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Die letzten zwei Dillinger Franziskaner-Schwestern verlassen Erlkam: Oberin Richardis Zottmann und Schwester Beatis Pruys. 

Regens Wagner

Abschied nach 55 Jahren: Franziskanerinnen verlassen Erlkam

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Die Koffer sind gepackt: Die letzten zwei Dillinger Franziskaner-Schwestern verlassen Erlkam, nach 55 Jahren wird der Konvent aufgelöst. Oberin Richardis Zottmann und Schwester Beatis Pruys wäre gerne geblieben, dem Orden aber fehlt der Nachwuchs. 

Erlkam Der Abschied fällt nicht leicht. Lange versuchte Oberin Richardis Zottmann (78), die eine oder andere der 90 verbliebenen Mitschwestern unter den Dillinger Franziskanerinnen von einem Wechsel nach Erlkam zu überzeugen. „Wir haben gekämpft“, sagt die 78-Jährige, „jetzt ist es Zeit, in Würde zu gehen.“

Am 22. April findet ein Abschiedsgottesdienst in St. Josef statt – ein trauriger Schlussstrich unter segensreiche 55 Jahre. „Es tut weh, wir waren sehr gerne hier“, gesteht die Oberin. Der Erlkamer Konvent teilt das Schicksal anderer Standorte des Ordens. „Wir Schwestern sind Exoten geworden“, sagt die Oberin. Es gibt kaum noch Frauen, die den schlichten schwarz-weißen Habit anlegen wollen. 

Seit einem Jahr sind Schwester Richardis und Schwester Beatis (85) alleine, die letzten ihrer Art in Erlkam. „Das war zuweilen einsam“, sagt die Oberin, „und die Gesundheit lässt auch nach.“

Einsam war es 1963 noch nicht, als acht Franziskanerinnen, im Dienst der Regens-Wagner-Stiftung, von Unterhaching nach Erlkam übersiedelten. Der betuchte Münchner Konsul Oskar Karl Forster hatte Regens Wagner das Erbe seiner Frau überschrieben, den Angerer-Hof. Mit den Schwestern trafen ein: die Angestellte Agnes Fürstberger, heute 81 Jahre alt, sowie einige Menschen mit Behinderungen. Ihnen galt schon immer die Fürsorge der Regens-Wagner-Stiftung, die im 19. Jahrhundert gegründet worden war.

Erlkam war zunächst angelegt als Erholungsheim für die Schwestern des Ordens. In der angeschlossenen Landwirtschaft arbeitete der Konvent mit behinderten Schützlingen. Geistig und schwerstbehinderte Menschen sollten in einer Gemeinschaft leben und mithelfen können.

Mit der Zeit kamen nicht nur Mitschwestern zur Erholung. Erlkam entwickelte sich zu einem Tagungsheim. 1969 grub man sogar ein beheizbares Schwimmbecken in den Garten. 

Als die Sozialpolitik in den 70er Jahren die Behinderten-Betreuung reformierte, zog Regens Wagner mit. Es entstanden Wohnheime und Förderstätten. Heute kümmern sich 140 Mitarbeiter um 91 Menschen mit Behinderungen, in stationären und teilstationären Angeboten.

2001 stellte Regens Wagner die Organisation um: Die Schwestern, die unentgeltlich arbeiteten und dafür von der Stiftung versorgt werden, gaben das operative Management des Sozialunternehmens ab. Präsent blieben sie weiterhin. Als Richardis Zottmann 2006 nach Erlkam zog, lebten zwölf Schwestern im Konvent.

„Es war und ist hier ein kleines Dorf“, erzählt Schwester Beatis, die sich trotz 23 Jahre Erlkam ihren Bochumer Dialekt erhalten hat. Als „Großstadtkind“ habe sie geschätzt, dass sich immer was gerührt habe. „Wir Schwestern waren immer Ansprechpartner für alle Bewohner.“ Nicht zu vergessen die Rolle Erlkams als Urlaubsort. „Viele Mitschwestern haben diesen Ort sehr geschätzt.“

Doch jetzt naht der Abschied. „Wir sind traurig“, sagt Gesamtleiterin Kathrin Seiler, „die Präsenz der Schwestern war eine Stütze, sie hat etwas Besonderes aus diesem Ort gemacht.“ Das frei werdende Bauernhaus mit den sechs Wohnungen wolle man nutzen, um neuem Personal eine erste Bleibe bieten zu können.

Oberin Richardis, die bereits diverse Führungsaufgaben für ihren Orden übernahm und lange im Ausland wirkte, zieht um in die Oberpfalz, um dort Mitschwestern zu pflegen. Die gebürtige Fränkin wird ihre alte Wirkungsstätte vermissen. „Wir waren auch gerne in der Umgebung, in Fellach, Roggersdorf, Otterfing – und haben uns immer willkommen gefühlt.“

Schwester Beatis zieht es zurück ins Mutterhaus nach Dillingen. Beim Packen, so gesteht sie verschmitzt, habe sie durchaus eine kleine Überraschung erlebt: „Man wundert sich, was nach 55 Jahren so alles zusammenkommt, wenn man als arme Franziskanerin lebt.“

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