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Archivar Hans Widmann mit einem Buch mit allen Handwerkern um 1850 und einem alten Wappen Holzkirchens.

Für historische Ausstellung 

Archivar Widmann sucht Fundstücke für 1111-Jahr-Feier

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Holzkirchen - Für die 1111-Jahr-Feier von Holzkirchen bereitet Archivar Hans Widmann eine historische Ausstellung vor. Er hofft, dass Bürger Fundstücke zur Verfügung stellen.

Die Vergangenheit versteckt sich bestimmt in der Gegenwart, glaubt Hans Widmann. „Ich bin überzeugt davon, dass viele Holzkirchner Einiges zu Hause haben“, sagt der Archivar des Holzkirchner Rathauses. Dass auf vielen Dachböden und in Kellern unentdeckte Fundstücke schlummern – alte Fotos, Postkarten und Gemälde, die Gebäude, Gaststätten oder Handwerksbetriebe vom Ort zeigen.

All diese möchten Widmann und die Geschichts-AG bei einer Ausstellung im Rahmen der 1111-Jahr-Feier von Holzkirchenpräsentieren. Aktuell sucht der Archivar noch weitere Ausstellungsstücke und bittet Bürger, sich an ihn zu wenden. Und die Gegenstände einige Zeit als Leihgabe oder Foto zur Verfügung zu stellen.

Weil die Ausstellung in einem Zelt am Herdergarten stattfinden soll, sei es schwer, dort Originale zu zeigen. „Ich kann dort ja nicht übernachten und sie bewachen“, meint Widmann. Daher werde er dazu übergehen, nur Fotos der Stücke auszustellen. Die Originale könne man dann zu einem anderen Zeitpunkt vielleicht mal im Rathaus vorstellen. „Das Jubiläum wird das ganze Jahr gefeiert.“

Das Foto zeigt eine Häuserzeile am nördlichen Marktplatz mit dem Pau, (links), dem damals größten Gebäude in Holzkirchen. Das Bild stammt aus der „Imminger Chronik“. Heute befindet sich an der Stelle ein anderes Gebäude, in dem das griechische Lokal Delphi untergebracht ist. So sah der Pau vermutlich in der Zeit um 1500 oder 1600 aus.

Einiges hat Widmann schon zusammengetragen. Unter anderem will er einige alte Bücher präsentieren, zum Beispiel ein Handwerkerbuch, das um 1850 entstand und in dem alle damaligen Handwerksmeister verzeichnet sind. Oder ein Richterbuch, das aus dem Jahr 1650 stammt, und in dem Schuldsprüche prangen. „Holzkirchen hatte früher mal eigene Richter“, erklärt der Archivar. Es handelte sich um Klosterrichter des Klosters Tegernsee – denn damals war Holzkirchen ein Markt des Klosters. Aber hierzulande sei nur die niedere und mittlere Gerichtsbarkeit ansässig gewesen. „Einer ist mal aus dem Gefängnis ausgebrochen und hat ein Bett zerschlagen.“ Um solche Sachen ging es. „Die ganz großen Kriminalfälle wurden damals in Wolfratshausen verhandelt.“

Der Klosterrichter wiederum wohnte nach Widmanns Recherchen im damals größten Gebäude Holzkirchens, genannt „Der Pau“, wovon es auch ein Bild gibt. Dieses Haus habe sich an der Stelle befunden, wo heute das griechische Restaurant Delphi liegt. Das damalige Gebäude habe sich in königlichem Besitz befunden, meint Widmann. Es könne gut sein, dass der Karolinger Ludwig das Kind im 10. Jahrhundert im Pau übernachtete. Schließlich war das das repräsentativste Gebäude im Ort. „Er wird ja nicht in einer Holzhütte geschlafen haben“, vermutet Widmann. Eine Kaiserurkunde, die Ludwig das Kind im Jahr 906 in Holzkirchen ausstellte, wertete Widmann auch als Indiz dafür, dass Holzkirchen 2017 bereits sein 1111-Jähriges feiern kann, weil es ja 906 erstmals erwähnt wurde (wir berichteten). Deshalb begeht die Marktgemeinde heuer auch ein eher ein ungewöhnliches Jubiläum.

Außerdem stellt Widmann ein Foto eines Gemäldes aus, das auch in der Alten Post hängt. Darauf abgebildet ist ein altes Holzkirchner Wappen. Samt Kirche, über der ein weiß-blaues Rautenmuster schwebt. Dieses wiederum musste später verschwinden. „Weil es als Hoheitszeichen galt, das nur der Staat führen durfte.“ Aber: „Meiner Meinung nach, war das alte Wappen schöner als das jetzige.“

Er sei noch mittendrin in der Zusammenstellung, sagt Widmann. Er hofft, dass sich viele Holzkirchner bei ihm melden.

Wer Fundstücke

für die Ausstellung zur Verfügung stellen möchte, nimmt bitte Kontakt mit Archivar Hans Widmann auf, per E-Mail an: hwober land@kabelmail.de.

Die Jubiläumsfeier

Drei Tage lang – von Freitag bis Sonntag, 14. bis 16. Juli, – feiert die Marktgemeinde ihr 1111-jähriges Bestehen. Inzwischen steht das Programm schon etwas detaillierter fest.

-Am Freitag beginnt die Feier laut Robert Haunschild, Geschäftsleiter im Rathaus, mit einer 1111 Meter langen Feiermeile vom Bahnhof zum Marktplatz. Ein kulinarisches Angebot, Stände und Aktionen locken Besucher an. Viele Einzelhändler, Gastronomen und Vereine sollen mitmachen.

-Der Samstag dient als Familientag, das Geschehen verlagert sich auf Marktplatz und Herdergarten. Es gibt Mitmach-Aktionen, Verkaufsstände und Vorführungen. Auf einer Bühne zeigen Kindergärten, Schulen und Vereine Showeinlagen, auch Musikbands treten auf.

-Am Sonntag rückt die Historie in den Fokus. Es gibt historische Führungen, Geschichtsvorlesungen und – bereits schon ab Samstag – eine Ausstellung. Der Sonntag beginnt mit einem Kirchenzug vom Bahnhof zu St. Laurentius samt ökumenischem Gottesdienst.

-Für die Feierlichkeiten sucht die Gemeinde noch Helfer und Ideengeber. Interessenten wenden sich an Ewgenia Boger unter 0 80 24 / 64 22 01 oder an oeffentlichkeitsar beit@holzkirchen.de.

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