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Traglufthalle kommt ins Moarhölzl

320 Flüchtlinge auf der Grünen Wiese

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Holzkirchen - Der Weg ist frei für die größte Flüchtlings-Unterkunft im Landkreis: Am Moarhölzl zwischen Holzkirchen und Großhartpenning baut das Landratsamt im Dezember eine Traglufthalle für bis zu 320 Asylbewerber. Einstimmig beschloss der Gemeinderat am Dienstag, dafür ein gemeindliches Grundstück zur Verfügung zu stellen.

Stefan Köck atmete durch. Sein Heimatort Holzkirchen machte ihm am Dienstag das berufliche Leben ein wenig leichter. „Wir brauchen diesen Befreiungsschlag dringend“, machte Köck klar, der als Abteilungsleiter im Landratsamt für die Unterbringung von Asylbewerbern zuständig ist. Jede Woche hat er 30 Flüchtlinge irgendwo im Landkreis unterzubringen. „Kleine Wohneinheiten zu finden, ist extrem anstrengend und zeitraubend“, räumte er ein, „die 320 Plätze verschaffen uns eine Atempause.“

Der Befreiungsschlag wird auf einer Wiese im Süden Holzkirchens Gestalt annehmen, wo die Gemeinde irgendwann ein Sportzentrum realisieren will. Südwestlich eines ehemaligen Skaterplatzes wird die Traglufthalle entstehen, 72 Meter lang, 36 Meter breit und fast zehn Meter hoch. Bestellt ist die Halle bereits, die Berliner Firma Paranet will im Dezember liefern.

Etliche Grundstücke im Gemeindegebiet seien von privat angeboten und auf Tauglichkeit für eine Traglufthalle überprüft worden, sagte Bürgermeister Olaf von Löwis (CSU). „Aber das Moarhölzl ist am besten geeignet.“

Alternativen gibt es laut Bürgermeister kaum. Die Bauhof-Halle am Ladehof (ehedem Hagebau), wie von einem Bürger via Email vorgeschlagen, sei mit Maschinen voll belegt, die Ladenzeile im Brunnenhof langfristig vermietet ebenso wie das Schulhaus in Hartpenning, wo zudem der Brandschutz aufwendig nachgerüstet werden müsste. Um nur die aktuelle Quote (220) erfüllen zu können, müsse Holzkirchen auf jeden Fall kurzfristig noch 120 Plätze liefern. „Und Turnhallen sind sicher die schlechteste aller Lösungen.“ Die Traglufthalle würde Holzkirchen nicht nur bei der Quote viel Luft verschaffen, sondern werde von Experten in Sachen Wohnqualität sogar höher bewertet als Container.

Martina Neldel (Grüne) und Birgit Eibl (FWG) hatten sich im Vorfeld die bestehende Halle in Taufkirchen angeschaut. Sie berichteten über akzeptable Belüftung und Akustik. Die Konstruktion sei sturm- und winterfest, verfüge über Heizung und Klimaanlage. „Ist es möglich, mehr Platz für Wohnräume und dafür weniger für Gemeinschaftsräume einzurichten?“, wollte Eibl wissen. Sie könne sich auch einen Küchencontainer vorstellen, damit die Flüchtlinge selber kochen können. „Die Hallen haben Standardausrüstung“, sagte Köck, „Änderungen sind teuer und zeitaufwändig.“ Christoph Schmid (CSU) regte trotzdem an, einen größeren Religionsraum vorzusehen. „Denn wenn Konflikte entstehen, sind sie oft religiös bedingt.“

Der Landkreis mietet die Halle auf unbestimmte Zeit, kann sich das Geld aber direkt vom Freiststaat holen. Die Gemeinde bekommt etwas Pacht, die dem Helferkreis zur Verfügung gestellt wird. Der ist mittlerweile auf 70 Aktive angewachsen – und wurde nicht nur von Gemeinderäten in höchsten Tönen gelobt. „Im Landkreis kenne ich keinen Helferkreis, der besser aufgestellt ist“, sagte Köck.

Der Freistaat finanziert einen Security-Dienst und zwei fest zugeordnete Asylsozialberater, die vor Ort ein Büro bekommen. Drei Mahlzeiten am Tag werden geliefert, womöglich kann die Frischeküche den Auftrag übernehmen. Obwohl im Außenbereich gelegen, braucht es keinen Bebauungsplan. Löwis hatte im Gespräch mit Innenminister Joachim Herrmann (CSU) eine Duldung des „fliegenden Baus“ erwirkt (wir berichteten). Die Entfernung zum Ort sei für die Bewohner erfahrungsgemäß kein Problem, sagte Löwis. Es gebe zudem Überlegungen, dort einen Bushalteplatz einzurichten.

Der Bürgermeister betonte, dass die Traglufthalle keine Erstaufnahme-Einrichtung darstelle: „Die Flüchtlinge, die kommen, sind alle medizinisch durchgecheckt.“ Bevor die ersten Asylbewerber einziehen, sollen alle Bürger Gelegenheit bekommen, die Halle zu besichtigen. Auch ein Info-Abend ist geplant. 

Grundsätzliche Kritik an dem Vorhaben erhob kein Gemeinderat. Josef Sappl senior (CSU) hatte Zweifel, ob ein Aufbau auch bei winterlicher Witterung möglich sei. Und Schmid ist sich sicher, dass die zwei Sozialberater angesichts von 320 Menschen „hoffnungslos überfordert sein werden“. Er forderte seitens der Holzkirchner mindestens Toleranz für die Flüchtlinge ein – und regte an, sich selbst in deren Lage zu versetzen. „Sperrt mich mit 50 guten Freunden drei Wochen in einen Container – und ich habe keine Freunde mehr.“

Von Andreas Höger

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