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Ein leider gewohnter Anblick: Verkehrschaos im Holzkirchner Ortskern. Schuld sind die Navis.

"Viele sind zu sparsam oder zu faul"

Holzkirchner sauer: Doofe Navis führen alle Stau-Flüchtlinge durch ihren Ort

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Holzkirchen - Kaum staut es sich auf der Autobahn A8, stockt der Verkehr in Holzkirchen. Urlauber und Sattelzüge quälen sich durch den Ort, als würde es die Nordspange nicht geben. Das hat seinen Grund.

Nur meterweise geht es vorwärts, teilweise verstopft der Rückstau Einfahrten und Kreuzungen. Erst vor wenigen Tagen gab das Chaos wieder ein Gastspiel in der Holzkirchner Ortsdurchfahrt, verstärkt noch von der Geothermie-Baustelle in der Münchner Straße. Ein Unfall hatte die Autobahn in Richtung München verstopft,als vermeintlich clevere Ausweichroute wählten viele den Weg quer durch das ampeldurchsetzte Holzkirchen – anstatt eine Ausfahrt zuvor auf der Nordspange in Richtung Norden zu rutschen. 

„Schuld sind die Navis“

„Schuld sind die Navis“, glaubt Zweite Bürgermeisterin Elisabeth Dasch, die derzeit Olaf von Löwis als Gemeindeoberhaupt vertritt. Die digitalen Straßennetz-Assistenten, längst Standard selbst in Kleinwagen, lotsen das arglose und ortsunkundige Stauopfer in die Falle. „Manche Navis wissen von unserer Nordspange offenbar noch gar nichts“, vermutet Dasch.

Kürzeste Verbindung bringt gar nichts

Andere Autofahrer machen augenscheinlich den Fehler, den Besserwisser neben dem Armaturenbrett die kürzeste Verbindung suchen zu lassen. „Was natürlich gar nichts bringt, weil sie dann statt auf der Autobahn in Holzkirchen im Stau stehen“, sagt die Zweite Bürgermeisterin. Würden Stauflüchtlinge auf die von der Marktgemeinde gebaute Nordspange ausweichen, „fahren sie zwar etwas länger, sind aber schneller am Ziel“, weiß Dasch. Und vor allem: Die Holzkirchner wären zumindest von diesem Durchgangsverkehr entlastet.

"Fehler sollte inzwischen behoben sein"

Die Holzkirchner Navi-Falle kam auch Peter Schiffmann spanisch vor, dem Leiter der Verkehrsbehörde im Landratsamt (die Nordspange wird offiziell als Kreisstraße MB 9 geführt). Seine Nachfrage beim führenden Kartendienst und Navigationsprogramm Here bestätigte den Verdacht, dass die Nordspange tatsächlich bis Frühjahr 2016 nicht in die Programme eingespeist war. „Der Fehler sollte jetzt behoben sein“, teilt Birger Nemitz, Pressesprecher der Kreisbehörde, auf Anfrage mit. 

Leute zu faul, ihr Navi zu organisieren

Wer ein neues Navi oder ein Auto mit Navi kauft, wer Google Maps nutzt oder seinem Navi ein Update gönnt, wird jetzt auf die Nordspange geführt. Dass immer noch viele in die Falle tappen, liegt laut Nemitz wohl daran, dass „man zu faul oder zu sparsam ist, sein Navi zu aktualisieren“.

Das Navi-Problem ist dem Straßenbauamt Rosenheim, in dessen Zuständigkeit die als Staatsstraße 2573 firmierende Ortsdurchfahrt (ehedem B 13) fällt, durchaus bekannt. Nicht immer sei veraltetes Kartenmaterial schuld. „Es wird gern der kürzeste Weg eingestellt“, sagt Matthias Geitz, im Straßenbauamt zuständig für den Landkreis Miesbach, „und dann rumpeln auch mal Wohnwagen-Gespanne über Feldwege.“ Bei der Ausschilderung der Nordspange haben sich Straßenbauamt und Landratsamt nichts vorzuwerfen. „Die Wegweisung weist klar auf die Nordspange“, betont Geitz, „auch die offizielle Behelfsumleitung der Autobahn läuft nicht durch den Ort.“ 

Kreisel optimieren? Straßenbauamt winkt ab

Offizielle Schilder sind das eine. Vielleicht müsse man irgendwie anders und deutlicher am Straßenrand auf die Nordspange hinführen, schlägt Dasch vor. „Wir sollten uns da gemeinsam etwas überlegen.“ Sonst breche die Blechlawine weiterhin mindestens an jedem Ausflugswochenende über den Ortskern herein. Hoffnungen setze die Gemeinde diesbezüglich in das laufende „Integrierte Mobilitätskonzept“, betonte Dasch. Schon gibt es erste Überlegungen, den McDonald’s-Kreisel am Ortseingang von Otterfing umzubauen, um das Abschwenken nach links auf die Nordspange baulich attraktiver zu gestalten. „Mal schauen, vielleicht fällt unserem Verkehrsplaner etwas ein“, sagt Dasch. 

Geitz vom Straßenbauamt kann sich auf die Schnelle nicht vorstellen, wie der Kreisel zu optimieren wäre. Würde die Nordspange nach rechts abgehen, hätte sich angeboten, die Kurve in einem neuen Kreisel flüssiger zu gestalten. „Aber im Kreisel kommt nun mal erst die Ortseinfahrt, dann die Nordspange“, sagt Geitz. Auch wenn zu viele Autofahrer die Nordspange noch nicht finden: Die Umfahrung wird rege genutzt, wie eine Zählung des Landratsamts aus dem Jahr 2015 dokumentiert. „Die genauen Zahlen werden noch ausgewertet“, sagt Nemitz, „aber schon jetzt lässt sich sagen, dass die Nordspange gut angenommen wird."

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