau - mit 600 Schülern. Die Einrichtung erfährt einen regelrechten Boom. Doch der hat auch seine Kehrseite.

Eine ganze Schule zieht um - und doch ist es ruhig in den Containern. Die Schüler sind längst in den Sommerferien, Stühle stehen in der Klassenzimmern auf den Tischen, Garderobenhaken liegen im Gang. Viele Kisten stapeln sich überall, auch im Lehrerzimmer. „Die Kollegen haben seit Mitte Juli nach dem Unterricht Kartons gepackt“, sagt Josef Schlemmer, Leiter der Fachoberschule (FOS) Holzkirchen. Am letzten Schultag, pünktlich um 12 Uhr, war alles sauber verstaut. Zugegeben: „Es ist ein riesiges Projekt“, sagt Schlemmer. Allein die Unterlagen der Schulverwaltung nehmen 90 Kartons ein. Und wenn ihn die Leute fragen, wie das alles geht, dann sagt er immer: „Augen zu und durch.“

Wie berichtet, zieht die FOS, die seit zwei Jahren selbstständig ist, zum Schuljahr 2014/15 in den Neubau an der Erich-Kästner-Straße. Dort startet ab September auch das Gymnasium. Die FOS, die einst als Außenstelle von Bad Tölz fungierte, harrte sechs Jahre in den Containern an der Krankenhausstraße aus. Den Umzug wickelt der Generalunternehmer SKE durch eine Firma ab. Ab Ende der Woche werden die Container umgebaut; dort ziehen Teile der Privatschule nebenan ein, die saniert wird.

Nach der Zeit in den Containern wartet auf die FOS ein schmuckes Zuhause, das circa 38,8 Millionen Euro Baukosten verschlungen hat. Aula, Mensa, Dreifach-Turnhalle und Kunstrasenplatz teilt sich die FOS mit dem Gymnasium. Sie selbst bekommt Fachräume sowie eine eigene Elektro- und eine Metallwerkstatt. In separate Zimmer können sich die Fachschaftsleiter zurückziehen. „So etwas gibt es in alten Schulen nicht“, erklärt der neue stellvertretende Schulleiter Jens Baumgärtel (siehe Kasten). Schlemmer betont: „Die Kaffeemaschine kommt ins Lehrerzimmer.“ Schließlich soll dort ein „zentraler Kommunikationspunkt“ entstehen.

Wichtig war es Schlemmer, dass es genug Klassenzimmer gibt. Und er konnte die Planer sogar noch um drei auf 19 Räume „hochhandeln“. Ein kleiner Triumph, den er sich an die Wand seines Büros geheftet hat. Dort hängen erste Pläne des Gebäudes und - farbig eingezeichnet - die Änderungen, bei denen er mitreden durfte. Schlemmer will diese Pläne aufheben. „Die sind Geschichte.“

Trotzdem blickt er besorgt in die Zukunft. Schon ab September werde es eng im neuen Schulhaus, meint Schlemmer. Auf die 19 Klassenzimmer verteilen sich 22 Klassen mit insgesamt rund 600 Schülern; bislang waren es circa 400. Die Situation entzerre sich nur dadurch, dass die Elftklässler wegen der Praktika oft außer Haus seien. Aber wenn der Zulauf so weiter geht: „Dann sind die Kapazitätsgrenzen ab dem Schuljahr 2015/16 bereits erreicht“, schätzt der Schulleiter.

Baumgärtel erklärt sich den Zuwachs in Holzkirchen, wo es ab September zusätzlich den Technik-Zweig gibt, so: „Die Schulart hat in den letzten 15 Jahren einen Boom erfahren.“ Immer mehr würden sich für „den zweiten Weg“ zum Abitur entscheiden. Einige Reformen hätten die FOS attraktiver gemacht. So ist auch in Bayern seit 2004 die fachgebundene oder allgemeine Hochschulreife nach der 13. Klasse möglich. In Holzkirchen kommen laut Schlemmer ab 2015/16 voraussichtlich die Vorklassen hinzu, zur Vorbereitung auf die 11. Jahrgangsstufe. Schlemmer hätte auch gerne eine Berufsoberschule in seinem Haus gesehen. Doch diese Pläne hatten sich ohnehin zerschlagen.

Das Landratsamt will nichts von den Kapazitätsproblemen wissen: „Diese Aussage ist verwunderlich“, sagt Vize-Pressesprecher Gerhard Brandl. „Wir sehen keinen Engpass.“ Die Planung sei mit dem Kultusministerium abgestimmt, beziehe Faktoren wie Geburtenzahlen mit ein. Reißen irgendwann die Stricke, könne man die beiden Multifunktionsräume umfunktionieren. Zu Schlemmers Idee, das Verbindungsgebäude aufzustocken, sagt Brandl: „Ein Anbau ist derzeit nicht vorgesehen.“

Trotz aller Sorgen freut sich Schlemmer auf den Neubau: „Es wird eine Punktlandung. Die Ausstattung ist vom Feinsten.“ Es gibt Tablets, interaktive Beamer, Dokumentenkameras. Kinderkrankheiten wie zu wenig Personal seien geheilt. An der FOS unterrichten nun rund 40 Lehrer. Die packen ab der Konferenz am 10. September die Kartons wieder aus. Zeit haben sie dann bis 16. September. Denn das ist der erste Schultag.

Von Marlene Kadach

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