Der Freistaat und die Schienenbetreiber haben die Planungen für die Elektrifizierung des Bahnnetzes im Oberland auf den Weg gebracht. Und so geht es jetzt weiter.
+
Überreichung der Planungsvereinbarung zur Elektrifizierung des Oberland-Schienennetzes: (v.l.) Bürgermeistersprecher Olaf von Löwis, Geschäftsführer Heino Seeger von der Tegernsee-Bahn, Verkehrsminister Hans Reichhart, Bundestagsabgeordneter Alexander Radwan, Landtagspräsidentin Ilse Aigner und Klaus-Dieter Josel, Konzernbevollmächtiger der Deutschen Bahn für den Freistaat Bayern.

Freistaat und Infrastrukturbetreiber unterzeichnen Planungsvereinbarung

Das Oberland-Bahnnetz soll elektrisch werden

  • Stephen Hank
    vonStephen Hank
    schließen

Der Freistaat und die Schienenbetreiber haben die Planungen für die Elektrifizierung des Bahnnetzes im Oberland auf den Weg gebracht. So geht es jetzt weiter.

Holzkirchen - Die Elektrifizierung der Bahnstrecken im Oberland kommt voran. Verkehrsminister Hans Reichhart (CSU) und die Vertreter der Infrastrukturbetreiber, Deutsche Bahn und Tegernsee-Bahn, unterzeichneten jetzt eine Planungsvereinbarung, die die Grundlage legt für einen strombetriebenen Schienenverkehr zwischen Holzkirchen und dem Oberland. Bei einem Pressetermin am Holzkirchner Bahnhof stellten sie am Samstag die Details vor.

„Unser Ziel ist es, den Zugverkehr im Oberland zu stabilisieren und auszubauen“, sagte Landtagspräsidentin und Stimmkreisabgeordnete Ilse Aigner (CSU). In ihrer Zeit als Verkehrsministerin hatte sie den Planungsauftrag bereits auf den Weg gebracht, ihr Nachfolger Reichhart meldete jetzt mit seiner Unterschrift Vollzug. Der Minister: „Diese Sache ist gut und richtig.“

„Planungsvereinbarung schafft entscheidenden Zeitvorteil“

Der Freistaat geht dabei mit 3,4 Millionen Euro in Vorleistung. Es sei ein finanzieller Kraftakt, gestand Reichhart, aber der Schritt sei notwendig, um die Notwendigkeit der Elektrifizierung zu untermauern. Er hoffe nun, dass der Bund nachlegt. Bekanntermaßen will dieser mit einem Milliarden-Programm die Elektrifizierung des Schienenverkehrs in Deutschland vorantreiben. „Diese Planungsvereinbarung schafft einen entscheidenden Zeitvorteil“, sagte der CSU-Bundestagsabgeordnete Alexander Radwan. „Wenn irgendwann die Bundesmittel zur Verfügung stehen, geht das große Gedränge los. Wir haben dann bereits eine fertige Planung. Das bringt uns Jahre.“

Das Pressegespräch fand in einem historischen Triebwagen der Tegernsee-Bahn statt.

Konkret wird in den kommenden zwei bis drei Jahren eine Gesamtstrecke von 84 Kilometern planerisch unter die Lupe genommen. Es geht um die Abschnitte von Holzkirchen nach Bayrischzell und von Holzkirchen über Schaftlach nach Lenggries, die im Besitz der DB Netz sind. Außerdem betrifft es die Strecke von Schaftlach nach Tegernsee, die der Tegernsee-Bahn und damit dem Landkreis, der Stadt Tegernsee und der Gemeinde Gmund gehört. Die Planungen wird ein externes Büro übernehmen, wie der Konzernbevollmächtigte der Deutschen Bahn für den Freistaat, Klaus-Dieter Josel, erläuterte. Hierfür ist eine europaweite Ausschreibung erforderlich, die jetzt erarbeitet und etwa ein halbes Jahr dauern wird. Josel bezeichnete die Elektrifizierung als „Grundlage für einen umweltfreundlichen Verkehr“. Heino Seeger, Geschäftsführer der Tegernsee-Bahn, bestätigte das: „Der Strom, der hier in Holzkirchen ins Bahnnetz eingespeist wird, ist umweltfreundlicher Strom vom Walchensee-Kraftwerk.“

Züge werden unter Oberleitung fahren

Wenn im Zuge der ersten Planungsphase auch noch unzählige Details geklärt werden müssen, so ist heute schon klar: Der E-Zugverkehr wird - wie heute schon die Münchner S-Bahn - unter Fahrdraht erfolgen. „Es ist momentan die effektivste und umweltschonendste Technologie“, stellte Reichhart klar. Man werde die Entwicklung bei anderen Antriebsformen wie Hybrid oder Wasserstoff weiter im Auge behalten, derzeit seien sie aber keine ernsthafte Alternative zur Oberleitung. „Es wäre fahrlässig, sich nur auf Hybrid zu verlassen“, ergänzte Radwan. „Wie brauchen beide Optionen und verbauen uns jetzt mit dieser Planung nichts.“

Die unterzeichnete Vereinbarung.

Wann die ersten elektrisch betriebenen Züge durchs Oberland rollen, ist noch völlig offen. „Einen Inbetriebnahmetermin kann man seriös erst dann nennen, wenn wir Baurecht haben“, sagte Josel. In der jetzt angelaufenen Vorplanungsphase geht es zunächst unter anderem darum, die Grundlagen und Kosten der Gesamtmaßnahme zu ermitteln. Anschließend erfolgen die Planungsphase, das Planfeststellungsverfahren und dann die Bauphase. „Wie schnell das alles geht, hängt auch von den Leuten ab“, merkte Reichhart an. „Ob sie gegen die Pläne klagen und das Verfahren damit massiv verzögern, oder ob sie sich konstruktiv beteiligen.“ Josel kündigte seitens der Bahn einen intensiven Dialog mit der Bevölkerung an.

Freistaat will Oberland bis Ende des nächsten Jahrzehnts elektrifiziert haben

Ziel der Staatsregierung zumindest ist es, das Oberlandnetz bis Ende des nächsten Jahrzehnts elektrifiziert zu haben. „Mit der Anschaffung der neuen Lint-Züge haben wir uns eindeutig Luft verschafft“, betonte Aigner. Die Fahrzeuge, die kommendes Jahr ausgeliefert werden, gelten als sehr robust und stehen bis 2032 zur Verfügung. Zusätzlich sollen sechs weitere Fahrzeuge bestellt werden. Der derzeitige Betreibervertrag mit der Bayerischen Oberlandbahn (BOB) endet 2026. Inwieweit ein Elektrobetrieb bereits in die Neuausschreibung der Oberland-Strecken ab 2024 aufgenommen wird, muss der Planungsfortschritt bis dahin zeigen. Es sei aber gut denkbar, den Umstieg von Diesel auf Elektro im neuen Vertrag bereits zu verankern.

sh

Lesen Sie auch: BOB-Chef äußert sich zum jüngsten Bahnchaos

Auch interessant

Kommentare