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Die Attraktivität des Holzkirchner Ortskerns im Blick haben (v.l.) Standortförderin Eva-Maria Schmitz, SMG-Geschäftsführer Alexander Schmid und Florian Brunner (SMG) sowie Rathauschef Olaf von Löwis.

Verschönerung von Ortszentren

Attraktiv sein für die digitale Bohème

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Holzkirchen - Wie man Fachkräfte gewinnen, Bürger aus dem Wohnzimmer in die Ortsmitte und Touristen in Geschäfte locken kann – damit beschäftigt sich ein Vortrag zur Attraktivität von Ortskernen, den die Gemeinde und die SMG organisieren. Ein funktionierendes Zentrum ist ein wichtiger Standortfaktor.

So verhält sie sich, die „digitale Bohème“ wie Alexander Schmid sie nennt. Sie mag es, in einem Café zu sitzen, Leute zu beobachten, Cappuccino zu schlürfen, während sie am Laptop – dank WLAN – im Internet surft. Für eine hohe Aufenthaltsqualität braucht ein Ortskern deshalb heutzutage „eine gute Mischung aus Gastronomie, Einzelhandel und Kultur“, findet der Geschäftsführer der Standortmarketing-Gesellschaft Landkreis Miesbach (SMG). Insofern böten die viel beklagten Leerstände – so wie zuweilen am Oskar-von-Miller-Platz in Holzkirchen – durchaus Chancen. 

Um das Thema „Attraktivität des Ortskerns – Herausforderungen und Ansätze“ für den Einzelhandel geht es bei einem Fachvortrag, den Gabriele Ostertag von der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung am Mittwoch, 29. Juni, im Holzkirchner Fools-Theater hält. Organisatoren sind die Marktgemeinde sowie die SMG. 

Dabei werden Fragen behandelt wie: Wie gestaltet man den Ortskern für Bürger, Gewerbetreibende und Touristen attraktiv? Wie wichtig sind zentrumsnahe Parkplätze? Oder: Was brauchen Gewerbetreibende? Anschließend gibt es eine Podiumsdiskussion, auch Ortsplanerin Manuela Skorka kommt. 

Das Thema soll laut Bürgermeister Olaf von Löwis (CSU) zwar am Beispiel Holzkirchens erklärt werden. Trotzdem werden viele allgemeine Aspekte behandelt, insofern richte sich die Veranstaltung an Gewerbetreibende aus der ganzen Region. Holzkirchen eigne sich als Standort, weil es gut erreichbar sei. „Und wir haben eine eigene Standortförderung“, sagt Löwis. Das Integrierte Mobilitätskonzept, das im Herbst fertig sein soll, spiele ebenfalls eine Rolle.

 Der Vortrag soll den Auftakt für eine neue Reihe der SMG bilden – für die es noch keinen Namen gibt. Eine zweite Veranstaltung ist im Oktober in Miesbach geplant, hier soll es vor allem um den Umgang mit Online-Handel gehen. 

Schmid erklärt, warum sich die SMG einschaltet, obwohl sie für die Gestaltung der Ortszentren der Gemeinden eigentlich nicht zuständig ist. „Wir sehen funktionierende Zentren für den Standortfaktor als ausschlaggebend“, sagt er. So sei es möglich, Fachkräfte anzulocken, die gerne in dem Ort leben. 

Und: „Der Einzelhandel steht unter Druck.“ Erst versalzten ihnen die großen Outlet-Center das Geschäft, dann der Online-Handel. „Der Trend lässt sich nicht zurückdrehen.“ Laut Eva-Maria Schmitz von der Standortförderung im Holzkirchner Rathaus gehe es um die Frage: „Wie bringt man den Bürger vom Wohnzimmer in den Ortskern?“ – um so auch den Einzelhandel anzukurbeln. „Viele Neubürger kennen den Ort gar nicht richtig“, sagt Löwis. 

Doch der Bürgermeister weiß: „Was die Attraktivität betrifft, glänzt Holzkirchen nicht so.“ Der viele Verkehr und die schmalen Gehwege schrecke Fußgänger ab. Auch das HEP spiele da eine Rolle. 

Für Schmid ist die Verantwortung der Verbraucher wichtig: „Bürger müssen ihr Kaufverhalten überdenken“, sagte er. „Aus rein egoistischem Interesse“, sollten sie daher überlegen, was es mit dem Einzelhandel macht, wenn sie online einkaufen. Schließlich wollen sie ja auch einen schönen – und keinen toten – Ortskern haben. Außerdem sollten sie nur bei Unternehmen einkaufen, „die hier Steuern zahlen“.

Ein attraktiver Ortskern ziehe ferner Touristen an. Diese neigen laut Schmid zu „Impulseinkäufen“, wovon der Einzelhandel wiederum profitiert. Natürlich herrsche in Holzkirchen kein reiner Urlaubstourismus wie am Tegernsee, sondern sei eher für Geschäftsreisende gedacht. 

Insofern begrüßt Schmid es, dass an der Ohmstraße die Familie Inselkammer ein Hotel baut (wir berichteten). Mehr punkten könnte die Gemeinde auch beim „sanften Tourismus“ mit Radlfahren und Wandern. Es gibt viel zu tun.

Der Vortrag 

findet am Mittwoch, 29. Juni, um 19 Uhr im Fools-Theater in Holzkirchen statt. Der Eintritt ist frei. Um Anmeldung bei Standortförderin Eva-Maria Schmitz, unter z 0 80 24 / 64 23 20 oder per E-Mail an standortfoerde rung@holzkirchen.de, wird gebeten. Eingeladen sind Gewerbetreibende sowie interessierte Bürger.

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