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Hohe Temperaturen herrschen selbst an kühleren Tagen im Inneren der Traglufthallen. Für die Bewohner, wie hier in Rottach-Egern, wird es dann nahezu unerträglich heiß.

Traglufthallen in Rottach-Egern und Holzkirchen

Flüchtlinge leiden: Unerträgliche Hitze unterm Hallendach

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Landkreis - Wenn die Sonne scheint, wird es heiß in den Traglufthallen in Holzkirchen und Rottach-Egern. Denn noch immer hat die Herstellerfirma Paranet keine Klimaanlagen installiert.

Als die Temperaturen in der vergangenen Woche nach oben kletterten, ist es heiß geworden in den Traglufthallen in Holzkirchen und Rottach-Egern. „Wie in der Sauna ist das. Einfach unerträglich“, sagt Rottachs Dritte Bürgermeisterin Gabriele Schultes-Jaskolla, die den Helferkreis führt. Schon im vorderen Teil der Halle habe der Sicherheitsdienst eine Temperatur von über 40 Grad gemessen. „Und im hinteren Teil ist es noch schlimmer.“

Ein Zustand, den Bürgermeister Christian Köck (CSU) nicht hinnehmen will. Was ihn besonders ärgert: „Ich habe schon vor Wochen beim Landratsamt darauf hingewiesen, dass wir eine Klimatisierung brauchen.“ Passiert sei nichts. Am heutigen Mittwoch gebe es eine Besprechung mit der Kreisbehörde. Dort werde er erneut auf die Klimatisierung dringen, auch wenn die Traglufthalle eigentlich Sache des Landratsamtes sei. „Aber wenn es jetzt Sommer wird, kann ich mir vorstellen, wie die Stimmung bei den Hallenbewohnern wird. Und das betrifft uns alle.“

Was die Situation noch verschärft: Die funktionierenden Notunterkünfte im Tal wurden jüngst alle geräumt und die Flüchtlinge extra in die Traglufthallen verschoben.

Enttäuschung über Paranet

Auch sein Holzkirchner Kollege Olaf von Löwis (CSU) ist verärgert. Zumal es die Herstellerfirma Paranet beim Tag der offenen Tür noch als Highlight gepriesen habe, dass die Halle für alle Jahreszeiten tauglich sei. „Das kann nicht sein“, meint er zum jetzigen Zustand.

Der Grund für die warmen Temperaturen in den Traglufthallen ist ganz einfach: Die Klimaanlagen und die Hitzeschutzfolien fehlen noch. „Beides sollte eigentlich schon im Mai geliefert werden“, erklärt Gerhard Brandl vom Landratsamt. „Paranet ist nicht sehr zuverlässig bei der Einhaltung der Termine.“ Bekanntlich pachtet der Landkreis die Hallen von der Berliner Firma. Der neue Liefertermin sei für kommende Woche anberaumt. Es habe schon einige Beschwerden gegeben, räumt Brandl ein. Auch in Holzkirchen schimpft mancher Helfer hinter vorgehaltener Hand über „menschenunwürdige Zustände“. Immerhin drängen sich in den Unterkünften viele Menschen auf engem Raum. In Holzkirchen leben laut Brandl aktuell rund 150 Asylbewerber, in Rottach-Egern 116. Um etwas Luft in die Unterkunft zu bringen, habe man zwischendurch alle Türen geöffnet. Brandl: „Die Halle ist ein wenig zusammengesunken, das war aber nicht so schlimm."

Zu viele Hallen: Montage dauert noch

Paranet-Chef Jürgen Wowra aus Berlin erklärt, warum die Folien – die die Sonneneinstrahlung absorbieren und für knapp 15 Grad weniger im Inneren sorgen – in Holzkirchen und Rottach noch fehlen: „Zum einen werden die Alufolien immer erst im Mai ausgeliefert.“ Denn für das Drüberlegen der Folie müsse die Halle etwas abgelassen werden – und dafür brauche es gutes Wetter. Das Anbringen der Folie nehme ein bis eineinhalb windstille und trockene Tage in Anspruch.

Da Paranet gut 60 Hallen manage, sei es leider nicht möglich, beim ersten Sonnenstrahl gleich alle auf einmal zu bestücken. Ähnliches gelte für die Klimaanlagen: „Hier läuft die Auslieferung normal erst im Juni“, sagt Wowra. Davon abgesehen sei es ungut, die Klimaanlage ohne die kaschierende Folie einzurichten. „Der Energieaufwand wäre zu hoch“, sagt er. „Das wäre dem Steuerzahler nicht zumutbar.“ Zunächst soll nun Holzkirchen, dann Rottach-Egern nachgerüstet werden.

Eine Aussage, die Bürgermeister Köck aufhorchen lässt. Er erwarte, dass jetzt schnell gehandelt wird. Das Landratsamt habe gerade alle festen Hallen räumen lassen und die Asylbewerber in die beiden Traglufthallen verlegt, was im Grundsatz in Ordnung sei: „Aber dann müssen die Zustände dort auch erträglich sein.“

Problem mit dem Abfluss

Die Hitze in den Traglufthallen war in diesen Tagen nicht das einzige Problem. In der Holzkirchner Einrichtung hatten Abflussrohre im Sanitärbereich nicht richtig funktioniert, wie Gerhard Brandl, stellvertretender Pressesprecher im Landratsamt, bestätigt. „Bewohner hatten den Hausmeister darauf aufmerksam gemacht, dass das Wasser in den Duschen nicht richtig abläuft“, sagt er. „Die Neigung war wohl zu gering.“ Das Problem sei inzwischen aber behoben. Das habe die Firma erledigt, die im Auftrag von Paranet die Sanitärcontainer geliefert hatte. „Es sind aber keine Sonderzahlungen entstanden, die den Steuerzahler belasten“, versichert Brandl. Die Reparaturarbeiten seien im Rahmen des Mietvertrags abgewickelt worden.

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