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Neues Verkehrskonzept für Holzkirchen

Mobilität kreativ drehen

Holzkirchen - Es geht um das große Ganze: Ein umfassendes Mobilitätskonzept soll die Verkehrsströme in der Marktgemeinde erfassen, analysieren und Lösungen aufzeigen.

Ortsferne Trasse gestorben, ortsnahe Trassen heftig in der Kritik: Die Südspange beherrscht die Verkehrsdiskussion in Holzkirchen. Davon müsse man sich lösen, wünscht sich Bürgermeister Olaf von Löwis: „Wir können nicht mehr warten.“ Der Ort entwickle sich, in Sachen Mobilität tauchen ständig Fragen auf. „Nur immer auf irgendwas reagieren oder auch nicht, das reicht nicht mehr“, sagt Löwis, „wir wollen aktiv gestalten.“

Neun Verkehrsbüros stellten sich Ende 2014 im Rathaus vor, drei davon sind noch im Rennen. Geht es nach dem Bürgermeister, könnten die drei Unternehmen ein Team bilden: Einer kümmert sich um das eigentliche Thema Verkehr, die zwei anderen bringen ihre Erfahrung in den Bereichen Ortsentwicklung und Bürgerbeteiligung ein. „Das könnte gut funktionieren“, glaubt Löwis. Im Gemeinderat am Dienstag, 27. Januar, werden die Gutachter vorgestellt.

Um die politischen Energien für das Thema Verkehr zu bündeln, hatte der Gemeinderat 2014 einen Arbeitskreis (AK) gebildet, der auch die diversen Bürgerinitiativen pro und contra Umgehungsstraße sowie das Straßenbauamt einbindet. Strittig waren immer wieder die relevanten Verkehrsdaten. Erste Aufgabe des Expertenteams wird es deswegen sein, eine aktuelle Datenbasis zu schaffen, „die von allen akzeptiert wird“, sagt der Bürgermeister.

Parallel dazu sollen die Fachleute bereits konkrete Vorschläge zu künftiger Verkehrsführung in allen Teilen der Gemeinde zusammentragen und auf Machbarkeit prüfen. „Ein Schwerpunkt liegt ganz klar darauf, einige Projekte als Sofortmaßnahmen umzusetzen“, sagt der Rathauschef. „Wir wollen kreativ an der Sache drehen.“ Alle Arten der Mobilität (Fußgänger, Radler, Autofahrer, Zugfahrer) sollen berücksichtigt sein, gefragt sind pfiffige Ideen etwa für neue Baugebiete, für Schulen oder Kitas. Spätestens Mitte 2016 erwartet die Gemeinde erste Ergebnisse. Die Mobilitätsstudie hat ihren Preis, Löwis rechnet mit einem sechsstelligen Betrag.

Integrativer Bestandteil der Studie, so ist es der ausdrückliche Wunsch des Gemeinderats, soll eine Bürgerbeteiligung sein. Als Grundlage dient wohl eine aktive Befragung. „Wie das genau passiert, ist Sache der Experten“, sagt Löwis. Wichtig ist ihm, dass sich die Bürgerbeteiligung „als strukturelle Dauereinrichtung“ etabliert. Denkbar ist vieles. Die Ortsdurchfahrt Holzkirchens wird demnächst zur Staatsstraße abgewertet. Vielleicht könne man diese auf die Nordspange legen und hätte so auf der sensiblen Ortsdurchfahrt freie Hand, überlegt der Bürgermeister. Doch ohne eine Südspange, so betont das Straßenbauamt, bleiben die Möglichkeiten der Gemeinde immer beschränkt.

Bekanntlich meldete das Straßenbauamt ohne Zutun der Gemeinde eine Südumfahrung für den „vordringlichen Bedarf“ des Bundesverkehrswegeplans an. „Da ist keine Trasse festgelegt“, betont Löwis. Er sieht keine Notwendigkeit, sich als Gemeinde jetzt auf ein Votum pro oder contra festzulegen. „Ich wünsche mir aber, dass es das Projekt in den vordringlichen Bedarf schafft, um dann über Trassen und bauliche Ausgestaltungen sprechen zu können.“ Das Dilemma der Großhartpenninger, die eine ortsnahe Südumfahrung noch schwerer belasten würde, vermag Löwis nicht aufzulösen. „Ich hoffe auf den Sachverstand von Bürgern und Experten.“ Gerade die Situation in Großhartpenning berge Gefahren, fürchtet der Bürgermeister: „Wir müssen aufpassen, dass wir alle mitnehmen und die Bürgerschaft nicht spalten.“

Von Andreas Höger

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