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Die Münchner Straße will die Gemeinde bald anpacken. 

Mobilitätskonzept 

Geteiltes Echo auf Ergebnisse  

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Als „Allianz für Holzkirchen“ haben sich Bürgerinitiativen positioniert. Sie begrüßen das Mobilitätskonzept. Doch die Südspangenbefürworter sehen das etwas anders. 

Holzkirchen

– Als Ende Januar Ralf Kaulen und Manuela Skorka dem Gemeinderat das Orts- und Mobilitätskonzept übergaben (wir berichteten), war das ein wichtiger Moment für Holzkirchen. Zwei Jahre Arbeit steckte dahinter. Das Gremium stimmte dem Papier zu, es dient als Leitfaden für Entwicklungen. Diese Woche stellte Bürgermeister Olaf von Löwis (CSU) bei einem Infoabend Schwerpunktthemen vor, auf die sich die Gemeinde vorrangig konzentriert. Dazu gehören: Wohnraum, Bauhof, Ortszentrum, Großhartpenning, Münchner Straße und öffentlicher Verkehr.

Dass das Konzept gut ankommt, zeigt nun eine Pressemitteilung, in der sich verschiedene Vereine und Bürgerinitiativen unter dem Motto „Allianz für Holzkirchen“ gemeinsam positionieren und die Ergebnisse des Konzepts begrüßen. Sie werden „geschlossen für den Erhalt der natürlichen Lebensräume in der Marktgemeinde, die Sicherung der Landwirtschaft und gegen weiteren Straßenbau“ aktiv, heißt es. Beteiligt haben sich neben den Vereinen Hartpenning-muckt-auf und Bürgervereinigung gegen die geplante Umgehungsstraße in Holzkirchen, die Bürgerinitativen Liebens- und lebenswertes Holzkirchen und Stop Südumgehung, die Interessengemeinschaft IG Lochham, der Bund Naturschutz (BN) und die Zivilcourage Miesbach. Der Knackpunkt ist, dass laut Kaulen das Mobilitätskonzept mit oder ohne Südspange funktioniert. „Die Lösung für Holzkirchen hängt also nicht am roten Faden der Südspange“, betont Karsten Hense, Dritter Vorstand des Hartpenninger Vereins. Viele Kleinlösungen tragen zu einer Verbesserung bei. „Aus der Präsentation der Konzepte ergibt sich, dass eine Vielzahl von Maßnahmen ohne den Bau neuer Straßen effektiv realisiert werden kann“, heißt es.

Fred Langer, Vorsitzender der BN-Ortsgruppe Holzkirchen, sagt: „Ein Verzicht auf neue Straßen ist ganz im Sinne des Bundes Naturschutz, der sich bundesweit gegen Umgehungsstraßen und Flächenversiegelung und für eine Verkehrsverlagerung auf den Öffentlichen Verkehr ausspricht.“ Und: „Wir freuen uns, dass die Gemeinde Schritte unternehmen will, den hausgemachten Kfz-Verkehr zu reduzieren.“ Laut Kaulen sind 80 Prozent des Verkehrs hausgemacht, auf der Münchner Straße am Marktplatz mache der Durchgangsverkehr nur knapp ein Fünftel aus. Die Mitglieder von Stop-Südumgehung heben hervor, dass die Fakten der Gutachter nun Konsens seien. Peter Limmer, Kopf der Bürgervereinigung gegen die geplante Umgehungsstraße, fühlt sich bestätigt, dass der Widerstand gegen Straßenbau und der Hinweis auf den größtenteils selbst erzeugten Verkehr Früchte tragen. Hense meint: „Gerade das Beispiel Großhartpenning zeigt, dass eine Priorisierung von dringend erforderlichen Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung unabhängig vom Bau einer Umgehungsstraße kurzfristig umgesetzt werden kann.“ Laut Georg Hahn von der Zivilcourage liegen die Herausforderungen der Zukunft in Ernährungsthemen und dem Erhalt der bäuerlichen Landwirtschaft.

Doch Simon Drexl von der Schutzgemeinschaft gegen Verkehrsbelästigung in Holzkirchen, die eine Südumspange fordert, sieht die Ergebnisse anders. Denn im Konzept heißt es auch: „Sollte eine Umsetzung der Südumfahrung nicht gewollt oder möglich sein, ist ein Durchstich im Bereich Miesbacher Straße/Gewerbegebiet (Ost) zu prüfen, um die Ringstruktur zu schließen.“ Gemeint ist der Ring der Nordumfahrung. Die Bewohner an Tölzer und Tegernseer Straße kämen sich ein wenig verlassen vor, sie fürchten, dadurch und die geplante Entlastung der Münchner Straße noch mehr belastet zu werden. Drexl spricht von einer „Zwei-Klassengesellschaft“. Und: „Der Gemeinderat hat nun die Verantwortung zu entscheiden, ob eine innerörtliche Umfahrung oder eine Südumfahrung realisiert wird.“ Zudem liege ihm am Herzen, zu erwähnen, dass es zwei Messstellen gab. Auf Höhe des Ortseingangs der Tölzer Straße wurde gut 55 Prozent an Durchgangsverkehr gemessen. Das stehe im Konzept drin – wenn man es sorgfältig durchlese.

Die Allianz für Holzkirchen kündigt derweil an, weiterhin am Gestaltungsprozess mitzuarbeiten und ermutigt Bürger dazu. „Jeder kann selbst etwas dazu beitragen, dass unser Ort sowohl liebens- als auch lebenswert bleibt“, meint Iris Fischer von der gleichnamigen Initiative. Nun beobachte man mit Argusaugen, wie es mit der Umsetzung weiter gehe, sagt Hense.

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