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Zwei Mehrfamilienhäuser in Neuerlkam geplant

Gemeinde baut Wohnungen in Eigenregie

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Holzkirchen - Den vieltönigen Ankündigungen folgt jetzt endlich die erste Tat: Die Marktgemeinde baut 2016 in Eigenregie zwei Wohnblöcke in Neuerlkam. Die Entscheidung im Gemeinderat war umstritten. Die Freien Wähler hätten diese Aufgabe lieber einem privaten Investor übertragen, um im Haushalt mehr Spielräume zu behalten.

Dass es höchste Zeit ist, in Holzkirchen nicht nur über Kommunalen Wohnungsbau zu reden, sondern aktiv zu werden, unterstrich Bürgermeister Olaf von Löwis (CSU) im Gemeinderat, als es um einen Grundsatzbeschluss über die Bauträgerschaft für die Wohnblöcke im Neubaugebiet Flachsfeld ging: „Wir haben Wartelisten etwa von Erzieherinnen oder sozial bedürftigen Menschen, die dringend bezahlbaren Wohnraum brauchen.“ Zudem könnten die Neubauten als Ersatzquartier dienen, wenn die Gemeinde die Blöcke in der Baumgartenstraße saniere.

Auf Empfehlung des Hauptausschusses schlug Löwis vor, das „relativ kleine Projekt“ mit Bordmitteln zu stemmen: Das Technische Bauamt im Rathaus soll die Aufgabe übernehmen. „Das geht am schnellsten und ist kein Hexenwerk.“ Die Suche nach einem Generalunternehmer würde erneut Zeit kosten. „Es ist eine gute Entscheidung für alle jene, die sich schwer tun, in Holzkirchen eine Wohnung bezahlen zu können“, sagte Elisabeth Dasch (SPD). „Endlich geht’s los“, ergänzte Robert Wiechmann (Grüne).

Auf eigenem Grundstück (Im Sommerfeld), unweit der Erlkamer Straße, sollen zwei große Mehrfamilienhäuser in die Höhe wachsen. Zwei Vollgeschosse und ein Dachgeschoss könnten 16, vielleicht mehr Wohnungen aufnehmen. Der Mietpreis soll bei unter zehn Euro liegen.

Im Haushalt der Gemeinde sind für das Projekt 2,5 Millionen Euro vorgesehen. Kämmerer Dominik Wendlinger und Florens Hintler vom Bauamt sprachen sich für den Bau in Eigenregie aus: Die Gemeinde schreibt die einzelnen Gewerke aus und vergibt an das wirtschaftlichste Angebot. „Ein Vergleich hat gezeigt, dass dieses Fachlos-Verfahren hier der beste Weg ist“, sagte Dasch. „Davon können auch kleinere Handwerksbetriebe profitieren“, stellte Hans Putzer (SPD) fest. 

Gegen diesen Weg stimmte die sechsköpfige FWG-Fraktion. „Ein privates Unternehmen hätte das genauso gut und schnell geschafft, aber das war leider nicht gewollt“, sagte Fraktionssprecherin Birgit Eibl. Die Gemeinde hätte sich ein Belegungsrecht zu festen Preisen sichern können, ergänzte Hubert Müller. „Die Gemeinde hat riesige Kosten für Geothermie, Schulen und Kitas, das Geld für diesen Hausbau hätten wir uns sparen können.“

Die beiden CSU-Räte Josef Sappl sen. und Herbert Gegenfurtner unterstützten zwar den Vorschlag der Verwaltung, pochten aber darauf, bei weiteren Wohnungsbau-Projekten die private Wirtschaft einzubinden. „Es gibt gute Partner, wir hätten uns Belegungs- und Rückkaufrecht sichern können“, sagte Sappl. Daran wollte Irmi Ammer nicht recht glauben. „Mir ist wichtig, dass immer die Gemeinde bestimmen kann und nicht irgendein Unternehmer.“ 

Gegenfurtner warb trotzdem dringend darum, Angebote von Unternehmen einzuholen. Er fürchtet, dass der Gemeinde bei größeren Bauprojekten sonst die Kosten davongaloppieren könnten. In dieses Horn stieß auch Wolfgang Jennerwein (FWG): „Alles, was wir zuletzt gebaut haben, ist teurer geworden als gedacht.“ Jetzt lege man sich fest, ohne zu wissen, was das Projekt letztlich koste. Um die Kontrolle zu behalten, bestand Sappl auf einer Kostendeckelung, sobald ein Entwurf vorliegt. „Und wir wollen Einfluss nehmen können auf Architekt und Bauleitung“, fügte Christoph Schmid (CSU) hinzu. Er ist allerdings überzeugt, „dass sich die Baukosten über die Mieteinnahmen decken lassen“. 

Der Bürgermeister will die jetzt gewählte Variante nicht als Masterplan für den Kommunalen Wohnungsbau verstanden wissen. „Es geht jetzt darum, hier zügig ein erstes Projekt zu stemmen. Bei weiteren Projekten in der Maitz oder in der Baumgartenstraße schaut’s wieder ganz anders aus.“ Dort sei auch die Kooperation mit Generalunternehmern oder Baugenossenschaften denkbar.

Von Andreas Höger

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