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Alte Integrale im Ruhrgebiet: Beschwerden wie beim neuen Lint

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Von: Jonas Napiletzki

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Mit neuer Beklebung fahren die alten Züge der Oberlandbahn jetzt durchs Ruhrgebiet.
Mit neuer Beklebung fahren die alten Züge der Oberlandbahn jetzt durchs Ruhrgebiet. © Regiobahn GmbH

Die alten Integral-Züge der BOB fahren jetzt im Ruhrgebiet. Der Betreiber ist zufrieden, doch von Anwohnern und Fahrgästen gibt es Beschwerden. Es ist fast wie beim neuen Lint im Oberland.

Landkreis – Die Lint-Züge der Bayerischen Regiobahn (BRB) hatten einen schweren Einstand im Oberland. Statt Lob über die Neuanschaffung hagelte es Kritik wegen der Quietsch- und Pfeifgeräusche. Manch einer wünschte sich gar die alten Talent- und Integral-Züge zurück. Während Erstere nach Rumänien verkauft wurden, verkehren Letztere längst im S-Bahn-Netz Rhein-Ruhr. Sind die Düsseldorfer mit den alten Zügen nun aber glücklicher als die Miesbacher mit ihren neuen? Eher nicht.

„Fahrzeuge fanden leider nicht den gewünschten Anklang“

Denn: Viele Freunde haben die alten Züge in ihrer neuen Heimat noch nicht gefunden, lässt eine Pressesprecherin der dortigen Regiobahn GmbH durchblicken. Auf Nachfrage unserer Zeitung schreibt Sabine Hovermann: „Leider fanden die Fahrzeuge aus verschiedenen Gründen nicht den gewünschten Anklang bei unseren Kunden.“

Die Kunden, das sind nun Fahrgäste der Linie S 28, auf der die Integrale den durch Kiestagebau entstandenen Kaarster See mit dem Wuppertaler Hauptbahnhof verbinden. Unterwegs halten sie unter anderem in Düsseldorf und am Stadtwald Mettmann. Dort liegt auch die Werkstatt für die alten Züge. Sie biete „gute Voraussetzungen, die Fahrzeuge kurzfristig zu tauschen“, schreibt Hovermann. Voraussetzung für die dortige Arbeit bleibt auch die Expertise aus dem Oberland: „Nur durch die Unterstützung der Kollegen der BOB konnte unser komplett neues Team der Instandhaltung auf den Fahrzeugen in kurzer Zeit geschult werden und die Instandhaltung in Mettmann gewährleistet werden.“ Die Zusammenarbeit sei „von der ersten Minute an vorbildlich“ gewesen. „Auch heute unterstützen uns die Kollegen durch ihr Fachwissen – grundsätzlich aus der Ferne, bei schwerwiegenden Problemen aber auch noch vor Ort.“

„Züge trotz des Alters in gutem Zustand“

Technisch ist man in NRW also durchaus zufrieden mit den Integralen. „Die Züge sind trotz des Alters in einem guten Zustand.“ Der Regiobahn böten sie durch ihre Länge von 52 Metern eine höhere Kapazität. Die Herausforderungen der abschnittsweisen Steil-Strecken würden die Züge „gut bewältigen“. Und auch der seit der Betriebsaufnahme im Jahr 1999 fortlaufende Kundenwunsch nach Toiletten könne nun bedient werden.

Schlechter Ruf eilt Fahrzeugen voraus

Warum also der Missmut bei den NRW-Fahrgästen? Hovermann nennt in diesem Zusammenhang „den schlechten Ruf der Fahrzeuge, der sich auf Social Media schnell verbreitete“. Auch sei die Stammkundschaft mit den früheren Fahrzeugen „groß geworden“ und habe diese „ins Herz geschlossen“. Ungeliebt sind außerdem Probleme, die auch im Oberland Thema sind: die Einstiegshöhe und die Lautstärke der Züge. So würden die Integrale – auch wegen längerer Standzeiten am Bahnsteig – „von den Anwohnern als sehr störend empfunden“. Die Zug-Einstiegshöhe von 76 Zentimetern würde zwar bereits den künftigen Ansprüchen der Bahnsteighöhen entsprechen. Nur: Die Bahnsteige selbst tun das nicht. Die seien nämlich „zum großen Teil“ 96 Zentimeter hoch.

Integrale legen 1,6 Millionen Kilometer im Jahr zurück

Nichtsdestotrotz legen die ehemaligen BOB-Züge in Nordrhein-Westfalen laut Hovermann nun 1,6 Millionen Zugkilometer im Jahr zurück. An einem Tag umlaufen sie die Strecke um Düsseldorf acht Mal. Die Fahrleistung eines einzelnen Fahrzeugs liege bei 400 bis 650 Kilometern pro Tag.

Ihre Runden drehen die Integrale dabei in fast unverändertem Aussehen. Während am Führerstand nur noch blass die abgekratzten Stadt- und Gemeindewappen aus dem Oberland erkennbar sind, gab es technisch keine Umbauten. „Wir haben lediglich ein Redesign im Innenraum und an der Außenhaut vorgenommen.“ Dazu zählen etwa zusätzliche Plakatrahmen sowie regionale Bezüge durch Bilder im WC und auf dem Spieltisch. „Es wird noch geprüft, ob ein Umbau der Beleuchtung auf LED möglich und wirtschaftlich ist.“

Stellenweise sind die Stadt- und Gemeindewappen aus dem Oberland noch zu erkennen.
Stellenweise sind die Stadt- und Gemeindewappen aus dem Oberland noch zu erkennen. © nap

Nachdem die Integrale Anfang dieses Jahres Zug um Zug nach Mettmann überführt wurden, gab es anfangs „viele Nachfragen von Eisenbahnfreunden“, schreibt Hovermann. Das Interesse an den Zügen, die wegen des Nachbesserungsbedarfs kurz nach der Jahrhundertwende Unikate blieben, sei inzwischen aber „deutlich zurückgegangen“.

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