„Der ist optimal“: Seit 2013 bringt Ernst Größwang Viertklässlern am Verkehrsübungsplatz an der Flinspachstraße in Holzkirchen das sichere Radfahren bei. Insgesamt sind es gar 22 Jahre.
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„Der ist optimal“: Seit 2013 bringt Ernst Größwang Viertklässlern am Verkehrsübungsplatz an der Flinspachstraße in Holzkirchen das sichere Radfahren bei. Insgesamt sind es gar 22 Jahre.

Ernst Größwang von der Polizei Holzkirchen geht bald in Ruhestand

40 Jahre Polizist, Verkehrserzieher und Reifenflicker

  • Marlene Kadach
    vonMarlene Kadach
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Er brachte fast 8000 Kindern aus vielen Generationen das sichere Radfahren bei. Und flickte unzählige Reifen. 22 Jahre betreute Ernst Größwang die Jugendverkehrsschule im Zuständigkeitsbereich der Polizei Holzkirchen. Jetzt geht er bald in den Ruhestand.

Holzkirchen – Die ersten Jahre hat er viele, viele Reifen geflickt. „Das gehört zum Service dazu“, sagt Ernst Größwang, er lacht. Schuld daran war die Dornenhecke am Pausenhof der Schulen an der Baumgartenstraße, der einst als Übungsplatz für die Verkehrsschule diente. „Da haben sich die Kinder dauernd einen Platten gefahren.“ Und in 22 Jahren sammelten sich einige kaputte Reifen an. Die Wende kam 2013, als der neue Verkehrsübungsplatz an der Flinspachstraße eröffnet wurde. „Der ist optimal“, lobt Größwang. Es gibt einen eigenen Kreisverkehr – und auch die Verkehrszeichen sind fest montiert.

22 Jahre betreute Größwang die Jugendverkehrsschule im Zuständigkeitsgebiet der Polizei Holzkirchen. Brachte fast 8000 Schülern das sichere Radfahren bei. Zusätzlich war er als Mitarbeiter Verkehr tätig. Jetzt geht der 61-Jährige bald in Rente. Und schult dieses Frühjahr seinen letzten Jahrgang. „Er ist unser dienstältester Kollege bei der Polizei Holzkirchen“, sagt Dienststellenleiter Johann Brandhuber. Größwang verbrachte fast sein ganzes Berufsleben in der Marktgemeinde. 1979 begann er seine Polizeiausbildung in Königsbrunn bei Augsburg. Vor 39 Jahren, am 1. März 1982, trat Größwang seinen Dienst in Holzkirchen an. Und er blieb. Bis heute.

Die Jugendverkehrsschule übernahm er vor über 20 Jahren

Eines Tages stellte das Schicksal erneut die Weichen für ihn. Man brauchte jemanden, der die Jugendverkehrsschule übernahm. „Ich habe sofort Ja gesagt“, erinnert sich Größwang. 1999 war das. Mit Kindern konnte er schon immer gut. Er hat selbst zwei Söhne. Und: Viele Jahre trainierte er die jungen Fußballmannschaften im Isarwinkel in seinem Heimatlandkreis Bad Tölz-Wolfratshausen. Ab 1999 unterrichtete er alle Viertklässler aus den Gemeinden Holzkirchen, Otterfing, Weyarn, Valley und Warngau – auf dem Radl. „Pro Jahr waren es circa 350 bis 370 Schüler“, schätzt Größwang. Er bildete also ganze Generationen aus. Wenn Größwang heute durch Holzkirchen geht, kommt er aus dem Grüßen gar nicht mehr heraus. „Die Leute kennen einen.“

Doch es war nicht immer leicht. „Vor allem beim Linksabbiegen wurden viele Fehler gemacht“, erzählt der Polizist. Immerhin müssen die Schüler hier acht Punkte beachten. Ein Mädchen sollte mal links abbiegen, streckte aber zuerst die rechte Hand aus. Plötzlich ist ihr der Fehler aufgefallen und sie streckte die rechte Hand dann einfach nach links. „Die Buben waren immer schwerer zu handhaben, weil sie lebhafter sind“, meint Größwang. Da musste er schon mal ein ernstes Wort mit ihnen sprechen. Leichter tat er sich mit den Mädchen. „Die sind ehrgeiziger.“ Allerdings war es auch ein Mädchen, das bei der Übung im Realverkehr einen Unfall baute, der einzige, der in Größwangs Verkehrsschule passierte. Die Schülerin krachte gegen ein geparktes Auto. „Verletzt wurde sie zum Glück nicht.“ Nur am Auto hinterließ sie Kratzer. Am Ende aber haben die meisten Kinder doch den Radlführerschein bestanden. Die sehr guten sogar mit Ehrenwimpel. Im Schnitt seien drei bis vier Schüler pro Jahr durchgefallen, schafften die Prüfung aber meist im zweiten Anlauf.

Ratgeber in Verkehrsfragen

Doch Größwang kümmerte sich nicht nur um die kleinen Verkehrsteilnehmer. 2009 wurde er zusätzlich zum Mitarbeiter Verkehr der Polizeiinspektion ernannt. Er berät seither Gemeinden, wenn es zum Beispiel um Unfallschwerpunkte, Baustellenbeschilderungen, Straßensperren oder Fahrradstreifen geht. Auch alle Verkehrsunfälle laufen über seinen Schreibtisch. Früher ist er noch selbst zur Unfallstelle rausgefahren. „Vor allem die tödlichen Unfälle nehmen einen persönlich sehr mit“, sagt Größwang. „Die vergisst man nie.“ Da kann man noch so lange im Dienst sein.

Wenn sein Dienst zu Ende ist, wird seine Stellvertreterin und Verkehrserzieherin Wibke Reinwarth seinen Posten übernehmen. Seinen Ruhestand will Größwang erst mal ruhig angehen. „Ich will alles auf mich zukommen lassen und mir keinen Stress machen“, sagt der 61-Jährige. Privat fährt er übrigens gerne Rad, inzwischen besitzt er ein E-Bike. Das, schätzt er, wird in der Rente öfters zum Einsatz kommen.

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mar

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