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"Asyl Watch Landkreis Miesbach" - unter diesem Titel ist die Facebook-Seite seit Dienstagmittag online.

Nach versuchter Vergewaltigung in Holzkirchen

"Asyl Watch": Facebook-Seite sorgt für Wirbel

  • Veronika Mahnkopf
    vonVeronika Mahnkopf
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Holzkirchen - Eine Facebook-Seite, die am Dienstag online ging, will über die "kriminellen Aktivitäten" von "einigen Asylbewerbern" im Landkreis Miesbach "informieren" - eine heikle Angelegenheit.

Aktualisierung: Die vom Administrator der inzwischen nicht mehr aufrufbaren Facebook-Seite Asyl Watch Landkreis Miesbach angeführte versuchte Vergewaltigung einer 19-Jährigen in Holzkirchen hat sich als falsch herausgestellt. Wie die Polizei mitgeteilt hat, hat die junge Frau zugegeben, dass der Übergriff in dieser Form nicht stattgefunden hat.

Eines ist Rainer S. sehr wichtig: "Wir wollen nicht in die rechte Ecke gedrängt werden. Solche sind wir nicht!" Das betont der Holzkirchner, der seinen vollen Namen nicht nennen will, immer wieder. Muss er auch, denn die Initiative des 28-Jährigen und seiner Mitstreiter kann man - vorsichtig ausgedrückt - heikel nennen.

Rainer S. ist einer von fünf Initiatoren einer neuen Facebook-Seite. Der Name: Asyl Watch Landkreis Miesbach. Seit Dienstagmittag ist die Seite online. Inzwischen hat sie 26 Likes (Stand, 29. Juli, 16 Uhr). S. hat sie mit zwei Pärchen aus der Nachbarschaft - die Frauen und Männer sind um die Mitte 30 - gegründet. Administrator ist Rainer S.. Er postet regelmäßig Medien-Artikel, die mit dem Thema Asylbewerber im Landkreis zu tun haben. Darunter auch die Berichte über die versuchte Vergewaltigung einer 19-Jährigen durch drei Asylbewerber in Holzkirchen.

Die Seite soll die Entwicklung "nur dokumentieren"

Das erklärte Ziel: "Wir wollen darauf aufmerksam machen, dass es seit Anfang des Jahres zu einem enormen Anstieg der Kriminalität im Zusammenhang mit Asyl im Landkreis gekommen ist." Angefangen habe es mit der Vergewaltigung einer jungen Frau durch einen Asylbewerber im November 2014 in Holzkirchen. Rainer S. zählt noch zwei weitere (nachgewiesene) Fälle von sexuellen Übergriffen auf Frauen durch Asylbewerber im Landkreis Miesbach auf. "Die beiden Pärchen, mit denen ich die Seite betreibe, haben kleine Kinder und sind besorgt." Er selbst sei verlobt und kinderlos. Doch er bekomme die Probleme vor allem vieler Väter mit. "Sie überlegen, ihre Töchter mit Pfefferspray auszustatten."

Rainer S. und die anderen haben klare Vorwürfe und Forderungen formuliert: Das Landratsamt soll seine "Planungsfehler" überarbeiten. "Der Landkreis hat sich offenbar keine Gedanken über die ankommenden Flüchtlinge gemacht." Jetzt müssen Lösungsansätze gefunden werden, um Parallelgesellschaften zu vermeiden, so S.. "Wir wollen eine offene Diskussionskultur anstoßen." Die überfüllten Turnhallen zum Beispiel seien die falsche Lösung. Und: Asyl-Betreuer sollten die männlichen Flüchtlinge über die Stellung der Frau in Deutschland aufklären. Darüber, "dass Frauen und Mädchen bei uns selbstbestimmt sind. Und nicht tun müssen, was ein Mann ihnen sagt."

Doch warum braucht es dafür eine eigene Facebook-Seite - die derzeit übrigens in der Kommentarfunktion vor allem kritisiert wird? Warum ziehen Rainer S. nicht den direkten Kontakt mit Landratsamt, Asylbetreuern und Asylbewerbern vor? Und haben die Initiatoren nicht Angst, dass sie doch in der rechten Schublade landen? "Für die Lösungen sind die Politiker verantwortlich", sagt Rainer S.. Er wolle die Entwicklung nur dokumentieren. Und nein, Sorgen wegen rechter Tendenzen mache er sich nicht. "Ich habe das im Griff." Radikale Kommentare seien unerwünscht und würden sofort gelöscht.

Der Asylsozialarbeiterin sind die Posts zu einseitig

Petra Winklmair sieht das etwas kritischer. Als Asylsozialarbeiterin vom Verein Hilfe von Mensch zu Mensch kümmert sie sich auch um die Holzkirchner Flüchtlinge. Die Intention, "kommunale Entscheidungsträger zu mehr Tatendrang zu bewegen", wie sie von der Facebook-Seite zitiert, sei positiv. "Das will ich auch." Sie bezweifle allerdings, dass das auf diesem Weg gelingt. Und dass der Betreiber die Kommentare langfristig im Griff haben kann. Weniger angetan sei sie von der Tatsache, dass "die geteilten Inhalte sich nur mit negativen Aspekten befassen." Winklmair würde sich wünschen, dass die Posts nicht so einseitig sind.

Über das Thema "sexuelle Übergriffe" rede der Helferkreis selbstverständlich mit den Holzkirchner Asylbewerbern. "Wir erklären ihnen, dass man Frauen nicht einfach anfassen darf." Die Flüchtlinge wollen über das Thema reden, berichtet Winklmair. "Sie schämen sich für die Tat der anderen." Dagegen, dass die Übergriffe auf die kulturelle Herkunft der Flüchtlinge zurückzuführen seien, wehrt sich Winklmair. "Es ist ein Problem junger Männer in einer desolaten Situation." Alkohol spiele manchmal auch eine Rolle. Mit der Herkunft habe das nichts zu tun.

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