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Ihren Leiterwagen parkte die Kathl, alias Agnes Kraus, erstmals auf der Bühne des Fools-Theaters. Normalerweise tritt sie auf der Straße auf. 

Agnes Kraus im Fools-Theater

Kathl ratscht bühnenreif

Erstmals schlüpfte Schauspielerin Agnes Kraus auf der Bühne in die Rolle der Kathl – und warf einen Blick in die Vergangenheit Holzkirchens. Das Publikum war begeistert. 

Holzkirchen – Das waren noch Zeiten, als in der Alten Post der Wirt mit seinen Gästen auf umgedrehten Tischen über die Treppen Bob fuhr. Oder als im Oberbräu-Saal Konzerte und Faschingsbälle stiegen oder Boxkämpfe stattfanden und Eisstöcke über das Parkett flitzten. Diese und noch viel mehr „Holzkirchner Gschichtn“ erzählt die Kathl am laufenden Band, normalerweise auf ihren kulinarisch-historisch-humorigen Streifzügen entlang der Münchner Straße oder dem Bahnhofsweg (wir berichteten).

Jetzt parkte die Schauspielerin Agnes Kraus erstmals das Leiterwagerl mit den Graffel-Schätzen auf der Bühne des Fools-Theaters in Holzkirchen, um in ihrer Kult-Rolle heitere Lichter auf dem Jubiläum der Marktgemeinde anzustecken. Bekanntlich feiert Holzkirchen heuer im Juli sein 1111-jähriges Bestehen.

Zu den skurrilen Schwänken, Anekdoten über einheimische Originale und historischen Informationen präsentierte die Frau mit Mieder, langem Rock, Schürze und Kopftuch Projektionen von alten Bilder und Unterlagen zum Staunen. Für einen liebenswürdigen musikalischen Rahmen sorgte Staatsorchester-Tubist Reinhard Schmid mit seinem munteren Quintett GmbH – Gebläse mit Blech und Holz.

Kraus zählte die zahllosen Gaststätten auf, die einst den Bahnhofsplatz und die Münchner Straße säumten: Etwa den Fasold und den Letzten Pfennig, den Grünen Baum, den Holzkirchner Hof, einen Weißbräu, den Thalbüchl und ein paar mehr. „Zu diesem Wirtschafts-Leben hat dazu gehört, dass mein Mann seine Arbeit oft verloren hat,“ fabulierte die Kathl, „denn man hat ja nicht weit gehen brauchen zum nächsten.“ Natürlich hatte sie einige spaßige Stammtisch-Gschichterl auf Lager.

Doch sie wusste auch allerlei aus der Vergangenheit zu berichten. Sie erzählte von den Anfängen der Eisenbahn, von der Kurpfuscherin und „Doktorbäuerin“ Amalie Hohenester aus Marschall sowie von der 1870 gegründeten Feuerwehr. Wenige kennen die hochtrabenden und endlos vielen Pläne, nach denen die Kirche St. Laurentius nicht umgebaut wurde, obwohl sie oft genug ihre Gestalt änderte. Auch keine der fünf vorgeschlagenen Kirchturmspitzen wurde umgesetzt. Neben dem unvergesslichen Dekan Imminger stellte sie weitere besondere Holzkirchner Persönlichkeiten vor. Der Glas Hans mit seiner Geige wäre fast erfroren, als er im zugesperrten Faschingswagen vor der Gaststätte vergessen wurde. Der Rabl Schorsch, gelernter Schneider und Postbote, grub von Hand seine eigene Marienkirche drei Stockwerke tief in den Untergrund. Und im alten Holzkirchner Krankenhaus, das die zugereisten Eisenbahner nicht aufnahm, wirkte der Magnetiseur und Hypnotiseur Wilhelm Liebhaber, der dreimal verheiratet war.

Agnes Kraus’ heiter-ironische, aber nie verletzende oder bösartige Erzählungen quittierte das Publikum mit reichlich Gelächter und viel begeistertem Applaus. Kein Wunder, dass die Streifzüge mit der Kathl immer schnell ausgebucht sind.

Auf Tour mit der Kathl

Für die Touren mit der Kathl gibt es im Sommerhalbjahr monatliche Termine. Zum zweistündigen Programm gehören verschiedene kulinarische Stationen. Einzelheiten und Tickets unter www.kultur-im-oberbraeu.de/kathl, per Telefon z 0 80 24 / 47 85 05 oder an der Theaterkasse.

Von Gudula Beyse

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