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Backen unter Anweisung: Landwirt Thomas Sigl (2.v.l.) verrührt einen Kuchenteig, während ihm Franziska Drexl aus dem Hauswirtschaftskurs Tipps gibt und ihm ganz genau auf die Finger beziehungsweise den Quirl schaut.

Am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten

Auf ungewohntem Terrain: Junge Landwirte probieren sich in der Hauswirtschaft

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Bei einem Hauswirtschafts-Kurs haben sich 15 Jung-Bauern auf ungewohntes Terrain gewagt. Wir haben ihnen bei den ersten Gehversuchen in der Küche und beim Haferlschuh-Putzen über die Schulter geschaut.

Holzkirchen – Vorsichtig balanciert Thomas Sigl das Ei in seiner linken Hand. Mit dem Messer in seiner rechten knackt er die Schale auf. Dotter und Eigelb wandern in eine Metallschüssel, der Rest in den Bio-Abfall. Drei weitere Eier folgen, bevor Sigl mit einer Küchenwaage Mehl abmisst, exakt 300 Gramm. So steht’s im Rezept. Sein Kompagnon neben ihm verquirlt derweil unnachgiebig Butter und Zucker. „Haut ja alles recht gut hin“, lobt sich Sigl und kippt das Mehl in die bauchige Rührschüssel. An Kochstation vier in der Schulküche im Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) entsteht gerade der Teig für einen Thüringer Sauerrahmkuchen.

Auch an den anderen Stationen klackern die Löffel in Töpfen, sortieren fleißige Hände Blattsalat oder schneiden scharfe Messer rote Paprika klein. Alles unter den prüfenden Blicken der Studierenden des einsemestrigen Studiengangs Hauswirtschaft am AELF. Sie haben den Projekttag organisiert, an dem die Jung-Bauern um Thomas Sigl in für sie ungewohnte Rollen schlüpfen. 15 Burschen und damit der komplette Jahrgang der Abteilung Landwirtschaft nehmen heuer am Kurs „Das bisschen Haushalt erledigt man(n) von selbst“ teil. „Eine super Leistung“, attestiert Gerlinde Simon, Abteilungsleiterin Betreuung und Bildung am AELF. Sie weiß: „Normal fehlt ja schon immer einer.“

Der eintägige Hauswirtschaftsunterricht ist mittlerweile Bestandteil der Ausbildung zum staatlich geprüften Wirtschafter. Auf Initiative der Landwirte, wie Simon verrät: „Es war immer mal wieder ihr Wunsch, dass sie auch was von der Hauswirtschaft mitbekommen.“ Bislang leiteten die Lehrkräfte den Kurs. Heuer zeigen die Studierenden ihren Kommilitonen in zwei Gruppen, wie man Wäsche sortiert, wäscht und bügelt, Haferlschuhe poliert oder ein Schnitzel zubereitet, ohne die Beilagen-Kartoffeln zu verkochen.

Im ersten Stock zeigt Viktoria Matten (links) der zweiten Gruppe Jung-Bauern derweil, wie man die Haferlschuhe nach dem Frühlingsfest auf Hochglanz poliert.

Was zunächst ein wenig nach klischeehaftem Rollentausch klingt, hat einen ernsten Hintergrund. Auf dem Stundenplan steht zwar Kochen, Backen, Waschen, dahinter versteckt sich aber mehr, erklärt Abteilungsleiterin Simon: „Die Landwirtschaft verändert sich.“ Betriebe bauen sich zunehmend ein zweites Standbein auf. Urlaub auf dem Bauernhof oder ein eigener Hofladen vervielfältigen den Aufgabenbereich. Zeitmanagement und Gästebetreuung werden immer wichtiger. Das Ziel des Kurses: „Die Männer sollen mitnehmen, dass eine funktionierende Hauswirtschaft elementar ist für den Hof“, sagt Simon. Und vielleicht, so ihre Hoffnung, nehmen sie ja was für den Alltag mit – „oder sie sollen es zumindest wertschätzen, was alles geleistet wird“.

Thomas Sigl, 20 Jahre alt, kommt aus Glonn im Landkreis Ebersberg. Daheim, auf dem Hof der Familie, kümmert er sich sonst um gut 200 Milchkühe und macht, was auf einem Bauernhof halt so alles anfällt. Mit all dem, was hingegen unter den Oberbegriff Hauswirtschaft fällt, hatte er bislang, und das gibt er offen zu, wenige bis gar keine Berührungspunkte. So wie die meisten seiner Mitstreiter. Sigl sagt aber auch: „Es schadet ja nicht, wenn man weiß, wie man sowas machen kann.“ Die Rede ist von der Schoko-Creme, die er zuvor aufgekocht und feinsäuberlich in kleine Glasschalen abgefüllt hat. Die süße Nachspeise würde er sich jetzt übrigens auch schon daheim zutrauen, sagt er und lacht: „Aber nur mit Rezept.“

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Im Laufe des Vormittags werden die Handgriffe an den Kochstationen merklich sicherer, hilfesuchende Blicke zu den Hauswirtschafts-Damen weniger. Lob gibt’s für die richtige Schneidetechnik beim Schinkenwürfeln. Einen tadelnden Blick, wenn der Quirl außerhalb der Schüssel auf höchster Stufe angestellt wird, sodass sich der Kuchenteig auf der Kochinsel verteilt.

Alles in allem ist Viktoria Matten, eine der Projektleiterinnen, mit der Leistung ihrer Schützlinge zufrieden. „Es hat sich noch keiner verletzt“, scherzt sie. Ein erster Achtungserfolg. Auch sonst machen die Burschen unten in der Küche und im ersten Stock beim Putzen Fortschritte. „Sie schlagen sich wirklich gut“, lobt Matten. Ganz ohne Aufsicht lassen sie die Küchen-Novizen aber nicht. „Sonst“, sagt Matten feixend, „werden sie bloß experimentierfreudig.“

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fp

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