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An der Premiere des Schüleraustauschs zwischen der Wirtschaftsschule Pasold-Weißauer und der Chiao Tai High School in der Millionenstadt Taichung nahmen knapp 40 Jugendliche teil.

Zwei Welten treffen sich

Austausch mit Taiwan: Diese Erfahrungen haben wir gemacht

Rund 9000 Kilometer von einander getrennt, zwei Welten. Normalerweise. Jetzt waren 19 Schüler aus Taiwan in der Holzkirchner Wirtschaftsschule zu Gast. Wir haben vorbeigeschaut.

Holzkirchen– Doch im Schüleraustausch kommen sie zusammen: Die Holzkirchner Wirtschaftsschule Pasold-Weißauer und eine High School in der taiwanesischen Metropole Taichung wollen in den kommenden zwölf Jahren zusammenarbeiten. Jetzt waren 19 Schüler aus Taiwan eine Woche lang zu Gast in Holzkirchen.

Die Stadt Taichung zählt mehr als eine Million Einwohner, in eine Schulklasse gehen 64 Schüler, der Unterricht dauert von 7.20 bis 19.30 Uhr. Lehrerin Shu-Ching Tsai (50) bemerkt gleich, dass die Disziplin an ihrer Schule weit höher ist als in Holzkirchen. „Ich würde mir einen Mittelweg wünschen“, sagt Shu-Ching. „Unsere Schüler melden sich nicht, sie sind zu schüchtern. Manchmal denke ich, sie sind zu angepasst, ihre eigene Kreativität geht verloren.“ Wenn sie in Taiwan das Klassenzimmer betritt, kehrt unmittelbar Ruhe ein, der Respekt vor den Lehrkräften sei riesig. „Das ist hier anders. Die Schüler kommen mit den Lehrern ins Gespräch und schämen sich nicht, auch wenn sie Fragen haben.“

Als die 16 deutschen Schüler die Chiao Tai High School besuchten, fiel den Jugendlichen vor allem die Freundlichkeit ihrer Gastgeber auf. „Sie geben einem immer das Gefühl, dass alles gut ist“, erinnert sich Ann-Sophie Weinfurtner. Die kleine Schülergruppe wurde empfangen wie Popstars. 7500 Schüler versammelten sich auf dem Schulhof in Taichung, um die 16 Schüler und zwei Lehrer der Wirtschaftschule zu begrüßen. „Alle wollten Fotos mit uns machen und haben uns durch Glasscheiben im Klassenzimmer angesehen, wie im Zoo“, sagt sie und schmunzelt. „Viele haben noch nie einen leibhaftigen Europäer gesehen.“ Die Kommunikation läuft komplett auf Englisch. „Vielen Schülern war gar nicht klar, wie gut sie sich unterhalten können“, erzählt Englisch-Lehrerin Claudia Heupel, die die Schüler nach Taiwan begleitet hatte. „Wir wurden erschlagen von der Gastfreundschaft“, sagt die 49-Jährige. Die Reise sei ein voller Erfolg gewesen, denn die Kulturen seien sehr unterschiedlich. „Es war gut, mal über den eigenen Tellerrand hinaus zu blicken.“

Ann-Sophie hatte nun gleich zwei Jugendliche bei sich in der Familie zu Gast. Die Besucher aus Fernost halten sich immer an die Regeln, fällt ihr auf. „Sie würden im Bus niemals ihren Platz verlassen. Wir Deutsche stehen immer mal wieder auf, weil wir kurz etwas mit einem Schulkamerad besprechen. Das geht in Taiwan nicht.“ Das Zusammenleben in der Familie verlief sehr harmonisch.

Schülerin Anni (17) aus Taichung hat es in der Marktgemeinde sehr gut gefallen. „Alle sind sehr nett. Man grüßt sich sogar auf der Straße, selbst wenn man sich nicht kennt“, das ist ihr aufgefallen. „Wir sind freundlich, aber auch schüchtern.“ Die Schüler unternahmen Ausflüge zum Chiemsee, auf die Zugspitze und in die BMW-Welt. Auch das Essen hat es der Schülerin angetan. „Der Kartoffelsalat ist einfach köstlich. Ich habe das Rezept und werde ihn daheim nachkochen.“ Für Ann-Sophie steht schon fest, dass sie nach dem Abschluss im kommenden Jahr für einige Monate nach Taiwan möchte. „Ich kann mir gut vorstellen, dort auf dem Campus zu wohnen und in die Schule zu gehen.“ Kochen und Nähen würde sie dort gern lernen. „Das wird dort angeboten.“

Entstanden war die Idee für den Austausch bei einem Urlaub: Das Ehepaar Barbara Bauer-Kurrle und Günther Kurrle, Geschäftsführer der privaten Wirtschaftsschule, hatte bei einer USA-Reise die Geschäftsführer der High-School in Taichung kennengelernt – und gleich einen Schüleraustausch vereinbart.

Kathrin Suda

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