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Eine Idylle, in der es derzeit kräftig rumpelt: Die von der derzeitigen Klosterführung ausgesprochene Kündigung der landwirtschaftlichen Betriebsleiterin, einer ehemaligen Ordensfrau, ist laut Arbeitsgericht ungültig. 

Arbeitsgericht

Ex-Nonne wendet Rauswurf ab

Eine Nonne wurde aus einem Kloster in Reutberg, nur wenige Kilometer südlich von Holzkirchen, entlassen. Jetzt bekam sie vor Gericht recht, dass das ungültig war.

Holzkirchen/Sachsenkam – Über dem Richtertisch am Arbeitsgericht Holzkirchen hängt ein Ölbild mit einer friedvollen Landschaft, die das Weideland bei Wallgau mit Barmsee und Wettersteinwand zeigt. Auch der Reutberg (Gemeinde Sachsenkam), nur wenige Kilometer südlich von Holzkirchen, könnte so eine Idylle sein, würde da nicht gerade eine juristische Auseinandersetzung um die Kündigung der Landwirtschaftsmeisterin toben. Entlassen wurde die ehemalige Ordensfrau, die inzwischen verheiratet ist, von der derzeitigen Leiterin des Klosters, der vom Vatikan eingesetzten Apostolischen Kommissarin Schwester Benedicta Tschugg.

In dem Verfahren hat Richter Reinhard Schlicker jetzt der Klägerin recht gegeben und festgestellt, dass die außerordentliche Kündigung vom 24. September 2019 „das zwischen den Parteien bestehende Arbeitsverhältnis nicht beendet hat und es unbefristet fortbesteht“. Zu einer vom Richter mehrfach angeregten gütlichen Einigung („in der Hinsicht bin ich jetzt mit meinem Latein am Ende“) ist es demnach nicht gekommen.

Die Apostolische Kommissarin selbst war wegen Erkrankung nicht zum Gerichtstermin erschienen, sie ließ sich durch ihren Anwalt Dominik Zuschlag vertreten. Sieben anwesende Prozessbeobachter in Holzkirchen machten kein Hehl aus ihren Sympathien für die Klägerin.

43 Hektar große Landwirtschaft

Dieser Erfolg für die gekündigte Landwirtschaftsmeisterin hatte sich in der mündlichen Verhandlung angedeutet, als der Richter der Arbeitgeberseite kritische Fragen zur Ausgestaltung des Arbeitsvertrags und zu den Gründen für die Kündigung gestellt hatte. Die Klägerin, die bis vor einigen Jahren selbst zum Reutberger Ordenskonvent gehört hatte und sich schon als Nonne um die dortige Landwirtschaft mit 43 Hektar Grünland und gut 40 Rindern in Muttertierhaltung gekümmert hatte, war aus dem Orden ausgetreten und hatte geheiratet.

Seit Oktober 2019 ist die Landwirtschaftsmeisterin im Krankenstand und absolviert gegenwärtig eine ambulante Reha-Maßnahme, war aber zur Verhandlung persönlich erschienen. Das Kloster organisiert die Betreuung der Tiere dem Vernehmen nach inzwischen in Eigenregie.

Fremdvergabe der Stelle wäre „viel günstiger“

Die von der Apostolischen Kommissarin als Geschäftsführerin und damit Bevollmächtigte des Klosters ausgesprochene Kündigung begründete der Anwalt des beklagten Klosters damit, dass die Landwirtschaft am Reutberg in der bestehenden Form unrentabel, also ein „Minusgeschäft“ sei. Eine aussagekräftige Bilanz dazu lag aber nicht vor.

Wie eine Expertise des Amts für Landwirtschaft ergeben habe, genüge demnach für die Betriebsgröße am Reutberg eine Dreiviertel-Planstelle anstelle der von der Klägerin ausgeübten Vollzeitstelle. Der mit der Kündigung angestrebte Wegfall des Arbeitsplatzes sei „eine unternehmerische Entscheidung“. Stattdessen strebe das Kloster eine Fremdvergabe des landwirtschaftlichen Betriebs an. Anwalt Dominik Zuschlag: „Das wäre sehr viel günstiger.“

Urteil noch nicht rechtskräftig

In der mündlichen Verhandlung wurde deutlich, dass der bestehende Arbeitsvertrag einige Unschärfen aufweist, auf die Kläger-Anwalt Jost Hartman-Hilter hinwies, insbesondere hinsichtlich des geldwerten Vorteils für die Arbeitnehmerin, der sich aus der steuerfreien Überlassung einer Dienstwohnung ergebe.

Ob das Urteil rechtskräftig wird oder eine der Parteien in Berufung geht, ist noch nicht bekannt.

Rainer Bannier

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