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Mittendrin in einer anderen Welt: Antonia Pohl aus Hartpenning ist derzeit als ehrenamtliche Helferin der Welthungerhilfe in Uganda im Einsatz.

Auslandsjahr für Welthungerhilfe in Uganda

Eine Hartpenningerin unter Nomaden

Nach der Schule oder im Studium ein Jahr nach Frankreich oder Spanien, in die USA oder nach Australien - das gehört in modernen Lebensläufen schon fast dazu. Antonia Pohl aus Hartpenning hat sich für ein ganz anderes Ziel entschieden: für Uganda in Ostafrika. 

Hartpenning/Uganda – Ein Auslandsaufenthalt nach dem Schulabschluss ist schon fast nicht mehr aus den heutigen Lebensläufen wegzudenken. England, Frankreich, Spanien, USA und Australien sind beliebte Ziele bei den jungen Reisenden. Einige setzen auf Anschluss in Familien, andere tingeln mit ihrem Rucksack herum oder nehmen am Work-and-Travel-Programm teil. Ein eher ungewöhnliches Ziel für einen Auslandsaufenthalt ist derweil Uganda in Ostafrika. Genau dorthin hat es Antonia Pohl aus Hartpenning verschlagen. Die 20-Jährige hat sich bewusst für Uganda entschieden: Sie unterstützt dort ein soziales Projekt der Welthungerhilfe. Eine ganz neue Erfahrung, die sie wohl nie vergessen wird.

Nach ihrem Abitur 2014 am Gymnasium Tegernsee studierte die junge Hartpenningerin erst mal Ethnologie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Nach einem Jahr legte sie ihr Studium jedoch nieder, um ein soziales Jahr im Ausland zu absolvieren. Seit August 2016 ist sie nun ehrenamtlich für die Welthungerhilfe in Uganda. „Die Organisation sendet freiwillige Helfer ins Ausland und leitet sie an lokale Hilfsorganisationen weiter. Das erschien mir interessant“, sagt Pohl. Sie wurde an das Karamoja-Development-Forum (KDF) weitergeleitet. Die Organisation beschäftigt sich vor allem mit der Situation der Pastoralisten (Viehhirten) in Karamoja, mit den Einheimischen, die von und mit ihrem Vieh leben. Die Menschen leben als Halbnomaden. „Wenn sie kein Wasser mehr für ihr Vieh haben, ziehen sie weiter“, erklärt die 20-jährige Helferin.

Die Organisation KDF ist noch klein, zusammen mit Antonia Pohl arbeiten dort nur vier Personen. Die Einwohner können mit all ihren Problemen zu ihnen kommen. Gemeinsam wird nach Lösungen gesucht. „Egal ob Probleme mit Viehdiebstahl, Sicherheit oder Regierung, wir versuchen zu helfen.“ Dabei ist es Pohl wichtig, dass man die Betroffenen nicht überrumpelt, sondern gemeinsam mit ihnen die Probleme aus der Welt schafft. Pohl wird daher auch nicht selbst tätig; sie berät Betroffene, sucht mit ihnen den besten Weg und vermittelt sie an andere Helfer weiter.

Pohl mag vor allem die Nähe zu den Menschen. „Mittlerweile kommen sogar Kraal-Leader zu mir und fragen nach meiner Hilfe oder meinem Rat“, sagt die 20-Jährige stolz. Kraal-Leader sind die Vorsteher einer Hüttengemeinschaft. Die Einwohner leben in kleinen Siedlungen von 20 bis 50 Hütten zusammen. „Ich mag die Menschen hier, hatte noch nie Probleme mit ihnen.“ Mehr Probleme macht der Oberbayerin das Heimweh. „Ich vermisse meine Familie und Freunde sehr, aber auch das Theaterspielen oder Stücke ansehen geht mir ab.“ Trotz Heimweh denkt Antonia Pohl nicht ans Aufgeben. Ihr Einsatz dauert noch bis August.

Bis dahin wohnt sie mit einer anderen freiwilligen Helferin in einem kleinen Haus in Moroto im Norden des Landes, nah an der Grenze nach Kenia im Osten. „Ich lerne sehr viel über das Thema Entwicklungshilfe, und es ist auch für mich immer wieder erstaunlich, die Probleme mit den eigenen Augen zu sehen und helfen zu können. Ein gutes Gefühl“, resümiert Pohl. Und gelernt hat sie schon jetzt einiges für ihr späteres Leben. „Ich weiß, dass ich gerne in Deutschland leben möchte und dass mir und vielen anderen etwas mehr Toleranz gut tut.“ Im Herbst will die junge Hartpenningerin ein Jurastudium in Heidelberg beginnen.

Kathrin Suda

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