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Asylbewerber schweigen vor Gericht 

Freispruch für Steinewerfer

Holzkirchen - Ein handfester Streit mit Verletzungsfolge führte zwei Asylbewerber jetzt auf die Anklagebank des Miesbacher Amtsgerichts. Weil beide schwiegen, gab es zwei Freisprüche.  

Weil sie verschiedene Ansichten von Sauberkeit hatten, gerieten im September 2015 zwei Asylbewerber im Wohncontainer an der Erich-Kästner-Straße aneinander. Man bewarf sich gegenseitig mit Steinen, einer war ein Volltreffer. Die beiden Kontrahenten mussten sich jetzt wegen versuchter gefährlicher und wegen vorsätzlicher Körperverletzung vor dem Amtsgericht Miesbach verantworten. Weil beide Beteiligten zur Sache schwiegen und sich keine Zeugen fanden, gab es zwei Freisprüche. 

Auf der Anklagebank saßen zwei Männer, die offenbar sowohl Opfer als auch Täter waren. Auf der einen Seite ein 21-jähriger Somalier, auf der anderen ein 29 Jahre alter Eritreer. Die beiden sollen sich an jenem Septembertag in der Asylunterkunft in der Erich-Kästner-Straße zunächst verbal bekriegt haben, weil der Eritreer nicht damit einverstanden war, was der Somalier unter Sauberkeit verstand.

Als es dem Älteren zu bunt wurde, rutschte ihm die Hand aus, die im Gesicht des Jüngeren landete. Der geohrfeigte Somalier suchte das Weite. Als er bemerkte, dass sein Kontrahent nicht locker ließ und ihn verfolgte, griff er sich einen am Boden liegenden Stein. Den warf der jüngere der beiden Streithähne in Richtung des Mitangeklagten. Der Wurf ging daneben, da der Eritreer gerade noch ausweichen konnte.

Der Steinwurf brachte den Verfolger jedoch auf die Idee, es selbst zu versuchen. Sein Wurf traf tatsächlich den davonlaufenden Somalier. Erst als eine klaffende Platzwunde am Hinterkopf des 21-Jährigen sichtbar wurde, ließen die Streithähne voneinander ab. Soweit war der Sachverhalt vor Gericht eindeutig. Der Somalier musste wegen versuchter gefährlicher und der Eritreer wegen vorsätzlicher Körperverletzung mit einer Verurteilung rechnen – eigentlich.

Dass es nicht dazu kam, hatte zwei Gründe. Erstens wollten die Angeklagten vor Gericht keine Aussagen zum Vorfall machen. Und zweitens sah kein einziger Zeuge, wie sich die beiden in die Haare geraten waren. So blieb der Staatsanwältin nichts weiteres übrig, als sowohl für den Somalier als auch für den Eritreer auf Freispruch zu plädieren.

Amtsgerichtsdirektor Klaus-Jürgen Schmid musste dem wohl oder übel beipflichten. „Sie haben eigentlich beide eine Straftat begangen“, belehrte Schmid die Asylbewerber, „aber wie es letztendlich genau war, wissen wir nicht, wenn Sie beide nichts aussagen wollen.“ Im Zweifel müsse das Urteil dann eben zugunsten des oder, wie in diesem Fall, der Angeklagten ausfallen. (hph)

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