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Unbürokratische Starthilfe: Ukraine-Flüchtlinge im Landkreis bekommen 150 Euro

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„Die Spendenbereitschaft ist überwältigend“: Marc Gerster, Vorsitzender von „Holzkirchen hilft“, verteilt derzeit fast 50 000 Euro an ukrainische Flüchtlinge, die im Landkreis untergekommen sind. Das Geld wird dringend gebraucht, da staatliche Zuwendungen noch nicht fließen. Der Verein hofft deswegen auf weitere Spenden.
„Die Spendenbereitschaft ist überwältigend“: Marc Gerster, Vorsitzender von „Holzkirchen hilft“, verteilt derzeit fast 50 000 Euro an ukrainische Flüchtlinge, die im Landkreis untergekommen sind. Das Geld wird dringend gebraucht, da staatliche Zuwendungen noch nicht fließen. Der Verein hofft deswegen auf weitere Spenden. © Thomas Plettenberg

Ein fremdes Land, eine fremde Sprache. Und im Gepäck viele Sorgen und Ängste, aber kaum Geld. Um den Ukraine-Geflüchteten finanzielle Soforthilfe in die Hand zu geben, verteilt der Verein „Holzkirchen hilft“ derzeit unbürokratisch Spendengelder. 150 Euro gibt es je Person. Der Spendentopf leert sich schnell.

Holzkirchen – Gestern in Bad Wiessee: Marc Gerster, Vorsitzender von „Holzkirchen hilft“, hat Bares mitgebracht. Über 90 Ukrainer, die dem Krieg in ihrer Heimat entronnen sind und in Bad Wiessee ein Dach über dem Kopf gefunden haben, bekommen im Rathaus 150 Euro in die Hand gedrückt. „Für erste dringende Anschaffungen und den täglichen Lebensunterhalt“, sagt Gerster. Ausgezahlt wird direkt an die Geflüchteten oder treuhänderisch an die Gastfamilien.

Das Geld stammt von Bürgern aus dem Landkreis Miesbach, die einem Spendenaufruf von „Holzkirchen hilft“ bald nach Kriegsbeginn in der Ukraine folgten. „Wir möchten im Landkreis die finanzielle Hilfe bündeln“, sagt Gerster. Denn so etwas wie ein staatliches „Begrüßungsgeld“ für die Geflüchteten gebe es noch nicht. „Die Menschen kommen aus Kriegsgebieten und haben meist keinen Euro in der Tasche“, sagt Gerster. Dank der Spendenbereitschaft vieler Landkreisbürger kann „Holzkirchen hilft“ hier ein „finanzielles Ersthilfepaket“ schnüren.

In Holzkirchen wurden bereits 31 Geflüchtete unterstützt

Vor wenigen Tagen informierte Gerster die Rathäuser über das Angebot. „Und es spricht sich unter den Gastfamilien herum, die immer mehr auf uns zukommen.“ Allein in Holzkirchen wurden 31 Geflüchtete in zehn Gastfamilien unterstützt, weitere 150-Euro-„Ersthilfepakete“ gingen an Ukrainer, die in Waakirchen, Bayrischzell, Otterfing (21) und Weyarn (24) untergebracht sind.

Das Geld wird unbürokratisch ausgegeben, „aber nicht ohne Kontrolle“, sagt Gerster. Die Geflüchteten, meistens Frauen mit kleinen Kindern, geben ihre Personalien an und hinterlegen eine Kopie ihres Passes; einen offiziellen Registrierungsnachweis, den sich der Verein wünschen würde, haben sie oft noch nicht, weil die Behörden dem Ansturm nicht gewachsen sind. „Wir achten aber sehr darauf, dass hier nicht wer zweimal Geld bekommt“, sagt Gerster, „wir wollen schließlich möglichst viele unterstützen.“

Neben den Bar-Auszahlungen finanziert „Holzkirchen hilft“ mit bis zu 1000 Euro Deutsch-Kurse für die Geflüchteten. Die Vhs will laut Gerster drei Kurse anbieten, mit dem Geld sollen unter anderem Lehrbücher angeschafft werden. Zudem bekommen ukrainische Mütter in den Holzkirchner Schreibwarenläden Strohmeier und Karner kostenlos Schulbedarf für ihre Kinder; die Rechnungen übernimmt der Verein. Aus Gesprächen hat Gerster erfahren, dass viele Ukrainerinnen möglichst schnell arbeiten wollen, um ihren Lebensunterhalt in der Fremde wenigstens teilweise selbst zu finanzieren.

150 Anfragen an einem Tag

Bisher flossen 34 000 Euro auf das Spendenkonto; dazu hat ein Holzkirchner Unternehmen, das anonym bleiben will, eine Großspende von 15 000 Euro zugesagt. „Die Spendenbereitschaft ist überwältigend“, sagt Gerster. Das Geld fließt aber auch schnell ab. „Allein am Dienstag hatten wir 150 Anfragen“, sagt Gerster. Sollte sich das Konto in diesem Tempo leeren, müsse man unter Umständen die Zuwendungen kürzen. „Deswegen hoffen wir, dass weiter gespendet wird.“

Der große Ansturm, fürchtet Gerster, er kommt erst noch. Es sei davon auszugehen, dass auf den Landkreis bis zu 3000 Kriegsgeflüchtete aus der Ukraine zukommen. „Das wird uns ein, zwei oder drei Jahre beschäftigen“, glaubt der Holzkirchner. Der Verein regt deswegen einen Runden Tisch an, der Hilfsorganisationen und Ehrenamtliche zusammenbringt und dazu beiträgt, die Hilfe vor Ort zu strukturieren.

Spendenkonto: Wer ukrainischen Kriegsflüchtlingen im Landkreis helfen will, kann eine Spende an den Förderverein „Holzkirchen hilft“ überweisen (Konto: DE 45 7002 0270 6440 2226 66, Stichwort „Ukraine“).

Weitere Infos zum Thema finden Sie hier.

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