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Erfrischendes Typenkabarett: Franziska Wanninger in Aktion.

„Wenn alle Stricke reißen, häng‘ i mi auf“

Angstfreies Seminar für die Lachmuskeln

Wie geht man mit Ängsten um? Wie wird man „furchtlos glücklich“? Diese Fragen beantwortet Franziska Wanninger in ihrem gleichnamigen Kabarett.  Lachfaktor: hoch - findet unser Autor.

Holzkirchen – Selten oder nie sind Seminare so lustig wie das von Franziska Wanninger. Darin kann man lernen, wie man „furchtlos glücklich“ wird, wie man mit Ängsten umgeht. Das dritte Programm der Altöttingerin, die sich anschickt, vorsichtig am Establishment der bayerischen Kabarettisten anzuklopfen, ist gespickt mit witzig konstruierten Charakteren, zwischen denen sie scheinbar mühelos hin und her wechselt, skurrilen Situationen und zündenden Gags. Lachfaktor: hoch.

In dem Wochenendseminar, das die durchgeknallte Leiterin (Wahlspruch: „Ich freue mich!“) mit ihrem Wutball abhält, plagen die Teilnehmer die verschiedensten Ängste: natürlich Flugangst, Bindungsängste (dazu gab es zwanzig Anmeldungen, darunter zehn Skilehrer), Angst vor Pferden, Angst vor Gemüse und sogar Angst vor Klassentreffen. Die Protagonistin selbst plagt nicht etwa eine Angst vor dem Zahnarzt, sondern die Angst, die Liebe zu ihrem angebeteten Zahnarzt „Andi“ – wegen seiner Angst vor der Farbe Weiß ebenfalls Seminarteilnehmer – nicht erwidert zu bekommen.

Geschickt baut Wanninger schräge, stark überzeichnete Typen in und um diese Rahmenhandlung herum. Da sind vor allem ihre resolute polnische Putzfrau „Lady Gaga“ mit dem markanten Akzent, ihre gnadenlos schwäbelnde Cousine, der gegenüber sie die Angst vor dem Nein-Sagen hat, und der Wiener Robert, der „ned waaß, warum er da ist“. Seine Option: „Wenn alle Stricke reißen, häng‘ i mi auf.“

Wanninger selbst ist sogar zwischen zwei Ängsten hin- und hergerissen: Da ist einmal die Angst, vor Publikum zu musizieren, und dass sie „daheim, wenn i üb‘, draußen wos versaam“. Eine teuflische Kombination. In dem folgenden Lied durfte sie dann nicht so schön musizieren, wie sie eigentlich könnte, was sie in anderen Liedern dann aber zeigte.

Eine Glanznummer: die „Youtuberin“ Maressa, die die Kabarettistin mit hinreißender Mimik, gnadenloser Naivität und gekünsteltem Hochdeutsch geradezu zelebriert. Morgens wacht sie auf und ist dann oft noch „voll müde“, hat immer „voll Hunger“, trinkt zwei Liter heißes Ingwerwasser. Das Wasser dazu kocht sie sich am Vorabend vor.

So liefert Wanninger zwei Stunden erfrischendes Typenkabarett mit einer Reihe von Schenkelklopfern. Mit dem nachdenklichen Schlusslied, bei dem der Miesbacher Gitarrist Wolfgang Hierl die Gitarrenbegleitung einspielte, gibt sie dem bestens unterhaltenen Publikum ein Päckchen Zuversicht mit nach Hause: „Furchtlos glücklich sein, macht das Leben leicht, weil der Mut nicht mehr von dir weicht.“ Ein Plädoyer dafür, Ängste zu überwinden, an die Stärken zu glauben, auf die Liebe zu bauen und Perspektiven zu ändern. 

Reinhold Schmid

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