Sonnenäcker wie diese gibt es in Lochham und Otterfing.

Für 50 Euro im Jahr

Die Alternative zum Garten: Sonnenäcker der Solidargemeinschaft Oberland

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Wer keinen Garten hat, muss nicht auf die Feldarbeit verzichten. Die Solidargemeinschaft Oberland verpachtet Sonnenäcker in Thalham und Otterfing. Das gibt den Pächtern viel.

Landkreis – Wer keinen eigenen Garten hat, muss nicht auf die Arbeit auf dem Feld verzichten. Die Solidargemeinschaft Oberland verpachtet sogenannte Sonnenäcker auf Feldern in Thalham und Otterfing. In unserem Gespräch erzählt Vorsitzende Adriane Schua, was junge und ältere Menschen an den Äckern schätzen und was Interessierte wissen sollten.

Wer sollte einen Sonnenacker pachten?

Das gibt es viele Möglichkeiten. Zum Beispiel haben wir viele Senioren, die keinen eigenen Garten haben. Ein älteres Pärchen treffe ich ab und zu beim Einkaufen. Die sind von Anfang an dabei und freuen sich jedes Jahr darauf, dass es bald wieder los geht. Der Mann ist wohl sehr kreativ, wenn es um das Kochen mit Gemüse geht, und pflanzt entsprechend viel davon an. Gegen Ende des Jahres freut sich die Frau dann auf den Winter, weil es ihr zu viel Grünes auf dem Teller wird. Solchen Menschen gibt unser Projekt viel.

Adriane Schua (48), Vorsitzende der Solidargemeinschaft Oberland

Die Alternative zum Garten: Sonnenäcker der Solidargemeinschaft Oberland

Wie steht es mit den Jüngeren?

Denen auch. Viele Äcker gehören Familien mit Kindern. Das freut uns besonders, denn hier lernt man, dass es die Erdbeeren zwar im Supermarkt das ganze Jahr gibt, sie aber hier nicht das ganze Jahr wachsen. Und dass die Ernte nicht jedes Jahr gleich ausfällt, weil es mal viel und mal weniger Regen gibt. Bei uns merkt man auch, wie sich das Klima verändert. Es ist uns wichtig, diesen Bezug zur Natur zu schaffen. Deswegen vergeben wir unsere Äcker auch kostenlos an Schulen, Kindergruppen und ähnliche Projekte.

Was bauen die an?

Das gleiche wie alle. Viel Kartoffeln, viel Salat, viel Zucchini. Es kommt natürlich darauf an, was man mag. Aber auch darauf, wie viel Zeit man hat. Kartoffeln sind zum Beispiel recht pflegeleicht. Anderes Gemüse ist schwieriger, weil man da mehr auf das Unkraut achten muss.

Wie viel Zeit kostet ein Sonnenacker?

Man muss sich schon kümmern. Gerade am Anfang sollte man ein, zwei Mal die Woche ein bis zwei Stunden einplanen. Falls jemand in den Urlaub fährt, helfen sich unsere Gärtner aber auch gegenseitig und kümmern sich mal um das Feld des anderen, bis der zurück ist.

Also funktioniert die Gemeinschaft?

Ja. Auf den Feldern trifft man sich und unterhält sich. Ein Höhepunkt ist unser jährlicher Info-Abend. Zu dem kommen neue Interessenten und viele alteingesessene Pächter. Sie tauschen Pflanzensamen aus und unterstützen sich gegenseitig mit Tipps und Ideen. Wer überlegt, einen Acker anzulegen, sollte am besten da vorbei kommen.

Interesse am Sonnenacker? Das müssen Sie wissen

Was müssen Neueinsteiger noch wissen?

Die Regeln sind einfach. Die Äcker pachten wir von einem Bauern und verpachten sie weiter. Jeder Kunde bekommt vier Reihen Feld zu je 25 Meter, also insgesamt 100 Meter. Das kostet 50 Euro pro Saison. Auf denen können sie anpflanzen, was sie wollen. Es muss nur einjährig sein oder sie überwintern es zuhause. Denn unsere Äcker werden jedes Jahr gepflügt. Außerdem verzichten wir auf mineralischen Dünger und chemischen Pflanzenschutz.

Haben Sie noch Äcker frei?

Ja. In den letzten Jahren waren immer etwa drei Viertel der Äcker belegt. Dieses Jahr sind wir noch in der Anmeldephase, und es ist erst grob die Hälfte vergeben. Also freuen wir uns immer, wenn jemand mitmachen will. Wir suchen auch neue Felder. Sie müssen nur in der Nähe größerer Gemeinden liegen. Sonst müssen unsere Pächter immer mit dem Auto so weit fahren, das macht keinen Sinn. Landwirte können sich also gerne bei uns melden.

Was machen Sie, wenn dann Äcker frei bleiben?

Das ist kein Problem. Dann pflanzen wir dort eine Blumenwiese an. Wenn alles in voller Blüte steht, sehen die Felder dann sehr schön aus.

Das Gespräch führte Christian Masengarb

Info-Abend

Wer mehr über das Projekt Sonnenacker erfahren will, hat die Gelegenheit dazu am Donnerstag, 14. März, ab 19 Uhr in der vhs Holzkirchen, Heimbucher Straße 1.

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