Corona-Test im Auto vor Hexal in Holzkirchen
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Gerade die Drive-in-Station auf dem Parkplatz vor Hexal in Holzkirchen ist beliebt.

Betreiber im Landkreis sehen keine Vertrauenskrise

Abrechnungs-Skandal in Corona-Testzentren: „Schwarze Schafe gibt es immer“ 

  • Marlene Kadach
    vonMarlene Kadach
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Der mutmaßliche Abrechnungs-Skandal in deutschen Corona-Testzentren schlägt Wellen. Die Betreiber privater Testzentren im Landkreis bleiben derweil gelassen.

Landkreis – Daniel Dosch hat schon damit gerechnet, dass die ganze Sache eines Tages hochkocht. Schließlich stünden „neben jeder Dönerbude“ Corona-Schnelltestzentren. „Jeder macht das mittlerweile“, sagt er. „Aber wir garantieren eine ordentliche Arbeit“, betont der Geschäftsführer der Pixel Branding GmbH. Da konnte es ihn nicht schocken, dass am gestrigen Dienstag plötzlich die Polizei an seiner Teststation neben Hexal in Holzkirchen stand. Und Dokumente und Testkits sichtete. Laut einem Sprecher aus dem Polizeipräsidium Oberbayern Süd lag der Überprüfung kein konkreter Verdacht oder Hinweis zugrunde. „Es hat auch alles gepasst bei dem Zentrum.“ Das Personal sei geschult, die Zulassung vom Landratsamt und die Zertifizierung vom Ministerium lagen vor.

Auch in Miesbach ermittelt die Kripo

Anlass der Kontrolle war der deutschlandweite Skandal um Corona-Teststellen, die unter Verdacht stehen, bei der Abrechnung betrogen zu haben. Sie sollen sich vom Staat deutlich mehr Tests bezahlt haben lassen, als tatsächlich durchgeführt wurden. Auch in Miesbach ermittelt nun die Kriminalpolizei wegen Unregelmäßigkeiten an einer Teststation (wir berichteten). Kratzt das Fehlverhalten einiger nun am Image aller, vor allem privat geführter Testzentren?

Testzentren gehen offensiv mit Thema um

„Wir gehen offensiv damit um“, sagt Dosch. „Schwarze Schafe gibt es immer.“ Aber: „Wir rechnen korrekt ab.“ Die Nutzung einer guten Software sorge für sauberes Arbeiten und Datenschutz. Eine geregelte Terminvergabe sei ebenfalls ein Merkmal für Seriosität und Sicherheit. Seine Firma, die die Zentren im Holzkirchner Gewerbegebiet-Ost sowie beim Hotel Bachmair Weissach gemeinsam mit dem Unternehmen COVID Schnelltestzentrum betreibt, kommt aus dem Eventbereich. Zur Überbrückung in der Krise stieg man ins Testgeschäft ein. „Wir werden keine Millionen damit verdienen,“ meint Dosch. „Aber wenigstens haben wir was zu tun.“ Durchschnittlich 150 Tests pro Zentrum führt seine Truppe – die sich vorab einer halbtägigen Schulung durch einen Arzt unterzog – täglich durch. Die Kunden würden gerade die Drive-in-Station gerne nutzen. So könne man mit etablierten Konkurrenten wie dem Bayerischen Roten Kreuz (BRK) mithalten.

Nutzerzahlen hängen eher an Inzidenz

Konrad Franz und Léon Bogner, die Geschäftsführer der Münchner Firma B+K Emergency Services, die am Café Winklstüberl in Fischbachau eine Teststelle führen, werden angesichts der bundesweiten Skandale oft auf das Thema Abrechnung angesprochen. „Aber wir können nicht bestätigen, dass die Leute daher das Vertrauen in uns verloren haben“, sagt Franz. An den Nutzerzahlen lasse sich dieser Trend nicht ablesen. Diese orientieren sich an Inzidenz und Lockerungen. Während Anfang Mai 20 bis 40 Schnelltests pro Tag anstanden, waren es am vergangenen Wochenende, als die Außengastro im Landkreis öffnete, rund 200 täglich.

Zwölf Euro pro Schnelltest

Pro Antigen-Schnelltest, die für Bürger kostenlos sind, bekommen die Teststellen zwölf Euro vom Staat. Bogner wundert sich nicht darüber, dass das Abrechnungssystem trotz aller Dokumentenpflicht anfällig ist. Schließlich sei alles notgedrungen sehr schnell aufgebaut worden. Seine Firma, die eigentlich Sanitätsdienstleister bei Großveranstaltungen ist, arbeite nur mit medizinischem Personal.

Viele Firmen stiegen in der Krise ins Corona-Business ein

Das sei auch in seinem Testzentrum auf Gut Kaltenbrunn in Gmund der Fall, erklärt Marco Kurre, Geschäftsführer der Contime GmbH. „Natürlich sprechen uns die Leute darauf an“, sagt er zu den Skandalen. „Ich finde es beschämend, dass das so ausgenutzt wird.“ Der Personaldienstleister stieg durch einen Kunden ins Corona-Business ein, ebenfalls zur Überwindung der Krise. Seine Schnellteststrecke sei keine reine Profitsache. „Es macht Sinn und Spaß“, sagt er. „Wir betreiben das ernsthaft.“

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