Bauarbeiten der Bahn: Die Schrankenanlagen in Holzkirchen in der Miesbacher und der Tegernseer Straße (Bild) werden erneuert. Die unbeschrankten Übergänge bei Thann und Lochham werden mit Halbschranken ausgerüstet.
+
Bauarbeiten der Bahn: Die Schrankenanlagen in Holzkirchen in der Miesbacher und der Tegernseer Straße (Bild) werden erneuert. Die unbeschrankten Übergänge bei Thann und Lochham werden mit Halbschranken ausgerüstet.

Umfangreiche Bauarbeiten starten

Bahn macht mobil an Übergängen in Holzkirchen und Warngau

  • vonKatrin Hager
    schließen

Die Bahn macht heuer mobil im Nordlandkreis. An vier Übergängen in Holzkirchen und Warngau stehen große Bauarbeiten an, für zwei weitere läuft die Planung an.

Holzkirchen/Warngau – Es war das jüngste schwere Unglück an einem der vier unbeschrankten Bahnübergänge in der Gemeinde Warngau: Im September rammte am Bahnübergang nahe Thann ein Zug der BRB den Pkw einer jungen Familie mit Baby, die Insassen des Autos überlebten schwer verletzt. Der Unfall war nicht der erste seiner Art – aber er hat augenscheinlich eine Menge Bewegung in eine verfahrene Situation gebracht. Denn wenig später kündigte die Deutsche Bahn (DB), die für die Übergänge zuständig ist, der Gemeinde Warngau an, dass für die vier unbeschrankten Übergänge auf ihrem Gebiet Lösungen gesucht werden – nicht nur für den bei Thann, sondern auch den bei Lochham, am Sportplatz in Tannried und an der Gemeindestraße nach Piesenkam. Genau das also, worauf die Gemeinde jahrelang erfolglos hingearbeitet hatte.

An dem unverhofften Sinneswandel mögen die technischen Nachwehen des Unfalls im September 2020 möglicherweise auch nicht ganz unbeteiligt gewesen sein. Denn bei der Kollision von Lint und Auto wurde auch das Schalthäuschen am Bahnübergang Thann zerstört, das die technisch angekoppelten Bahnübergänge bei Lochham sowie an der Tegernseer und der Miesbacher Straße in Holzkirchen mitsteuerte. Wochenlang, bis Ende Oktober, mussten diese Bahnübergänge bei jedem passierenden Zug per Hand von Mitarbeitern gesichert werden. Wegen der Sicherheitsvorschriften kam es dabei zu bis zu 15 Minuten langen Schließzeiten bei Zügen aus Richtung Schaftlach. Und in der Folge insbesondere auf der besonders verkehrsträchtigen Miesbacher Straße zu langen Staus.

Überblick: Alle Sperrungen und Baustellen auf Straßen und Schienen im Landkreis Miesbach immer aktuell im Ticker

In diesem Jahr wird die Bahn das unglückselige Vierergespann auflösen. Und in diesem Zuge bekommen die Übergänge in Lochham und Thann auf Warngauer Flur auch die lang ersehnten Schranken. Die Kosten für die Umbaumaßnahmen belaufen sich auf rund eine Million Euro pro Bahnübergang, die die DB Netz AG beziehungsweise im Falle von Lochham und Thann jeweils zu einem Drittel Bund, Freistaat Bayern und Bahn übernehmen. Für die Gemeinde Warngau hat sich ihre lange Wartezeit am Ende immerhin monetär ausgezahlt: Durch eine Änderung des Eisenbahnkreuzungsgesetzes muss statt ihrer nun der Freistaat zahlen.

Holzkirchen

Die Bahnübergänge in der Miesbacher und der Tegernseer Straße in Holzkirchen wurden bislang nur provisorisch signaltechnisch instandgesetzt. Beide werden nun erneuert: Sie werden künftig zwar untereinander technisch zusammenhängen, aber nicht mehr von den weiter entfernten Übergängen bei Thann oder Lochham. „Hierzu laufen seit Ende März vorbereitende Kabeltiefbauarbeiten“, teilt eine Bahn-Sprecherin auf Anfrage unserer Zeitung mit. „Ab September 2021 startet die zweite Bauphase.“

Die beiden Bahnübergänge erhalten dann jeweils neue Schranken und neue Lichtzeichenanlagen mit gelber und roter Phase. Auf den Straßenverkehr werden in der Bauzeit Einschränkungen zukommen. Die Planung, auch was die Zeiträume betrifft, läuft aber noch. Die DB rechne mit einer Teilsperrung beziehungsweise einer jeweils halbseitigen Sperrung der Tegernseer und der Miesbacher Straße für zwei bis drei Wochen. Für diese Zeit sollen an den Bahnübergängen mobile Sicherungseinrichtungen zum Einsatz kommen – wie derzeit schon bei den eigentlich unbeschrankten Übergängen bei Thann und Lochham.

Thann und Lochham

Die Bahnübergänge bei Thann und Lochham waren bislang unbeschrankt. Seit sich die Bahn entschloss, sie mit Halbschranken nachzurüsten, kommen dort bereits mobile Sicherungsanlagen samt Schranke zum Einsatz. Wie die Bahn nun auf Anfrage unserer Zeitung mitteilt, werden sie bis Ende des Jahres mit Halbschranken und neuen Lichtzeichen ausgestattet. „Voraussetzung ist Baurecht durch das Eisenbahnbundesamt“, erklärt die Sprecherin und fügt auf Nachfrage hinzu, dass die Bahn die Anträge dafür „dieser Tage“ stelle. „Bis zur Inbetriebnahme bleiben die Bahnübergangsposten im Einsatz“, teilt die DB mit.

Am Bahnübergang Thann wurde bei einem schweren Unfall im September 2020 das Schalthäuschen zerstört.

Weil beschrankte Bahnübergänge Fahrzeugen noch Platz bieten müssen, um gegebenenfalls den Gleisbereich räumen zu können, muss bei beiden auch der Straßenbereich aufgeweitet werden. Im April starten erste Arbeiten dafür – inklusive Sperrung (siehe hinten). Ab September findet der Umbau straßenseitig statt, auch beginnt die Errichtung der Halbschranken und Lichtzeichen. Zum Umleitungsverkehr steht die DB mit der Gemeinde Warngau im Austausch.

Sperrung ab 19. April

Aufgrund der Asphaltarbeiten sind die beiden Bahnübergänge Thann und Lochham von Montag, 19. April 2021, um 6 Uhr bis Freitag, 23. April 2021, um 18 Uhr komplett gesperrt. Die Umleitungen werden ausgeschildert, teilt die Gemeinde Warngau mit. Auch für den Bahnverkehr in Richtung Tegernsee/Lenggries gibt es vom 19. bis 23. April Einschränkungen. „In diesem Zeitraum ist die Strecke von Schaftlach nach Lenggries für Brückenarbeiten ohnehin bereits gesperrt“, so die DB-Sprecherin. Für die Arbeiten an den Bahnübergängen Lochham und Thann sei in Abstimmung mit der BRB der Sperrbereich bis Holzkirchen verlängert worden. „Damit werden zwei Baumaßnahmen so gebündelt, dass sich die Auswirkungen auf den Zugverkehr zeitlich so gering wie möglich halten.“ BRB-Fahrgäste finden aktuelle Infos zu Schienenersatzverkehr auf ww.brb.de.

Die Grafik (für volle Ansicht anklicken) zeigt die vier bislang unbeschrankten Bahnübergänge in der Gemeinde Warngau, für die die Bahn nun eine Lösung plant.

Oberwarngau

Auch für die beiden ebenfalls bislang unbeschrankten Bahnübergänge am Sportplatz bei Tannried und an der Gemeindeverbindungsstraße von Warngau nach Piesenkam hat die Bahn Lösungen angekündigt. Die DB stehe dazu mit der Gemeinde in Kontakt. „Es ist vorgesehen, den Bahnübergang ,Piesenkam‘ durch eine Eisenbahnbrücke zu ersetzen und den Bahnübergang ,Sportplatz‘ mit einer Schrankenanlage auszurüsten“, erklärt die Sprecherin. „Beide Maßnahmen stehen noch ganz am Anfang der Planung.“ Details zu Kosten oder Zeitplan gibt es also noch nicht. Auch für diese beiden Projekte muss die DB beim Eisenbahnbundesamt Baurecht beantragen.

Eine Auswahl aller relevanten News und Geschichten erhalten Sie in unserem kostenlosen Newsletter regelmäßig und direkt per Mail. Melden Sie sich hier an für Tegernsee, hier für Miesbach und hier für Holzkirchen.

ag

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare