Achtung Landwirte: EU greift durch - Güllefahren ist länger verboten
+
Länger verboten: Gülle ausfahren.

Weil zu viel Dreck auf deutschen Feldern landet

Achtung Landwirte: EU greift durch - Güllefahren ist länger verboten

  • Andreas Höger
    vonAndreas Höger
    schließen

Auf Druck der EU verschärfte der Bund die Düngeverordnung. Landwirte müssen neue Fristen beachten. Aktuell betroffen sind abgeerntete Maisfelder, außerdem wurde die Wintersperre um zwei Wochen verlängert.

Landkreis Brüssel greift durch. Weil in Deutschland, namentlich in Regionen Niedersachsens und Nordrhein-Westfalens, die Nitrat- und Phosphatbelastung von Gewässern und Grundwasserschichten bedenkliche Ausmaße angenommen hatte, forderte die EU von Deutschland, die Zügel bei der Landwirtschaft anzuziehen.

Der Bund reagierte mit einer neuen Düngeverordnung, die seit Juni 2017 in Kraft ist und deutlich strengere Ausbringungsfristen vorschreibt. „Das gilt für ganz Deutschland“, betont Rolf Oehler, Leiter des Landwirtschaftsamts im Grünen Zentrum Holzkirchen. Obwohl den Landkreisen Miesbach und Bad Tölz-Wolfratshausen in Sachen Nitrat- und Phosphatbelastung ein „guter ökologischer Zustand“ bescheinigt werde, greifen die verschärften Regeln auch hier. „Der Süden muss ausbaden, was im Norden schief gelaufen ist“, sagt Oehler.

Aktuell relevant ist die Verschärfung für Ackerbau. „Derzeit läuft ja die Maisernte“, sagt Oehler. Anders als bisher darf nach der Ernte grundsätzlich keine Düngung mehr mit Gülle oder Biogas-Gärrest erfolgen – das gilt bis 31. Januar. Ausnahmen gibt es nur, wenn bis 15. September bereits eine Zwischenfrucht gesät wurde; auch auf diesen Feldern darf aber ab 1. Oktober nicht mehr gedüngt werden.

Beim Mais betrifft das im Kreis Miesbach 703 Hektar, in Bad Tölz-Wolfratshausen sind es 1046 Hektar. Insgesamt sind Ackerflächen in beiden Landkreisen schwerpunktmäßig im Norden zu finden und umfassen 4780 Hektar – eine Fläche fünfmal größer als der Tegernsee.

Auch Grünland-Betriebe müssen sich auf neue Fristen einstellen. Ganz neu ist eine Sperrfrist für Mist und Kompost zwischen 15. Dezember bis 15. Januar. Bei der Gülleausbringung (für Grünland und mehrjährigen Feldfutterbau) verlängerte der Gesetzgeber die winterliche Sperrfrist um zwei Wochen. Grundsätzlich betrifft das die Zeit zwischen 15. November und 14. Februar. „In Absprache mit den beiden Kreisobmännern wurde das in unseren beiden Landkreisen aber nach hinten verschoben“, sagt Oehler. Will heißen: In Miesbach und Bad Tölz-Wolfratshausen beginnt die Sperrzeit erst am 29. November, dauert dann aber bis 28. Februar. „Einerseits sind die Gruben dann vor der Winterpause sicher leerer“, sagt Oehler, „andererseits sind die Winter zuletzt so mild gewesen, dass man vielleicht schon vor dem 1. März gut düngen könnte.“ Wie Oehler betont, gilt diese Verschiebung nicht für Flächen in den Nachbarlandkreisen Rosenheim, Ebersberg und München: „Dort dürfen die Bauern bereits am 15. Februar wieder Gülle fahren.“

Die neue Verordnung verbietet, schneebedeckte Böden zu düngen. „Wenn’s weiß ist, darf nicht gefahren werden“, stellt Oehler klar. Früher war das bis zu einer Schneedecke von fünf Zentimetern erlaubt, „der Gesetzgeber wollte hier aber eine klare Regelung“, sagt Oehler. Verboten bleibt, wassergesättigte oder gefrorene Böden zu bedüngen.

Auf die neuen Regeln ausdrücklich hinzuweisen, war Oehler ein Anliegen. „Das wird nicht jedem Landwirt gefallen, aber das müssen wir durchstehen.“ Mit Kontrollen sei zu rechnen. Wer gegen Fristen verstößt, dem drohen (zuletzt ebenfalls erhöhte) Bußgelder. „Außerdem würden dann Direktzahlungen gekürzt, das dürfte viele noch empfindlicher treffen als Bußgelder“, glaubt der Leiter des Landwirtschaftsamts.

Oehler hofft, dass die Landwirte mitziehen. „Die Öffentlichkeit reagiert gerade in Sachen Gülle sehr sensibel, Landwirtschaft wird stärker beobachtet als früher.“ Es gelte, der Gesellschaft die Botschaft zu senden, dass sich die Bauern der Region an Regeln halten. „Hier geht’s um unsere Umwelt – und auch um das Image der Landwirtschaft.“

Auch interessant

Kommentare