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Ausstellung zur 1200-Jahr-Feier 

Die Zeitmaschine der Föchinger

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Den Föchingern und Fellachern ist ein Kunststück gelungen. Sie haben aus der Turnhalle eine Zeitmaschine gebaut, die die jüngere Vergangenheit bis ins 19. Jahrhundert wieder aufleben lässt.

Föching – Die Ausstellung „Föching wie es war und ist“ glänzt als Gemeinschaftsleistung, die der am Samstag beginnenden 1200-Jahr-Feier ein wunderbares Gerüst verleiht.

Der Brunnen steht im Mittelpunkt – und das nicht zufällig. Ein hölzerner Nachbau samt Inschrift soll, analog zu seinem steinernen Vorbild im Dorf, ein Ort werden, an dem die Besucher der aufwendigen Ausstellung das Gesehene sacken lassen. „Die Leute sollen miteinander ins Gespräch kommen, sich austauschen“, sagt Anton Lerch, einer von vielen Organisatoren, „das ist uns wichtig.“

Dafür wurde nicht nur der Brunnen nachgebaut. Ein Nebenraum der Turnhalle wird in ein kleines Café umfunktioniert. „Man wird sich überall hinsetzen können“, verspricht Annemarie Maier, die ebenfalls mitgeholfen hat. Besucher bekommen einen Kaffee und was zum Essen. „Kommunikation ist uns wichtig“, betont Maier. An allen Öffnungstagen werden einige Ausstellungsmacher vor Ort sein, die Hintergründe zu Fotos und Dokumenten erklären können. „Es hat Spaß gemacht, in der Vergangenheit zu graben“, sagt Annelies Lerch, „schon diese Arbeit hat viele Leute zusammengebracht.“

Der Ausstellungs-Brunnen zeugt nicht nur von der handwerklichen Raffinesse zeitgenössischer Föchinger, sondern auch von einem Problem ihrer Vorfahren. Bis 1685 musste man Wasser mühsam in Zisternen auffangen, ehe der Pfarrer den 70 Meter tiefen Brunnen graben ließ.

Das wiederum hängt mit der berühmtesten Tochter des Dorfs zusammen, der „Schmerzhaften Mutter von Föching“. Der Besucher erfährt, wie diese kleine Figur im 17. und 18. Jahrhundert einen Wallfahrts-Boom auslöste. Um die Gläubigen nicht verdursten zu lassen, war der Brunnen überfällig. „Immer wenn die Zeiten härter wurden, ist die Wallfahrt aufgeblüht“, sagt Maier. Wie stark dieser Glauben noch im 20. Jahrhundert verwurzelt war, bezeugt ein Bild von der „Kriegswallfahrt“ nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs 1914, als 6000 Menschen nach Föching pilgerten.

Überhaupt sind es die vielen alten Fotos aus Privatbesitz, die den Blick fangen. Ansichten aus dem Dorf, von Einweihungen. Alle Ortsvereine haben ihre Chroniken durchforstet und gestalten eigene kleine Bereiche. Die Veteranen präsentieren zudem Orden alter Krieger, die Schützen alte Teilergeräte. Die Feuerwehr zeigt alte Einsatz-Kleidung, darunter eine Nachkriegs-Uniform, auf deren Ärmel „Fire Dept.“ steht, weil die Amerikaner mit „Feuerwehr“ nichts anfangen konnten und bei deutschen Uniformen sehr argwöhnisch waren.

Gleich am Eingang der Ausstellung fasst eine große Zeittafel wichtige Meilensteine Föchings zusammen, einige vor, die meisten nach der erstmaligen urkundlichen Erwähnung anno 817. „Viele historische Hinweise stammen aus dem dem Pfarrarchiv Osterwarngau“, betont Martin Hann. Denn bis zur Eingemeindung nach Holzkirchen 1978 hatte Föching mit dem großen Nachbarn Holzkirchen wenig zu tun. Kirchlich war man lange Jahre Warngau zugeordnet, verwaltungstechnisch zuständig war die Grafschaft Valley. Die politische Eigenständigkeit dokumentiert eine Übersichtskarte mit Bildern von Bürgermeistern und Gemeindebauten. Die heutigen Valleyer Ortsteile Hohendilching, Grub, Sollach, Kreuzstraße – sie alle waren Teil der Gemeinde Föching. Wer die Ausstellung genau durchforstet, findet durchaus Hinweise, dass es keine Liebesheirat war, die Föching 1978 nach Holzkirchen brachte. Immerhin: Die Marktgemeinde überließ den Ausstellungsmachern die 300 Quadratmeter der Turnhalle zur freien Verfügung. Das freilich ohne Risiko, denn anschließend steht ohnehin eine Generalsanierung an.

Im Idealfall sollen die Besucher die besondere Würde des alten Föchings kennlernen, ins Ratschen kommen – und ein wenig schmunzeln. Dafür hat das Ausstellungsteam Steine verteilt, auf denen alte Bauernweisheiten zu lesen sind. „Wäre schade, wenn die in Vergessenheit geraten“, sagt Annemarie Maier und hat auch gleich einen Schlechtwetter-Spruch parat: „Des is a Weda für meine Knecht. Wenn’s ned arban, dann friert’s as recht.“

Nach der großen Auftaktveranstaltung am 2. September wird die Ausstellung „Föching wie es war und ist“ täglich zu sehen sein – bis einschließlich Festsonntag, 10. September. Von Montag bis Freitag stehen die Türen der Turnhalle, die sich in einen großen Ausstellungssaal verwandelt hat, von 16 bis 21 Uhr offen.

Eine besondere Aktion ist am Donnerstag geplant: Bereits ab 13 Uhr sind dann speziell ältere Mitbürger eingeladen. Sie können sich von Bildern und Dokumenten inspirieren lassen, über alte Zeiten zu plaudern und sich gegenseitig Geschichten von anno dazumal zu erzählen. Und vielleicht hat mancher Besucher noch erhellende Hinweise zu historischen Aufnahmen. 

Am Samstag und Sonntag, 9. / 10. September, ist die Schau von 10 bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei. Wer will, kann am Eingang für drei Euro ein Festzeichen erstehen, das während der gesamten Festwoche Gültigkeit hat.

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