Per Hand: Katharina Rest darf auf ihrer Weide in Föching kein Pflanzengift einsetzen. Teils reist sie das Kreuzkraut per Hand aus. Heuer hat sie es erstmals mit Mulchen versucht.
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Per Hand gegen den Eindringling: Katharina Rest darf auf ihrer Weide in Föching kein Pflanzengift einsetzen. Teils reist sie das Kreuzkraut per Hand aus. Heuer hat sie es erstmals mit Mulchen versucht.

Gefahr für Rinder und Pferde

Giftiges Kraut breitet sich immer stärker in bayerischem Landkreis aus - betroffene Landwirtin warnt

  • Christian Masengarb
    VonChristian Masengarb
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Seit vier Jahren drängt das Kreuzkraut vom Grünstreifen an der A8 auf die Weide von Katharina Rest in Föching. Das giftige Kraut breitet sich im Landkreis Miesbach immer stärker aus.

Landkreis – Seit vier Jahren drängt das Jakobskreuzkraut immer stärker vom Grünstreifen an der A 8 auf die Weide von Katharina Rest in Föching. In unserem Gespräch erklärt sie, wie sie gegen das giftige Kraut vorgeht und was sie sich von Kommunen, Straßenbauamt und Autobahnmeisterei erhofft.

Kreuzkraut im Landkreis Miesbach: Landwirtin berichtet - „Rund ein Drittel der fünf Hektar betroffen“

Frau Rest, Sie haben Probleme mit Kreuzkraut. Wie kommt es?

Unser Hof liegt in Föching direkt an der A 8 Richtung München. Das Jakobskreuzkraut ist direkt neben der Autobahn auf dem Grünstreifen aufgetaucht. Jedes Jahr ist es ein paar Meter weiter vorgerückt. Erst über die Straße an die Böschung, dann seit vier Jahren immer stärker auf unsere Weide. Derzeit ist rund ein Drittel der fünf Hektar betroffen.

Laut AELF wächst Kreuzkraut gern in Verletzungen der Grasnarbe.

Das kann bei uns nicht die Ursache sein. Wir nutzen die Wiese seit sechs Jahren als Weide. Da wurde weder etwas gelagert noch umgebrochen.

Kommen Sie dem Kraut bei?

Wir haben es einigermaßen im Griff. Aber wir sind im Kulturlandschaftsprogramm vom AELF, also dürfen wir keine Unkrautbekämpfungsmittel hernehmen. Wir müssen das Kraut immer mit der Hand beseitigen. Das ist ein immenser Arbeitsaufwand.

Giftiges Kreuzkraut im Landkreis Miesbach: „Ein immenser Arbeitsaufwand“

Also müssen Sie früh mähen und jede Pflanze einzeln ausreisen.

Das haben wir am Anfang so gemacht, ja. Wir probieren aber auch aus, wie wir das Kaut mit möglichst wenig Arbeitsaufwand wegbringen. Heuer haben wir es mit Mulchen versucht, bevor das Kraut blüht. Aber wir wissen noch nicht, ob es etwas bringt. Dazu müssen wir es zwei, drei Jahre machen. Aber alles hilft nichts, wenn das Kreuzkraut acht Meter weiter an der Autobahn blüht. Dann ist es ein Fass ohne Boden. Die Flecken auf unserer Weide werden jedes Jahr größer und unsere Arbeit ist umsonst.

Haben Sie deswegen mit der Autobahnmeisterei gesprochen?

Ja, aber ich weiß nicht, ob ihnen das Problem bewusst ist. Die haben auch viel Arbeit, da brauchen wir nicht reden. Aber das gehört ihnen vielleicht auch mal gesagt. Landwirte, Kommunen, Autobahn, Straßenbauamt – wir müssen alle zammhelfen und zammarbeiten. Die Landwirte können es nicht alleine schaffen. Ausrotten werden wir das Kreuzkraut nicht. Aber wir können es in erträglichem Maße in Schach halten.

Was verhindert derzeit eine Zusammenarbeit?

Ich glaube, es ist auch eine Kostenfrage. Kreuzkraut darf ich weder im Biomüll noch auf dem Kompost entsorgen. Wir müssen es verbrennen lassen. Dafür haben wir schon bei unserer kleinen Weide 60 Euro gezahlt. Ich kann mir vorstellen, was es kostet, die Strecke von Irschenberg bis Kreuz München Süd zu säubern. Das bremst die Bekämpfung. Besser wäre es, das Kreuzkraut kostengünstig oder kostenlos entsorgen zu können. Davon profitieren alle.

Meinen Sie, der Landkreis bekommt das Kreuzkraut in den nächsten Jahren in den Griff?

Bestimmt. Wir müssen halt alle dahinter sein. Vielleicht müssten die Kommunen, Bahn und Autobahn auch öfter mähen. Derzeit passiert das nur zwei, drei Mal im Jahr. Dadurch kann das Kraut aufkommen. Vielleicht könnte man ein paar Jahre mähen, bevor das Kraut blüht. Dann könnten wir dahin kommen, dass wir nur noch Einzelpflanzen bekämpfen müssen.

Haben Sie einen für Landwirte, die zum ersten Mal Probleme mit Kreuzkraut haben?

Wichtig ist, das Kraut zu schneiden, bevor es blüht. Sonst macht es eine Notreife und samt schnell ab. Dann habe ich wieder die Samen in der Weide. Außerdem muss ich das Kraut vollständig entfernen. Sonst essen es die Tiere. Für Pferde ist das besonders gefährlich. Wer eine Pferdeweide hat, darf auf keinen Fall Kreuzkraut haben. Vielleicht muss man dann es manchmal auch mit Chemie bekämpfen. Sonst sterben die Tiere qualvoll. Das will auch keiner. Das muss ich zwei, drei Jahre machen, dann kommt es nicht mehr auf.

AELF warnt: Kreuzkraut im Landkreis Miesbach auf Vormarsch - Gefahr für Rinder und Pferde

Das giftige Kreuzkraut breitet sich im Landkreis laut AELF Holzkirchen immer stärker aus. Das Kraut mit den 15 bis 20 goldgelben Blüten pro Pflanzen kann Rindern und Pferden gefährlich werden, warnt Elisabeth Kitzeder vom AELF: Gerät Kreuzkraut in Heu oder Silage, verliere es die Bitterstoffe, die die Tiere sonst vor ihm warnen. Fressen sie das Kraut dann, schädigen die enthaltenen Giftstoffe ihre Lebern irreversibel.

Besonders das Wasserkreuzkraut, das feuchte Gebiete bevorzugt, wächst laut Kitzeder seit einigen Jahren häufiger auf Wiesen im Landkreis. „Die Alpenregion ist stärker betroffen als zum Beispiel Nordbayern, weil es hier niederschlagsreicher ist.“ Die Belastung breite sich in ihrem Amtsbereich von Süden nach Norden hin aus. Das AELF bekomme viele Anfragen zum Kreuzkraut.

Giftiges Kreuzkraut in Bayern: Pflanze profitiert von extremen Wetterlagen

Warum sich das Kreuzkraut nun stärker im Landkreis ausbreitet, ist wissenschaftlich nicht abschließend geklärt. Das Kraut gedeihe überall, wo die Grasnarbe brüchig ist, sagt Kitzeder. „Es ist eine sehr durchsetzungsfähige Pflanze und kommt mit extremen Situationen besser zurecht als viele unserer Grünlandarten. Es braucht zum Grünen nur offenen Boden und Licht.“ Daher profitiere das Kraut von den häufiger gewordenen extremen Wetterlagen und daraus entstehenden Lücken im Grünland.

Auch andere Ursachen unterstützen die Ausbreitung des Kreuzkrauts. Eine könnten Wechsel auf extensivere oder intensivere Landwirtschaft sein, sagt Kitzeder. Wird die Nutzung eines Grünlandbestandes von drei auf zwei Schnitte im Jahr reduziert oder auf vier Schnitte erhöht, brauche der Pflanzenbestand Zeit, sich anzupassen. Das robuste Kreuzkraut könne dabei entstehende Lücken in der Grasnarbe füllen.

Landwirte sollen Lücken in ihren Wiesen und Weiden daher schnell schließen, rät Kitzeder, etwa mit Gras- und Kleesamen. „Je dichter das Gras ist, umso weniger Platz ist für das Kreuzkraut.“

Ist das Kreuzkraut einmal da, könnten Landwirte Einzelpflanzen bei feuchter Witterung gut ausstechen – unbedingt mit Wurzel. Die entstehende Lücke sofort nachsähen. Bereits blühende Pflanzen müssen gemäht, ausgestochen und sofort von der Fläche entfernt werden, um ein Absamen zu verhindern. Kitzeder: „Eine Regulierung von Kreuzkräutern ist nur möglich, wenn alle Landwirte, Kommunen und die Straßenbauverwaltung an einem Strang ziehen. Flugfähige Samen kennen keine Grenzen.“

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