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Akte „Giftköder“: So steht es um die Ermittlungen gegen den Hundehasser von Otterfing

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Von: Florian Prommer

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Spürnasen: Der Mantrailer-Hund nahm Ende Januar die Fährte des Täters auf und grenzte ein Wohngebiet ein, auf das Polizist André Reinwarth seine Ermittlungen konzentrieren konnte. © Thomas Plettenberg/Archiv

Vor einem Jahr verteilte ein Tierquäler dutzende Giftköder in Otterfing. Die Polizei ermittelte einen Verdächtigen. Angeklagt wurde er nicht. Die Ermittlungen sind vorerst eingestellt.

Otterfing – Die Fressfallen waren hinterlistig ausgelegt. Aufgeschnittene Wiener, leicht ausgehöhlt, waren mit „Giftweizen“ befüllt, der mit Bromadiolon versetzt war. Ein Rattengift, das Nagetiere tötet und bei Hunden nach einiger Zeit zumindest schwere innere Blutungen auslöst. Und genau darauf hatte es der Täter vermutlich abgesehen, als er im vorigen Januar 36 dieser Giftköder entlang der Berghamer Straße, einer beliebten Gassi-Route in Otterfing, verteilte.

+++ Ein weiterer aktueller Fall von Dezember 2019: In Dießen am Ammersee gab es einen Giftköder-Anschlag. Eine junge Hundehalterin hat rechtzeitig reagiert und ihren Hund damit vor einer Vergiftung gerettet. Die Polizei ermittelt.

Mindestens drei Hunde erlitten eine Vergiftung, ein vermeintlicher Todesfall wurde letztlich vonseiten der Ermittler dementiert. Dass nicht mehr Vierbeiner erkrankten, ist den Mitarbeiter des Otterfinger Bauhofs zu verdanken. Sie sammelten die gefährlichen Wiener ein, nachdem sie eine 44-jährige Otterfingerin alarmiert hatte, deren Mischlingshündin eine Gift-Wurst gefressen hatte.

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Tödliche Versuchung: Die Wiener Würstl waren mit Rattengift gespickt, der Bauhof sammelte sie ein.

Die Giftköder landeten auf dem Schreibtisch von André Reinwarth, Ermittlungsbeamter der Polizeiinspektion Holzkirchen. „Mich erschreckt nach wie vor die kriminelle Energie des Täters“, sagt er heute. Wochenlang durchforstete er Akten, sichtete alte Anwohner-Beschwerden über Hunde, sammelte Zeugenaussagen. Seine Ergebnisse legte er Ende März der Staatsanwaltschaft vor. Reinwarth ermittelte sogar einen Verdächtigen. Zur Anklage kam es aber nicht.

„Wir konnten ihm die Tat nicht konkret nachweisen“, sagt Reinwarth. „Die Indizien haben nicht gereicht, um ihn in den Status eines Beschuldigten zu heben.“ Der zuständigen Staatsanwältin waren die Beweise letztlich zu dürftig. Sie stellte das Verfahren gegen den Verdächtigten am 11. April ein.

Auch Reinwarth war die Beweislage zu dünn: „Ich hätte Bauschmerzen gehabt, wenn wir ihn deswegen vor Gericht ziehen.“ Er selbst kann sich wenig vorwerfen. Bei der Jagd nach dem Hundehasser forderte er sogar vierbeinige Sonderermittler an. Zwei Mantrailer-Hunde schnüffelten sich Ende Januar 2018 quer durch Otterfing. Die Hundeführer von der Rettungshundestaffel Alpenvorland hatten Geruchspartikel von den Ködern abnehmen können. Den Duft witterten die beiden Labradore, lotsten die Polizei in ein Wohngebiet in Bahnhofsnähe und konnten einen Bereich eingrenzen, in dem der Täter vermutlich wohnt. Allerdings: Die Spürhund-Suche hatte wenig Beweiskraft. Reinwarth: „Die Ergebnisse reichen vor Gericht nicht.“

Während sich die Schlinge immer enger zog, grassierte bei den Hundehaltern die Angst vor weiteren tödlichen Fallen, Tag für Tag ging sie mit Gassi. Die Konsequenz: kurze Leine, Maulkorb und ein Extra an Aufmerksamkeit. Halter reagierten sensibel auf Magenverstimmungen ihres Vierbeiners. Tierärztin Sabine Polomski behandelte einige Patienten mit Vitamin K. Das Präparat verhindert, dass ein Hund durch gefressenes Rattengift innerlich verblutet. Die Behandlungen waren reine Vorsichtsmaßnahmen. In keinem Fall, erklärte die Ärztin damals im Interview, habe sich der Verdacht bestätigt.

Mittlerweile hat sich die Panik verflüchtigt. „In den Wochen danach war es noch in den Köpfen der Halter, da wurde viel diskutiert, aber jetzt ist es kein Thema mehr“, sagt Tierärztin Jutta Kopp, die auch in der Otterfinger Praxis arbeitet. Weitere Patienten habe man keine behandelt.

Eine weitere gute Nachricht: Nach dem Fund im Januar tauchten keine „scharfen“ Köder mehr auf, berichtet Reinwarth. Bei der Polizei gingen zwar noch öfter Meldungen über vermeintliche Gift-Wiener ein, in allen Fällen galt aber: Fehlalarm. Es handelte sich um handelsübliche Wurstwaren.

Die dicke Ermittlungsakte „Giftköder“ ist inzwischen digital archiviert. Endgültig geschlossen ist sie nicht. Die Ermittlungen liegen auf Eis. Dass es noch Spuren gibt, denen er nachgehen kann, bezweifelt Reinwarth nicht: „Ich bin sicher, dass die Bevölkerung mehr weiß, als sie uns mitgeteilt hat.“ Ein Ansporn für neue Hinweise: die ausgelobte Belohnung. Reinwarth hofft weiter auf Tipps: „Dann kann das Strafverfahren wieder aufleben.“

Den Verdacht, dass jemand in Bernau am Chiemsee Giftköder auslegt, gab es schon länger. Nach der Obduktion des Hundes Armani herrscht Gewissheit. 

Belohnung

Wer Hinweise liefert, die zur Ergreifung des Täters führen, darf sich auf eine Belohnung freuen. Von der Gemeinde, der Tierschutzvereinigung PETA und der Xaver-Tierhilfe-Stiftung sind nach wie vor 1500 Euro ausgelobt. Kontakt: 0 80 24 / 9 07 40.

Jule, die Hündin der Dierkes aus Sindelsdorf, starb wegen eines Vorfalls auf einem Spaziergang einen qualvollen Tod. Nun möchte die Familie andere Hundebesitzer warnen.

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