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Im Aufwind: Dieses Jahr kreuzten mehr Grasfrösche die Straßen. Die meisten anderen Amphibien entwickelten sich schlechter. Warum, ist nicht klar.

Helfer beklagen massiven Rückgang an Tieren

Amphibienschutz: Alarmierende Zustände

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Das Amphibien-Schutzprojekt des Bund Naturschutz Holzkirchen hat dieses Jahr nur knapp 2000 Kröten und Frösche über die Straße gebracht – halb so viele wie vor zwei Jahren. Ganze Laichgebiete lagen trocken. Die Helfer sprechen von alarmierenden Entwicklungen.

Holzkirchen – Nur Bergmolche und Grasfrösche wollen noch gerne über die Straße. 160 der Letzteren waren in die Eimer gefallen, die das 14-köpfige Amphibien-Team des Bund Naturschutz (BN) Holzkirchen entlang der Schutzzäune am südlichen Ortsrand von Sufferloh und am Teufelsgraben in Richtung Dietramszell aufgestellt hatte. Das waren 69 mehr als im Vorjahr, ein Plus von 75 Prozent. Die Freiwilligen trugen sie sicher auf die andere Seite, wo die Amphibien die Wanderung zu ihren Laichgewässern fortsetzten. Bei den Bergmolchen lag das Plus bei 44 Prozent. Die anderen Amphibienarten gingen überraschend wenig in die Eimer, berichtet Helmut Schneider, Koordinator der BN-Gruppe.

Vor allem die Erdkröten wurden seltener. Nur 1659 waren es dieses Jahr, verglichen mit 2034 im Jahr 2018 und 3873 im Jahr 2016. Das entspricht einem Minus von 57 Prozent über vier Jahre. Zwar war der Wert von 2016 ein Ausreißer nach oben – heuer lag die Zahl in etwa im Bereich der Jahre 1998 bis 2014. „Aber einen so massiven Rückgang innerhalb eines so kurzen Zeitraums hat es noch nicht gegeben“, sagt Schneider.

Nicht die einzige Überraschung. Auch die Rückwanderung blieb deutlich unter den Erwartungen der Naturschützer. Gingen ihnen in den vergangenen Jahren einige hundert Amphibien auf dem Weg von ihren Laich- in ihre Sommergewässer in die Eimer, waren es heuer nur 27. Weil sich die Rückwanderung über einen längeren Zeitraum erstreckt, sind die Zahlen immer geringer als auf dem Hinweg. Dennoch sei auch hier der Unterschied verblüffend deutlich, sagt Schneider.

Ebenfalls überraschend sind die Zahlen der Einzelgebiete. Im Bereich Sufferloh trugen die Helfer 1662 Amphibien über die Straße – vier Prozent mehr als im Vorjahr. Der Rückgang fand also fast ausschließlich am Teufelsgraben statt.

Dafür könnten natürliche Schwankungen verantwortlich sein, sagt Schneider. Doch er hat auch einen anderen Verdacht: Wegen des trockenen Sommers war der Hackenbach in der Nähe des Teufelsgrabens im vergangenen Jahr zum ersten Mal seit Beginn des Schutzprojekts vor 21 Jahren ausgetrocknet. Mit ihm lagen auch die zwei großen Laichgewässer, die er speist, trocken. Dadurch könnten weniger Eier überlebt haben, was den Rückgang der Amphibien erklären würde. Die geringe Zahl der Rückwanderungen könne daran liegen, dass die Amphibien 800 Meter weiter südlich laichen mussten – dort, wo der Hackenbach noch Wasser führte. Um den weiten Rückweg zu vermeiden, so vermutet der BN-Gruppenleiter, suchten sie sich nähere Sommerquartiere.

Deshalb wäre es sogar möglich, dass die Amphibien die Straße im Teufelsgraben bald gar nicht mehr überqueren. „Das wäre für manche von uns Helfern sicher ein Verlust“, sagt Schneider. „Aber für die Population wäre es besser, die viel befahrene Straße zu meiden.“

Trotz der Rückgänge gab es dieses Jahr fast einen Rekord. In der Nacht vom 7. auf den 8. April fielen 1204 Amphibien in die Eimer – der zweithöchste Wert aller Zeiten. Das lag an vorangegangenen kalten Nächten und plötzlichen Niederschlägen, die die Amphibien massenweise zur Wanderung animierten, sagt Schneider. „Der Helfer hatte am folgenden Morgen alle Hände voll zu tun.“

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