Autos stehen vor Holzkirchen im Stau, weil die Bahnschranken nach dem Unfall in Thann nur manuell gesichert werden können.
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Bis Ende Oktober ist Geduld gefragt: Der Bahnunfall in Thann hat die Sicherheitstechnik von vier Übergängen zerstört, auch in Holzkirchen in der Miesbacher Straße. Weil sich die Schließzeiten jetzt für einige Wochen deutlich verlängern, ist – wie hier am Dienstagabend – mit Rückstaus bis zum Ortsschild zu rechnen.

Unfall in Thann zerstört Sicherheitstechnik

„Faltbare Schranke“ an Bahnübergängen: 15 Minuten Wartezeit für Autofahrer

  • Andreas Höger
    vonAndreas Höger
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Autofahrer stehen in Holzkirchen vor einer mehrwöchigen Geduldsprobe: Weil nach dem Bahnunfall bei Thann die Sicherheitstechnik erneuert werden muss, kommt es an den Übergängen in der Miesbacher und Tegernseer Straße zu langen Schließzeiten, wenn Züge durchrollen. Betroffen sind auch die Übergänge Lochham und Thann. Dort immerhin wird sich die Sicherheit verbessern.

Holzkirchen/Warngau – Der schwere Unfall am 8. September, als am unbeschrankten Bahnübergang bei Thann das Auto einer Familie aus Baden-Württemberg von einem Zug der Bayerischen Regiobahn erfasst worden war, forderte drei Schwerverletzte, darunter ein Baby. Zudem wurde ein Schalthäuschen zerstört – und damit die komplette Sicherheitstechnik zerschossen für die vier als Kette funktionierenden Übergänge in Thann und Lochham (Gemeinde Warngau) sowie in Holzkirchen in der Miesbacher und Tegernseer Straße.

Die DB Netz, zuständig für die Bahn-Infrastruktur, hat jetzt ein vorläufiges Reparatur- und Sicherheitskonzept erstellt – und das hat Konsequenzen für Autofahrer, Radler und Fußgänger. Wie ein Bahnsprecher am Dienstag (22. September) auf Anfrage mitteilte, bleiben die Übergänge bis zu 15 Minuten geschlossen, wenn die Züge aus Richtung Schaftlach kommen. Aus Richtung Holzkirchen sind es fünf bis sechs Minuten. „Wir müssen das tun, um die entsprechenden Sicherheitsvorschriften zu erfüllen“, sagte der Bahnsprecher. Wenn ein Zug der BRB den Bahnhof Schaftlach verlasse, sind die vier Übergänge zu schließen.

Autofahrer können über die B 318 und das Gewerbegebiet-Nord ausweichen

Besonders schwer trifft das den Verkehr in Holzkirchen auf der viel befahrenen Miesbacher Straße (B 13) und Tegernseer Straße (Staatsstraße 2573). Über fünf Wochen lang, bis 30. Oktober, werden lange Schließzeiten – üblich sind sonst drei bis vier Minuten – den Verkehr blockieren. „Das gefällt uns nicht“, betont der Bahnsprecher, „aber wir mussten abwägen und wollten den Bahnverkehr nicht noch mehr behindern.“ Wer vor den beiden Übergängen keine langen Wartezeiten absitzen will, kann über die B 318 und das Gewerbegebiet-Nord bei Föching ins Holzkirchner Ortszentrum gelangen.

An den Übergängen steht DB-Personal, das vor Zugdurchfahrten mit Flatterband absperrt, der Bahnjargon spricht von „faltbarer Schranke“. Ende nächster Woche werden zusätzlich mobile Ampeln aufgestellt, die mit Gelb- und Rotlicht warnen. Nach dem 30. Oktober, so der Plan, sollen die Holzkirchner Übergänge wieder wie vor dem Unfall funktionieren.

Gute Nachricht für Warngau: Zwei Übergänge bekommen Halbschranken

Deutlich länger wird es an den beiden Warngauer Übergängen in Lochham und Thann zu Verzögerungen kommen, vermutlich bis ins Frühjahr 2021. Bereits am 23. September gehen dort die Zusatzampeln in Betrieb, auch dort wird jeweils ein Mitarbeiter als „Bahnübergangs-Posten“ mit „faltbarer Schranke“ sichern.

Da die Sicherheitstechnik vollständig erneuert und modernisiert wird, gibt es trotz aller Widrigkeiten auch eine gute Nachricht: Die bisher unbeschrankten Übergänge Lochham und Thann werden endlich mit fest installierten Halbschranken nachgerüstet, zudem werden die mobilen Zweilicht-Ampeln durch feste Varianten ersetzt. Wie der Bahnsprecher mitteilt, sei aber mit der Fertigstellung der neuen Schranken- und Lichtzeichenanlagen nicht vor April 2021 zu rechnen.

Weitere Infos zum Unfall am 8. September und seinen Folgen finden Sie hier.

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