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Kinder sollten in der Spielstraße eigentlich Vorrang haben. Doch viele Motoroller und Autos, die die Schönlohstraße nun als Umweg nutzen, dominieren laut Anwohnern das Straßenbild.

Weil die Brückensperrung länger dauert, als geplant

Anwohner sauer: „Schönlohstraße ist nach wie vor der Highway Nummer eins“

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Ein Anwohner aus der Schönlohstraße ärgert sich über die Verzögerung der Brückensperrung am HEP-Kreisel. Die Bodenwellen der Gemeinde würden nicht wirken, schimpft er. 

Holzkirchen – Er ist sauer. Stinksauer. Die Nachricht, dass die Brücke an der Rosenheimer Straße in Holzkirchen zwei Wochen länger als geplant gesperrt bleibt, hat ihn, gelinde gesagt, enttäuscht. Die vier Monate seien ohnehin zu lang gewesen. „Jetzt zieht es sich noch mal hin“, sagt der Anwohner aus der Schönlohstraße, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Polizei und Gemeinde wirft er „chronisches Nichtstun“ vor. „Die Schönlohstraße ist nach wie vor der Highway Nummer eins.“

Wie berichtet, gibt es seit der Sperrung der Brücke, die das Landratsamt seit Mai saniert, Zoff in der Schönlohstraße – zwischen Anwohnern und Durchfahrern. Denn der Verkehr sucht sich seinen Weg, und der führt nicht immer auf die offiziellen Umleitungen, sondern eben auf kleinere Straße wie die Schönlohstraße, die eine Spielstraße und eigentlich für Anlieger beschränkt ist. Nachdem sich Anwohner in einem Schreiben beim Rathaus über gestiegenen Verkehr und rabiate Autofahrer beschwert hatten, stellte die Gemeinde Bodenwellen auf. Jetzt wurde bekannt, dass sich die Bauarbeiten an der Brücke verzögern. Öffnungstermin ist der 22. September.

Der dreifache Familienvater kann nicht verstehen, wie man eine so wichtige Verkehrsader so lange dicht machen kann. Verbessert habe sich die Situation durch die Bodenwellen der Gemeinde nicht. „Erstens verhindern sie nicht illegale Durchfahrten, was eigentlich das vorherrschende Ziel der Behörden sein sollte“, schimpft der Anwohner. Außerdem seien sie viel zu niedrig und machten beim Drüberfahren ein nerviges „Klonk“-Geräusch. Es gebe nach wie vor viele Reiberein zwischen Anwohnern und Durchfahrern.

Die Fahrzeuge brettern ihm zufolge in Kolonnen durch die Straße, erst recht, wenn die Bahnschranke wegen der BOB geschlossen war und sich dort ein Stau gebildet hatte. Er schätzt die Zahl der „illegalen Durchfahrten“ auf rund 1000 Stück pro Tag. „An Geschwindigkeiten ist alles dabei, morgens um 5 Uhr und abends, nachts auch mal gerne über 60 km/h.“ Viele Autofahrer drehten dabei die Musik laut auf. „Die Beschallung auf der engen Straße ist beträchtlich und bei uns auch noch im Wohnzimmer zu hören.“ Auch unzählige Motorroller würden durch die Schönlohstraße knattern sowie viele Fahrzeuge mit Tölzer Kennzeichen. „Sie haben ja auch nichts zu befürchten, denn es gibt ja praktisch keine Kontrollen“, wettert der Familienvater. Daher entgehe viel Geld – durch nicht erhobene Gebühren. Selbst Gemeindemitarbeiter und Polizei würden die Straße nutzen, meint er.

Ernst Größwang, Verkehrsexperte der Polizei Holzkirchen, wehrt sich. „Wir fahren da nach wie vor regelmäßig durch und kontrollieren.“ Jeder erwischte Autofahrer, der kein Anlieger ist, müsse 20 Euro bezahlen. Wie viele es schon getroffen hat, kann Größwang nicht sagen, weil teilweise gleich abkassiert wurde. „Es kann sein, dass wir manche auch nur mündlich verwarnt haben“, meint der Verkehrsexperte. Das Problem: Zum Teil tue man sich schwer mit der Definition „Anlieger“. Wolle einer zum Beispiel seine Tante in der Straße besuchen, sei er ja quasi Anlieger. Auch aus anderen Straßen drangen seit der Brückensperrung Beschwerden. Anzeigen bezüglich Konflikten zwischen Anwohnern und Durchfahrenden lägen der Polizei nicht vor. Tempomessungen habe die Polizei dort aktuell nicht gemacht. Zweite Bürgermeister Elisabeth Dasch (SPD) weiß nicht, ob der Zweckverband Kommunale Verkehrssicherheit im Auftrag der Gemeinde Blitzer in der Schönlohstraße aufstellte. Nur in der Carl-Weinberger-Straße sei dies der Fall gewesen.

Größwang sagt: „Die Polizei freut sich, wenn die Brückensperrung wieder weg ist.“ Denn auch die Beamten müssten derzeit auf dem Weg zur Dienststelle Umwege in Kauf nehmen. Der Anwohner hingegen will sich nicht zu früh freuen: „Ich befürchte zudem, dass uns viele illegale Fahrzeuge auch nach der Brückenöffnung erhalten bleiben, da sie sich an ihren Highway Nummer eins gewöhnt haben.“ 

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