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Nicht immer geht’s so ruhig zu in den Zügen der BOB wie auf diesem Foto. 21 Übergriffe dokumentierte der Betriebsrat alleine im Januar.

„Der Tonfall ist rauer geworden“

Angriffe auf Zugbegleiter: Auch BOB-Mitarbeiter immer öfter betroffen

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Tatort Zugabteil: Bahnpersonal wird immer häufiger zum Ziel von tätlichen Angriffen.  Auch bei der Bayerischen Oberlandbahn (BOB) wird die Thematik wachsam verfolgt.

Holzkirchen – Der jüngste Vorfall ereignete sich am Bahnsteig in Holzkirchen. Eine Frau ging plötzlich auf eine Kundenbetreuerin der BOB los. „Sie ist sogar handgreiflich geworden“, erzählt Geschäftsführer Bernd Rosenbusch. Offenbar war sie zuvor beim Schwarzfahren erwischt worden – und wollte sich beschweren. Dabei vergriff sie sich allerdings nicht nur im Ton. Die Polizei musste einschreiten. Zu allem Überfluss, so stellte sich heraus, handelte es sich bei der attackierten Kundenbetreuerin nicht um diejenige, die den Bußgeldbescheid ausgestellt hat. „Sie hat sie verwechselt“, sagt Rosenbusch. „Ein ganz absurder Fall.“

So absurd der Fall auch ist, er unterstreicht einen Trend, den die BOB in ihren Zügen und an den Bahnhöfen, die diese anfahren, verzeichnet. „Der Tonfall ist rauer geworden“, konstatiert Rosenbusch. Von einem Anstieg der tätlichen Übergriffe will er jedoch nicht sprechen. Der Vorfall am Holzkirchner Bahnhof sei einer von fünf tätlichen Angriffen auf Kundenbetreuer in diesem Jahr gewesen. Die Zahlen der Vorjahre will das Unternehmen nicht veröffentlichen.

Anders stellt sich die Situation bei der DB dar. Die Angriffe auf ihre Mitarbeiter nehmen merklich zu. Bundesweit sahen sich voriges Jahr 2550 Beschäftigte mit Übergriffen konfrontiert – 7 Prozent mehr als 2016. Das geht aus dem Sicherheitsbericht hervor, den das Unternehmen Anfang dieser Woche veröffentlicht hat.

Auch die Zugbegleiter und Kundenbetreuer der BOB dokumentieren Übergriffe. Offenbar fühlt sich das Personal zunehmend bedroht. Allein im Januar verzeichente der Betriebsrat 21 Fälle. Die Spannweite reicht dabei von Beleidigungen über Drohungen bis zu tätlicher Gewalt.

„Es ist nicht so, dass unser Personal jeden Tag angegangen wird“, räumt Geschäftsführer Rosenbusch ein. Banalisieren dürfe man dennoch weder die Vorfälle an sich noch die die gefühlte Bedrohung. Die Sicherheit der Mitarbeiter und der rund 4,6 Millionen Fahrgäste, die das Unternehmen jährlich befördert, stehe dabei über allem. Zuletzt seien daher einzelne Strecken und Züge auf erhöhtes Konfliktpotenzial geprüft worden. „Da hat sich aber nichts abgezeichnet“, berichtet Rosenbusch, versichert aber: „Wir haben das Thema im Fokus.“

Zur Sicherheit von Bordpersonal und Fahrgästen patrouillieren abends Sicherheitsstreifen in den Zügen. Während des Oktoberfests oder größeren Volksfesten im Oberland stehen betroffene Züge zudem „unter besonderer Beobachtung“, sagt Rosenbusch. „Da haben wir dann auch zusätzliche Streifen im Einsatz.“

Für die Mitarbeiter bietet das Unternehmen derweil spezielle Deeskalations-Schulungen an. Sprich: Wie geht man mit aggressiven Fahrgäste um? Die Unternehmenslinie im Umgang mit solchen Fahrgästen ist dabei klar: „Wir verhängen Hausverbote“, sagt Rosenbusch. „Und dem wird auch konsequent nachgegangen.“ Seine Mitarbeiter hält er an, jeden Vorfall weiterhin zu melden. „Wir gehen jedem Fall nach und melden ihn der Polizei“, verspricht Rosenbusch.

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