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Maues Interesse: Lediglich gut 50 Bürger sind zur Sondersitzung gekommen. Alle Holzkirchner sind nun jedoch aufgefordert, Trassen-Vorschläge einzureichen.

In einer Gemeinderats-Sondersitzung vorgestellt

Analyse für Umgehungsstraße: Vom Farben-Wirrwarr zur Südspange

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Ein Fachbüro hat das Gebiet südlich von Holzkirchen kartiert. Diese Raumwiderstandskarte gibt Aufschluss darüber, wo die Südspange nicht verlaufen kann – und wo sie eine Chance hat.

Holzkirchen – Andreas Dorsch tritt ans Rednerpult. Ein Skript hat er nicht dabei. Alles, was er für seinen Vortrag braucht, ist auf dem Laptop abgespeichert, vor dem er jetzt steht. Ein Klick und auf der Leinwand, die von der Decke oberhalb der Bühne im Oberbräusaal baumelt, ploppt eine Karte auf, gleichermaßen farbenfroh wie unübersichtlich. Die Blicke der Anwesenden wandern unweigerlich hoch zu dem orange-roten Wirrwarr. Jeder versucht, den Sinn hinter all den Farben zu verstehen. Auf die Schnelle gelingt das freilich nicht. Aber genau deshalb steht ja auch Andreas Dorsch am Rednerpult, ohne Skript, dafür aber mit Laptop und einer aufschlussreichen Präsentation.

Dorsch arbeitet für das Fachplanungsbüro Dorsch International Consultants. Sein Fachgebiet: Umwelt-Analysen. Im Auftrag des Staatlichen Bauamts Rosenheim hat er eine sogenannte Raumwiderstandsanalyse (RWA) durchgeführt, für den Gemeindebereich südlich von Holzkirchen. Dort, wo der Bundesverkehrswegeplan neben den Umfahrungen Kurzenberg und Großhartpenning auch die Holzkirchner Südspange als „vordringliches“ Projekt vorsieht.

Lesen Sie auch: Diese Trasse würde sich der Bürgermeister selbst am liebsten wünschen

Das Resultat eben jener RWA präsentierte Dorsch nun in einer Sondersitzung dem Marktgemeinderat und den gut 50 Holzkirchnern, die in den Festsaal gekommen waren. Er brachte schnell Klarheit in das farbliche Durcheinander. Wobei der interessanteste Teil der Karte nicht farbig, sondern weiß hinterlegt ist, schraffiert in schnödem Grau. Nämlich der Bereich, auf dem eine Südspangen-Trasse und auch die anderen Ortsumgehungen verlaufen könnten, und zwar auf einem möglichst „konfliktarmen Korridor“. Sprich: In diesem Korridor besteht die Chance, dass eine Umgehung genehmigungsfähig wäre.

Für die Südspange ergeben sich damit auf den ersten Blick folgende Varianten: Sie führt nördlich von Großhartpenning von der B 13 weg und trifft entweder noch nördlich von Lochham wieder auf die B 318. Oder sie durchsticht das Gebiet zwischen Sufferloh und Thann und führt erst südlich von Lochham wieder auf die B 318.

In jedem Fall muss die Umgehung etliche Hindernisse umschiffen, die Dorsch allesamt in Karten festgehalten hat. Nach drei Kategorien hat er das Gebiet überprüft und kleinteilig kartiert: Mensch, Natur sowie Boden und Wasser. Dafür hat der Fachplaner monatelang amtliche Untersuchungen durchforstet, Pläne des Landesamts für Denkmalschutz gewälzt und Datenbanken ausgewertet.

Am Ende jeder Untersuchung stand eine Karte, in der jeder „Widerstand“ je nach Schutzstatus farblich markiert wurde. Parkplätze etwa sind weiß hinterlegt, sprich: nachrangig schützenswert. Scharlachrot eingefärbt wurden hingegen Siedlungen (Dorsch: „Wir werden eine Straße nicht durchs Dorf bauen“), Wälder und Biotope. Aber auch Tiere erschweren die Planung. Etwa die Zwergfledermaus oder der Raufußkauz, die bei einer Artenschutzkartierung entdeckt wurden. Aus diesen vielen kleinen Elementen ergab sich letztlich das große Bild, die RWA.

„Diese Untersuchung ist für uns ein erster Baustein, um den Weg weiter zu gehen“, erläutert Stefan Högenauer, Bereichsleiter Straßenbau beim Bauamt Rosenheim. Das Ziel ist klar, am Ende steht die Südspange. Doch auf dem Weg dahin will das Straßenbauamt auch die Bürger mitnehmen. Sie sollen sich aktiv an der weiteren Planung beteiligen. Auf Grundlage der RWA können sie nun Vorschläge für den konkreten Verlauf der Umgehung einreichen. Was es dafür braucht? „Kein Fachwissen, sondern Ortskenntnisse und gesunden Menschenverstand“, erläutert Bernhard Bauer, Planer im Straßenbauamt. Bis Ende Juli ist Zeit, Ideen einzureichen.

„Wir werden jeden sinnvollen Vorschlag prüfen“, versprach Bauer. Überprüft werden diese Vorschläge nicht nur anhand der RWA. „Sie ist nur ein Aspekt, wenn auch ein wichtiger“, sagt Högenauer. Demnach fließen auch Kostenschätzungen – im Verkehrswegeplan sind 11 Millionen Euro für die Südspange vorgesehen – und die verkehrliche Nutzbarkeit in die Bewertung ein. Die Ergebnisse dieser Machbarkeitsstudie will das Bauamt im ersten Halbjahr 2019 erneut im Gemeinderat präsentieren.

Das Gremium nahm die aktuelle RWA nicht restlos überzeugt zur Kenntnis. Josef Sappl sen. (CSU) etwa erkundigte sich, ob ein zweites Privatgutachten sinnvoll wäre. Nicht wirklich, erläuterte ihm Bauer, neben einer hohen Rechnung könne er mit den gleichen Ergebnissen rechnen. Zustimmendes Nicken von Bürgermeister Olaf von Löwis (CSU). Er sagt: „Da ist keine Interpretation enthalten, das ist die Beschreibung des Ist-Zustands.“

Trassen-Vorschläge

samt kurzer Beschreibung und Kontaktdaten für Rückfragen per E-Mail an strassenbau@stbaro.bayern.de; per Post an Staatliches Bauamt Rosenheim, Wittelsbacherstr. 11, 83 022 Rosenheim oder per Fax an 08031/3942169. Weitere Infos auch unter www.stbaro.bayern.de.

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